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Weißstorch


Weißstörche © Hans Glader, piclease
Foto: Weißstörche © Hans Glader, piclease

Weißstorch (Ciconia ciconia)
Andere bekannte Namen: Adebar, Klapperstorch, Langbein, Hausstorch.
Rote Liste Deutschland 2007: 3 (gefährdet)
Der Weißstorch war Vogel des Jahres 1994.

Der Weißstorch ist ein weitbekannter Sympathievogel. Sein zunehmendes Verschwinden geht einher mit dem Rückgang der  Feuchtwiesengebiete und der  Auenlandschaften in Deutschland.

Der Bestand der Weißstörche hat in Deutschland von 1930 bis 1990 von 30.000 auf 3.000 Brutpaare stark abgenommen. Ab 1990 erfolgte eine Zunahme, so dass sich die Bestände auf dem Niveau der 1970er Jahre stabilisieren konnten. Derzeit leben in Deutschland etwa 4.200 – 4.600 Brutpaare (Sudholdt et al. 2013). Die am dichtesten besiedelten Gebiete liegen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Hier finden sich bis zu 10 Storchenpaare auf 100 km². Weitere „weißstorchreiche“ Bundesländer sind Sachsen-Anhalt, Sachsen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Auch in Bayern ist ein allmählicher Anstieg des Bestandes zu beobachten, da die getroffenen Maßnahmen zur Verbesserung des Lebensraums Wirkung zeigen.

Der Weißstorch bevorzugt offensichtlich ein etwas kontinentaleres Klima und geeignete Lebensräume in den Niederungslagen. Von Nordosten nach Südwesten wird die Dichte der Bestände von Störchen in Deutschland deutlich geringer. Aktuell nimmt der Bruterfolg der Weißstörche in Deutschland und anderen Teilen Europas durch eine Verschlechterung der Nahrungssituation lokal ab (z. B. in Schleswig-Holstein), während er in anderen Bereichen stabil ist oder sogar zunimmt (z. B. in Nordrhein-Westfalen). Stabile bis zunehmende Bestände gibt es v. a. in Osteuropa.

Lebensraum von Weißstörchen

Verbreitung

Die namensgebende Form Ciconia ciconia, für den die hier beschriebenen Merkmale gelten, lebt in Europa und Nordafrika. In Asien leben zudem noch zwei Unterarten. Fast 90 Prozent des Verbreitungsgebiets von Weißstörchen liegen in Europa, davon Dreiviertel in Osteuropa, vor allem in Polen und im Baltikum. Weitere Verbreitungsschwerpunkte von Weißstörchen sind Südwesteuropa mit Spanien und Portugal und Südosteuropa mit Türkei, Palästina und Ägypten.

Feuchtwiesen, Fließgewässer

Der Weißstorch benötigt ausgedehnte, extensiv bewirtschaftete  Feuchtgebiete und weiträumige, zeitweise überflutete  Flusstäler in Niederungen. Als sogenannter „Kulturfolger“ nutzt er frisch gemähte  Wiesen, frisch umgebrochene  Äcker oder Stoppelfelder zur Nahrungssuche. In Revieren, die optimale Lebensbedingungen aufweisen, liegt der Brutplatz meist mitten im Nahrungsrevier.

Winter

In Südeuropa und Afrika sucht er auch  Trockengebiete wie beispielsweise weiträumige Hutewälder auf. Im Überwinterungsgebiet sind Weißstörche nicht unbedingt ortstreu. Sie suchen mit Vorliebe Gebiete mit weidendem Vieh und damit hohem Insektenreichtum und niedrigerer Vegetation auf sowie Gebiete, in denen durch regelmäßige Niederschläge die Vegetation nicht verdörrt und dadurch reichhaltig Nahrung zu finden ist. Sie folgen der Monsun-Regenzone und den Schwärmen der Wanderheuschrecken.

