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Wachtelkönig


© Roland Müller
Foto: Wachtelkönig © Roland Müller

Wachtelkönig (Crex crex)
Andere bekannte Namen: Wiesenschnarcher, Wiesenschnärper, Knarrer, Schnarker, Schnerper, Schnarrichen, Schnarper, Schnarf, Schnärz, Grasrätscher
Rote Liste Deutschland 2007: 2 (stark gefährdet)

In Deutschland gab es einst um die 100 volkstümlichen Namen für den Wachtelkönig. Dies ist ein indirekter Hinweis für sein früheres, häufiges Vorkommen und seine ehemals weite Verbreitung. Der Name Wachtelkönig geht auf den Glauben zurück, dass jedem Wachtelschwarm ein Wachtelkönig vorausfliegt, der den Schwarm anführt.

Der Wachtelkönig ist in Mitteleuropa mit z. T. jährlich wechselnden Dichtezentren ungleichmäßig verbreitet. Die individuenreichsten Habitate des Wachtelkönigs liegen derzeit noch in den wenig landwirtschaftlich erschlossenen Niederungen Polens und Ungarns. Im westlichen Verbreitungsgebiet hat die Zahl der Wachtelkönige durch die Zerstörung ihres Lebensraums – durch landwirtschaftliche Eingriffe wie Entwässerungen, Intensivierung der Grünlandnutzung mit häufiger und früher Mahd und Wiesenumbruch zu Ackerland – extrem abgenommen.

In der jüngeren Vergangenheit brechen die Bestände immer schneller zusammen. In nahezu allen Ländern, in denen Wachtelkönige vorkommen, gingen die Bestände allein in den Jahren zwischen 1970 und 1990 auf 20 – 50 % zurück.

Die Größe der Bestände wird im wesentlichen erfasst, indem rufende Männchen über die gesamte Rufperiode gezählt werden. Sind die Umweltbedingungen günstig, können sich kleine Bestände, zumindest kurzfristig, durch eine hohe Vermehrungsrate schnell wieder erholen. Dieser Umstand kann jahrweise über einen tatsächlichen Rückgang hinwegtäuschen.

Als Durchzügler, Nichtbrüter oder Tiere, die sich erfolglos ansiedeln oder brüten wollten, können Wachtelkönige vereinzelt fast überall und auch in sonst nicht besuchten Biotopen angetroffen werden. Durch diese Vorkommnisse können Bruten in manchen Gebieten vorgetäuscht werden und führen dann bei Auszählung zu falschen Bestandszahlen. In Deutschland gibt es etwa 2.300 – 4.100 Brutpaare (Sudholdt et al. 2013).

Der Wachtelkönig unterliegt von Jahr zu Jahr starken Bestandsschwankungen.
Selbst bei Gefahr fliegt der Wachtelkönig im Brutgebiet nur höchst selten. Die Hauptüberwinterungsgebiete des Langstreckenziehers liegen in den Steppengebieten Ost- und Südafrikas. Ab Ende April treffen Brutvögel in Europa ein, der Wegzug beginnt bereits im August.

Lebensraum von Wachtelkönigen

Der Wachtelkönig ist ein Brutvogel West- und Mitteleuropas, kommt aber auch in einem breiten Gürtel über Osteuropa bis zum Baikalsee und z.T. auf dem Balkan vor. Wegen seiner bevorzugten Lebensräume heißt der Wachtelkönig auch „Wiesenralle“. Dies sind hochwüchsige  Wiesen wie z.B. feuchte, ungedüngte Streu- und Mähwiesen, Wiesen in Fluss- und Bachauen,  Niedermoore, Ränder von Hochmooren oder Wiesen im Bereich der Verlandungszonen  stehender Gewässer.

Er lebt aber auch auf  Bergwiesen,  Brachflächen,  Hochstaudenfluren, Getreidefeldern, Rüben- und Kartoffeläckern,  Viehweiden mit höherer Vegetation und in trockeneren Lebensräumen. Sind die Flächen mit Büschen,  Gräben oder unregelmäßigem Geländerelief locker durchsetzt, was deren Strukturvielfalt erhöht, scheinen optimale Lebensbedingungen für den Wachtelkönig vorzuherrschen.

