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Hühnervögel


Glattfusshuhn © Stefan Ott, piclease
Foto: Glattfusshuhn © Stefan Ott, piclease

Die Ordnung der Hühnervögel (Galliformes) umfasst insgesamt fünf Familien, etwa 70 Gattungen und mehr als 250 Arten. In Deutschland ist die Familie der Fasanenartigen (Phasianidae) vertreten. In der früheren Systematik gehörten dazu die Unterfamilien der Raufußhühner, der Feldhühner und der Fasanen. Teilweise wurden Feldhühner und Fasane auch zusammen als „Glattfußhühner“ im Unterschied zu den Raufußhühnern bezeichnet. Moderne Analysen zeigen komplizierte Verwandschaftsbeziehungen. Sie belassen die Unterfamilien der Raufußhühner und Fasanen, die systematische Stellung der Mitglieder der „Feldhühner“ bleibt dagegen vorerst unklar.

Hühnervögel sind an das Bodenleben angepasst. Sie besitzen kräftige Schnäbel und starke Laufbeine. Die kurzen, runden Flügel tragen meist gebogene Schwungfedern. Fast alle Arten fliegen mit schnellen, kräftigen Flügelschlägen meist niedrig über dem Boden. Bei manchen Hühnern tragen beide Geschlechter (z. B.  Rebhuhn, Wachtel), bei anderen zumindest die Hennen (z. B.  Auer- und  Birkhuhn) tarnfarbiges Gefieder. Die Wachtel ist ein Zugvogel mit Winterquartier im Mittelmeergebiet bis ins tropische Afrika, die anderen, in Deutschland brütenden Arten sind Standvögel oder Teilzieher.

Die Jungen der Hühnervögel sind Nestflüchter.

Unterfamilien

Fasane

Der Fasan ist ein wärmeliebender Tieflandbewohner, der  Auwald,  Wiesen, Felder,  Weinberge,  Schilfgebiete, Hackfrucht- und Getreidefelder zu seinem Lebensräumen zählt. Fasane waren Haustiere und begehrtes Jagdwild. Deswegen hat man versucht, besonders geschätzte Arten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets anzusiedeln. Mit Ausnahme des Fasans, der aus der asiatisch-orientalischen Region stammt und des Wildtruthahns, der aus Amerika eingeführt wurde, konnte jedoch keine der Arten dauerhaft eingebürgert werden. Der Fasan ist polygam, d.h. ein Hahn begattet mehrere, zur Brutzeit bewachte Hennen eines Harems.

Feldhühner

Die Wachtel ist weltweit einer der kleinsten Hühnervögel. Bei uns lebt sie in mageren  Wiesen, in  Getreidefeldern, auf  Weiden und  Magerrasen. Wichtig ist eine Offenheit der Landschaft. In  Deutschland ist die Wachtel von Ende April bis Anfang Oktober anzutreffen. Sie gilt als Invasionsvogel und zeigt ein sehr unstetes und invasionsartiges Siedlungsverhalten. Nach einer Erstbrut können ungeeignet gewordene Brutgebiete komplett geräumt werden und ein Zwischenzug stattfinden, selbst innerhalb einer Brutsaison finden Umsiedlungen über Entfernungen von mehreren 100 km statt. Das Fortpflanzungsverhalten der Wachtel ist kompliziert. Territorien i. e. S. werden nicht verteidigt, dafür bestehen „Wachtelrufplätze“ an geeigneten Standorten. Viele Männchen bleiben unverpaart und nomadisieren umher.

Das  Rebhuhn ist in Deutschland ganzjährig anzutreffen. Die Art ist Brutvogel in offenem  Ackerland,  Weiden und
 Heidegebieten. Rebhühner leben in Paar- oder Familienverbänden („Ketten“), die sich im Spätwinter auflösen. Ein Territorialverhalten ist nicht ausgeprägt, jedoch sind Rebhühner kontaktscheu zu anderen Paaren. Das Nest wird am Boden versteckt in Säumen oder an Gehölzen angelegt. Rebhühner sind standorttreu, ansässige Individuen verbleiben meist innerhalb weniger Quadratkilometer.

Rauhfußhühner

Das  Alpenschneehuhn ist Brutvogel der Alpen oberhalb der Baumgrenze. Im Winter sind Alpenschneehühner fast ganz weiß, im Frühjahr wird durch eine Mauser ein bräunlicheres Gefieder angelegt. Die weiße bzw. grau-gesprenkelte Gesamterscheinung trägt zur Tarnung bei, auf die sich die Tiere bei Annäherung von Wanderern verlassen: Sie fliegen erst auf, wenn man sie fast erreicht hat.

Das  Auerhuhn ist der größte Hühnervogel Europas. In Europa besiedelt es im Regelfall Zonen mit großen, lichten und naturnahen (Misch-) Wäldern oberhalb von 1.000 Höhenmeter.

Der deutsche Bestand vom  Birkhuhn lebt in den Alpen im Bereich der Baumgrenze, im Tiefland in ausgedehnten  Moor- und  Heideflächen sowie aufgelockerten Waldgebieten (z. B. Restvorkommen in der Lüneburger Heide). Kleine Mittelgebirgs-Restbestände gibt es u.a. in der Rhön sowie im Bayerischen Wald und dem Erzgebirge.

Haselhühner bevorzugen artenreiche  Wälder, die stark strukturiert sind (z. B. viel Unterholz, eingestreute  Lichtungen, Wurzelteller, Baumstümpfe). Wichtige Bestandteile sind zudem Laubbäume, eine reiche, aber nicht zu dichte Krautschicht mit Angebot an Beeren und (Nadelholz-)Dickungen. Grundsätzlich kommen feuchte bis trockene Waldtypen in Betracht, auch Misch- oder Nadelwälder, nicht aber einheitliche Altersklassenbestände oder stark durchforsteter Wirtschaftswald. Günstig wirkt sich eine kleinflächige Niederwaldwirtschaft aus.

In den Alpen gibt es eine typische Besiedlung von aufeinanderfolgenden Biotopen durch die Rauhfußhuhnarten. Ganz oben lebt das  Schneehuhn, das nur selten in Bereiche unterhalb der Waldgrenze vordringt. Das  Birkhuhn folgt oberhalb der Waldgrenze, geht aber auch bis in die Almzone und auf Moore im Alpenvorland. Der Lebensraum des stärker waldgebundenen  Auerhuhns überschneidet sich vor allem im Bereich der Waldgrenze mit dem des Birkhuhns. Das Haselhuhn nutzt die Grünerlen- bzw. Weidengebüsche, allgemein die Weichholzzonen an den Bachläufen und in verschiedenen Waldstufen. In Deutschland gibt es außerhalb des Alpenraums keine Gebiete, in denen alle Rauhfußhuhnarten nebeneinander vorkommen.