Gefährdung von Weißstörchen

Zerstörung des Lebensraumes

Der bedeutendste Faktor dafür, dass der Weißstorch in Mitteleuropa anhaltend und großflächig verschwindet bzw. nur noch wenige Nischen zum Überleben findet, ist der flächendeckende Verlust von nahrungsreichem, extensiv genutztem  Feuchtgrünland durch

  • Absenkung von Grundwasser,
  • Entwässerung von Wiesen,
  • Verbauung von Gewässern,
  • zunehmende Zerstückelung von Wiesenflächen durch Wege und Gebäude,
  • Umpflügen von Grünland und
  • häufiges Bearbeiten von Wiesen.

Im Zuge des EU-Beitritts osteuropäischer Länder ist auch dort eine zunehmende Verschlechterung der Lebensbedingungen für die Weißstörche zu befürchten, da hier eine Intensivierung der Landwirtschaft zu erwarten ist.

Auch wenn im Brut- und Überwinterungsgebiet häufig Biozide angewendet werden, wird dem Weißstorch die Nahrungsgrundlage entzogen. In Afrika wirkt sich besonders die Vergiftung von Heuschrecken negativ auf das Nahrungsangebot des Weißstorchs aus.

Bedeutende Gefährdungspotentiale bergen ebenso Unfälle an Straßen, Stromschläge durch Anflug an Leitungen oder durch Kurzschlüsse auf Umspannmasten. Die Dunkelziffer der dabei verendeten Vögel ist hoch.

Jagd

Große Verluste erleidet der Weißstorch auch durch menschliche Verfolgung. Er wird auf dem Zug ins Überwinterungsgebiet oder dort geschossen.

Klima

Kühle und feuchte Witterung während der Brut- und Aufzuchtszeit, aber auch starke Regengüsse und Hagelschlag können den Eiern oder Jungen gefährlich werden. Störche können auf dem Zug vor Erschöpfung sterben. Auch widrige Wet­terereignisse wie anhaltende Dürre mit dem damit verbundenen Nahrungsmangel führen in den Überwinterungsgebieten zu Bestandsverlusten.

Schutz von Weißstörchen

Zum Erhalt der Weißstorch-Populationen müssen folgende Maßnahmen getroffen werden:

  • Flächenzerschneidungen durch Wege, Straßen, Brücken, Stromtrassen, Radwege oder sonstige Infrastruktur wirken sich negativ auf den Weißstorchbestand aus, daher müssen großflächig unzerschnittene Grünland-Auengebiete erhalten oder wiederhergestellt werden.
  • Der Einsatz chemischer Insektenvernichtungsmittel muss stark eingeschränkt werden.
  • Die Verlegung von Stromkabeln in die Erde oder eine zumindest großflächige Entschärfung der Strommasten sind – auch für andere Großvogelarten – wichtige Schutzmaßnahmen.
  • Auch in den Überwinterungsgebieten und auf dem Zug müssen Maßnahmen zum Schutz des Storchs wie ein Bejagungsverbot, die Verminderung des Pestizideinsatzes und die Sicherung von Strommasten getroffen werden.

Biologie des Weißstorchs

Systematik

Ordnung: Ciconiiformes (Schreitvögel)
Familie: Ciconiidae (Störche)

Aussehen

Mit einer Flügelspannweite bis zu 2 m ist der Weißstorch einer unserer größten heimischen Vogelarten. Im Stehen misst er etwa 80 cm. Er ist größer als der Graureiher und erreicht ein Gewicht von über 4 kg.

Das Alterskleid der Weißstörche ist weiß gefärbt. Schwarz sind die Schwingen, die längsten Schulterfedern und die großen Oberflügeldeckfedern. An der Schnabelwurzel beginnt ein schwarzer Zügelstreif, der das Auge umgebend noch wenige Zentimeter hinter das Auge reicht. Schnabel und Beine sind lang und rot gefärbt. Die Wurzeln der drei Vorderzehen sind durch Spannhäute, die das Einsinken im Schlamm verhindern, miteinander verbunden.