In regelmäßig aufgesuchten Brutrevieren finden sich  Seggenriede, die als Neststandort dienen. Auch blumenreiche (= insektenreiche) Heuwiesen für die Jun­genaufzucht und Stauden bzw.  Brachen, die als Rückzugsbereiche für die Jungtiere und während der Mauser der Altvögel wichtig sind, finden sich hier. Offene Bodenstellen erhöhen die Attraktivität dichtwüchsiger Wiesen zusätzlich.

Ursprüngliche Bruthabitate des Wachtelkönigs waren wahrscheinlich Seggen-Iris-Wasserschwadenwiesen in größeren Flusstälern sowie weitere, von Natur aus baumfreie Standorte mit höherer Vegetation. Aktuell finden sich Wachtelkönighabitate fast ausschließlich in landwirtschaftlich genutztem Grünland. Dort kann der Vogel nur existieren, wenn das Land extensiv bewirtschaftet und die Mahd sehr spät im Juli/August durchgeführt wird.

Gefährdung von Wachtelkönigen

Der Wachtelkönig ist eine von 24 europäischen Vogelarten, deren Bestand weltweit bedroht ist. In den meisten Ländern seines Verbreitungsgebietes gehen die Bestände deutlich zurück.

Wiesen

Da die Küken spät schlüpfen und deswegen auch spät flügge werden (August bis Anfang September), werden sie oft auf frühzeitig gemähten  Wiesen, die zur Heu- oder Silagegewinnung genutzt werden, totgemäht. Andererseits stellen eutrophierte (Feucht-)Wiesen ein Problem für die Wachtelkönige dar: Die geschlüpften Küken können die dortigige dichte Vegetation mit Altgrasbeständen an vielen Stellen nicht durchdringen. Außerdem enthält sie durch zunehmende Kühle und Feuchtigkeit in der bodennahen Krautschicht weniger Organismen, welche dem Wachtelkönig als Nahrung dienen. Auch die Sichtbedingungen sind schlechter. So lassen sich z.B. nahrhafte Regenwürmer wesentlich schlechter herauspicken.

Schutz von Wachtelkönigen

Mahd

Einige in den letzten Jahren umgesetzte Wiesenschutzprogramme kamen dem Wachtelkönig nicht zugute. Er ist ein später Brüter und benötigt deshalb Wiesen, die bereits vor seinem Eintreffen Frühmahdstreifen erhalten und zu einem späteren Zeitpunkt, aber nicht vor Mitte August, auf der ganzen Fläche gemäht werden. Mancherorts, z.B. in den Hochlagen der Mittelgebirge, wäre sogar eine Mahd nach dem 1. September günstig.

Doch nur allein die Verlegung des Mahdtermins nach hinten kann auf Dauer keine für den Wachtelkönig geeigneten Biotope erhalten. Dies liegt daran, dass die Wiesenstruktur nicht mehr geeignet ist. In zu kurzer Zeit wachsen die Gräser zu dicht hoch. Hier sollte ein kräftiger Nährstoffentzug erfolgen, der wieder mehr niedrig- und langsamwüchsige Kräuter begünstigt. Dann erhöht sich die Durchdringbarkeit ebenso wie das Nahrungsangebot für den Wachtelkönig.

Eine Mahd der Flächen von innen nach außen oder von einer zur anderen Seite kann die Zahl der Mahdopfer reduzieren, da den Tieren, die sich solange wie möglich im Schutz der höheren Vegetation verbergen, verschiedene Fluchtwege offen bleiben. Werden die Mahdtermine auf möglichst kleinräumige Bewirtschaftungseinheiten gestaffelt, werden für den Wachtelkönig ein interessantes Strukturmosaik und eine gleichbleibend hohe Nahrungsverfügbarkeit während der Brut- und Aufzuchtsphase geschaffen. Die Wiedervernässung mancher Gebiete, wie z.B. trockengelegter Moore, wäre eine für den Wachtelkönig und andere Arten förderliche Maßnahme.

Auen-Grünland

Der Wachtelkönig zieht zusammen mit seinen geschlüpften Jungen meist in nahrungsreiche, stellenweise gut durchsonnte und blühende Vegetationsbereiche, z.B. in  Hochstaudenfluren oder in wieder hochgewachsene und erneut blühende Frühmahdstreifen. Auch der Erhalt von  Auen-Grünland ist für den Schutz der Wachtelkönige von großer Bedeutung. In der Vergangenheit durchgeführte Umwandlungen von Wiesen in Ackerland bzw. sogar Aufforstungen zerstören ihren Lebensraum. Gerade in Auengebieten mit sehr fruchtbaren Böden ist eine Aufgabe der Wiesennutzung nicht förderlich, da die aufwachsende Vegetation dadurch sehr dicht, später umgeknickt und faulend auf dem Boden liegend und für sie undurchdringbar wird. Innerhalb weniger Jahre wachsen die Auenwiesen mit Schilf und Weidengebüschen zu.

Biologie des Wachtelkönigs

Systematik

Ordnung: Gruiformes (Rallen und Kranichvögel)
Familie: Rallidae (Rallen)

Aussehen

Der Wachtelkönig gehört zur Familie der Rallen und ist damit ein enger Verwandter von  Bless- und Teichralle. Die Art ist kleinwüchsig, wirkt sehr hochbeinig und hat einen kurzen, kräftigen Schnabel. Der Wachtelkönig hat rotbraune Oberflügeldeckfedern, die besonders im Flug gut zu sehen sind. Der Flug wirkt unsicher flatternd, die Beine hängen dabei herab.

Die Oberseite ist hell graubraun mit dunklen Längslinien, die Unterseite ist gelbbraun, in der Bauchgegend weißlich. An Kopf und Halsseiten sind die Tiere grau, Schnabel und Füsse sind fleischfarben bis grau.

Fortpflanzung

Wachtelkönige erreichen ihre Geschlechtsreife im ersten Lebensjahr. Das Verhältnis der Geschlechter zueinander ist noch nicht ausreichend erforscht, wahrscheinlich kommt die Saisonehe mit einem Partner am häufigsten vor.

In Gefangenschaft unterstützt das Männchen das Weibchen bei der Aufzucht der Jungen. Bereits wenige Tage nach Ankunft im Brutgebiet beginnen sie, unermüdlich zu rufen und bauen mehrere Nestplattformen (Rohnester) versteckt in dichter Vegetation auf dem Boden. Trifft ein Weibchen ein, wird es durch bestimmte Laute zu einer der Nestplattformen gelockt. Diese Lockrufe sind nur über eine kurze Entfernung zu hören, so dass für einen entfernt stehenden Beobachter der Eindruck einer Rufpause entsteht. Sinkt die nächtliche Rufaktivität vorübergehend ab und steigt sie tagsüber an, ist das ein sicheres Zeichen für eine Verpaarung. In den Tagen vor der Eiablage bewacht das Männchen das Weibchen.

Das von ihm gebaute Nest ist eine ausgescharrte oder natürliche Mulde, die mit Moos, Halmen, und Blättern ausgekleidet ist. Nur zum Teil ist bekannt, welche Neststandorte bevorzugt werden. So scheinen Nester gerne in einem Horst dichtstehender Pflanzen wie Gräsern, Seggen, Nesseln, Korbblüher (z.B. der Waldengelwurz) angelegt zu werden. Häufig befinden sich die Neststandorte am Rande von niedrigen Büschen.

Die Eiablage beginnt im Mai/Juni, nur in tieferen Lagen bereits früher im April. Das Weibchen legt in kurzen Abständen 7 – 12 Eier, d.h. 2 Eier pro Tag. Finden sich manchmal deutlich mehr Eier in einem Nest, stammen sie wahrscheinlich von 2 verschiedenen Weibchen. Sobald die ersten Eier gelegt sind, steigert das Männchen seine nächtliche Rufaktivität erneut, verlässt das Weibchen und versucht, eine neue Partnerin zu finden. Offenbar bebrütet ausschließlich das Weibchen das Gelege.

Je nach Eizahl des Geleges schlüpfen die sogenannten „Nestflüchter-Dunenküken“ nach 16 – 21 Tagen Brutzeit innerhalb weniger Stunden. Sie haben ein schwarzes Dunenkleid, das oberseits etwas bronzefarben schimmert. Schon am ersten oder zweiten Tag verlassen sie mit dem Weibchen die unmittelbare Nestumgebung. Nach rund 2 Wochen trennt sich das Weibchen von ihren Jungen, verpaart sich mit einem neuen Männchen und beginnt mit der zweiten Brut. Die Jungen können bereits im Alter von 5 Wochen fliegen.