Im Flug fallen besonders sein gestreckter, leicht abwärts geneigter Hals und seine langsamen Flügelschläge auf, während die Beine seinen Schwanz deutlich überragen.

Fortpflanzung

Weißstörche werden frühestens mit 2 Jahren geschlechtsreif. In der Regel pflanzen sie sich jedoch erstmals im Alter von 3 – 4 Jahren fort, sind aber bis ins hohe Alter fortpflanzungsfähig. In einer gesunden Population gibt es aber auch immer einige Nichtbrüter, die sich zur Brutzeit zu gemeinschaftlichen Trupps zusammenschließen.

Bei günstigen Bedingungen brütet der Weißstorch in Kolonien, so dass das verteidigte Nestterritorium sehr klein ist. Oft kommt es zu heftigen Kämpfen mit fremden Besetzern vorjähriger Nester. Auch Nichtbrüter können als „Störenfriede“ auftreten. Im April kehren die Männchen meist 8 – 14 Tage vor den Weibchen aus den Überwinterungsgebieten in ihre Brutgebiete zurück und besetzen die vorhandenen Nester. Der Horstrevieranspruch wird zum Ausdruck gebracht, indem der Storch mit seinem Schnabel klappert. Dabei wirft er seinen Kopf soweit zurück, bis dieser den Rücken berührt. Mit auf der Stelle wiegenden Tritten bewegt der Storch klappernd den Kopf wieder in die Ausgangshaltung zurück. Um die Nester kann es zu heftigen Kämpfen kommen, die mitunter sogar tödlich enden. In der Regel verteidigt der Weißstorch sein Nahrungsrevier nicht. Er ist ausgesprochen ortstreu und nutzt ein und dasselbe Nest über viele Jahre hinweg.

Ursprünglich brütete der Weißstorch in Bäumen oder auf Felsen. Auch heute noch brüten vor allem einige osteuropäische Störche in Erlen, Pappeln, Ulmen und anderen Laubbäumen. Ersatzweise nutzen sie auch Dachgiebel, Schornsteine, Türme, Masten und künstlich geschaffene Plattformen als Nestunterlage. In Osteuropa werden mit Stroh oder Schilf gedeckte Häuser bevorzugt, die allerdings auch dort immer seltener zu finden sind.

Der Weißstorch baut seine Horste aus Reisig auf und arbeitet dann Erdklumpen, Grasbüschel, Wurzeln, Heu und Moos ein. Alte Horste können sich 1 – 2 m hoch auftürmen, einen Durchmesser von 2 m erreichen und 1.000 kg (!) schwer werden. Vor allem, wenn sie in Dörfern liegen, beherbergen die Horste oft Untermieter wie Sperlinge oder Bachstelzen.

Die Männchen beginnen bereits kurz nach Ankunft im Brutgebiet, die Horste auszubessern. Sobald die Weibchen eintreffen, bauen beide abwechselnd ihr mitgebrachtes Material in das Nest ein. In größeren Kolonien bewacht stets einer der beiden Altvögel den Horst, damit Artgenossen das Nistmaterial nicht stehlen können. Wird ein gänzlich neuer Horst gebaut, kann das bis zu 2 Wochen dauern. Oft errichten die Störche zusätzlich ein sogenanntes „Schlafnest“. Selbst Nichtbrüter lassen sich durch die rege Bautätigkeit der Brutvögel anregen, selbst ein Nest zu bauen.

In der Regel bleibt das Storchenpaar für eine Brutsaison zusammen. Das Männchen begattet das Weibchen, kurz nachdem beide sich auf dem Horst verpaart haben. Anfangs wiederholt er dies mehrmals täglich. Eine eigentliche Balz fehlt. Wenn das Weibchen das Nest anfliegt, begrüßt er es, indem er mit dem Schnabel klappert.