Während der Brut und Aufzucht kommt es zu einem Biotopwechsel. Spätestens ab Mitte Juli, bei einsetzender Vollmauser, finden sich die Altvögel in Staudensäumen und Brachen ein, wo sie das Großgefieder wechseln und für mindestens 10 Tage flugunfähig sind. In diesem Stadium müssen sie sich zu Fuß fortbewegen und gleichzeitig viel Nahrung zu sich nehmen, um den hohen Eiweißbedarf zur Bildung des neuen Gefieders decken zu können.

Nahrung

Wachtelkönige ernähren sich vorwiegend von Kleintieren, darunter Heuschrecken, Käfer, Ameisen, Fliegen und andere Insekten, außerdem Spinnen, Tausendfüßler, Regenwürmer, Schnecken, kleine Frösche und gelegentlich kleine Mäuse und  Vögel. Daneben werden Sämereien und grüne Pflanzenteile gefressen. Zur Jungenaufzucht im Juni – August muss eine energetisch anspruchsvolle Ernährung sichergestellt sein. Qualität und Zusammensetzung der Nahrung ist für die Wachtelkönige sehr wichtig.

Natürliche Feinde

Der Wachtelkönig ist als Bodenbrüter mit seinen Gelegen und Jungtieren durch Feinde stark gefährdet. Natürlich Feinde sind z.B Fuchs, Dachs, Marder und Wildschwein, deren Bestände deutlich zugenommen haben.

Verhalten

Wachtelkönige sind im wesentlichen Einzelgänger, auch wenn sie in Rufgruppen balzen. Zur Brutzeit verteidigen die Männchen ihr Revier streng.

Die Tiere singen gerne von höheren Positionen in der Vegetation aus. Während des Zugs sind sie vorwiegend nachts aktiv, während des Brütens aber auch tagsüber.

Das charakteristischste Kennzeichen ist der laute Ruf des Männchens. Er ist im wissenschaftlichen Namen Crex crex lautmalerisch festgehalten. Man könnte ihn auch mit „rrrp-rrrp“ wiedergeben oder mit dem Geräusch vergleichen, das entsteht, wenn man mit einem Hölzchen über die Zähne eines Kammes streicht.

Die Balz findet oft in Rufgruppen statt, die aus mehreren Männchen bestehen. Durch die sehr weit hörbaren Rufe wird ein regelrechter Klangteppich über offene Wiesenlandschaften gelegt, die die vor allem nachts durchziehenden Weibchen anlocken soll. Die Männchen können ausdauernd, oft stundenlang mit nur im Sekundenabstand unterbrochenen Strophen rufen. Die stärkste Rufaktivität ist im Mai und Juni. Auch zu Beginn des Brutgeschäfts rufen Wachtelkönig-Männchen noch, hier vermehrt tagsüber, nicht mehr so lange andauernd und meist nicht mehr in Rufgruppen, sondern einzeln.

Die Rufperiode beginnt in der Regel 3 – 4 Tage nach Ankunft im Brutgebiet, hört nach der Eiablage fast gänzlich auf und beginnt, abgeschwächt, erneut nach dem Schlüpfen der Jungen. Die ersten Tage nach Ankunft im Brutgebiet nutzt der Wachtelkönig, um die notwendigen Vorraussetzungen für eine mögliche Brut zu prüfen. In manchen Jahren ist der Wachtelkönig zwar kurz anwesend, ruft aber nicht, weil schlechte Bedingungen wie ein zu hoher Grundwasserstand bzw. zu hohe Bodenfeuchte und schlechte Witterungsverhältnisse eine sichere Brut unmöglich machen.

Durch unterschiedliche Vorkommnisse kann sich die Rufperiode in die Länge ziehen:

  • Manchmal treffen Wachtelkönig-Männchen aus dem Winterquartier immer wieder sehr spät im Brutgebiet ein, wodurch sie auch später anfangen, zu rufen.
  • Andere Männchen haben sich woanders bereits verpaart, nehmen dort aber nicht am Brutgeschäft teil, vagabundieren durch die Gegend und treten dann wieder als Rufer in Erscheinung.
  • Auch Männchen, die unverpaart geblieben sind, rufen mitunter länger.

Auch bei Gefahr fliegt der Wachtelkönig im Brutgebiet nur selten auf, sondern hält sich meist in der Vegetation versteckt.

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