Weißstörche beginnen ihre Eier zwischen Mitte März und Ende Mai zu legen. Die Gelege bestehen aus 2 – 7, meist 3 – 4 Eiern, die im Abstand von 2 – 3 Tagen gelegt werden. Sie werden 31 – 34 Tage lang ausgebrütet. Männchen und Weibchen brüten etwa zu gleichen Anteilen. Nach dem Schlüpfen werden die Jungen die ersten 3 Wochen durchgehend von einem Altvogel bewacht. Auch die Jungen begrüßen die anfliegenden Elternvögel mit einem leisen Schnabelklappern. Nach 3 Wochen sind die Jungvögel in der Lage, aufrecht zu stehen. Dann sind sie auch groß genug, um unbeaufsichtigt gelassen zu werden.

Steigen die Temperaturen, beschattet einer der beiden Altvögel die Jungtiere mit den Flügeln und tränkt oder berieselt sie mit Wasser, das er in seinem Schlund herbeiträgt. Kranke Junge, die nicht mehr um Futter betteln, sterben und werden von den Altvögeln ignoriert, in jungem Alter  verschlungen oder offenbar manchmal auch aus dem Nest geworfen. Nach etwa 2 Monaten sind die Jungen flügge. Da sie bereits im Hochsommer beginnen, ins Überwinterungsgebiet zu ziehen, trainieren die jungen Störche bereits ab dem 40. Lebenstag ihre Flugmuskeln. Bis die Jungen gänzlich selbständig sind, bleibt die Familie noch 1 – 3 Wochen zusammen. Die Altvögel kehren zum Übernachten noch bis kurz vor dem Zeitpunkt, an dem sie ins Winterquartier ziehen, zum Horst zurück.

Nahrung

Weißstörche schreiten ausdauernd auf  Wiesen und  Feldern und suchen dort nach Nahrung. Sie ernähren sich von Insekten wie Käfern, Heuschrecken oder Blattwespen, Regenwürmern und Schnecken, Fröschen, Molchen, Eidechsen, Schlangen, Mäusen, Maulwürfen und sogar von Wieseln.

Sie schrecken ihre Beute beim Schreiten mit den langen Watbeinen auf und schnappen schnell mit dem langen Schnabel zu. Gerne folgt der Weißstorch Pflügen oder Heuwendern, da bei deren Einsatz zahlreiche Beutetiere aufgeschreckt oder getötet werden.

Der Weißstorch watet durch seichtes Wasser, um Beute zu finden, oder lauert ihr am  Ufer von Gewässern auf. Gelegentlich frisst er auch  Fische,  Junghasen sowie Jungvögel, die er aus Nestern von  Bodenbrütern raubt und die er auch tot nicht verschmäht. Größere und trockene Beute wird entweder mehrfach verschluckt und wieder hervorgewürgt, dabei entweder eingespeichelt oder zum Wasser getragen und mit dem Schnabel mehrmals eingetaucht, um sie gleitfähig zu machen.

Unverdauliche Beutereste werden als sogenannte „Gewölle“ ausgewürgt.

Natürliche Feinde

Aufgrund seiner Größe hat der Weißstorch kaum natürliche Feinde. Adler, Habicht, Marder oder Katzen erbeuten höchst selten Storcheneier oder Jungvögel. Verluste gibt es, wenn Artgenossen beim Kampf um einen Horst sterben, wenn sich Jungtiere in nahrungsarmen Jahren gegenseitig fressen (Kannibalismus) oder wenn sie die schwächeren Geschwister aus Nahrungskonkurrenz tothacken.

Verhalten

Weißstörche sind vor allem tagaktiv und gute Segler, die oft im Schwarm und gemeinsam mit verschiedenen  Greifvögeln Aufwinde nutzen.

Sie sind ausgesprochene Zugvögel, die in schmaler Front nach Süden bis nach Afrika ziehen. Gemeinsam ziehen sie mit den Altvögeln im August auf zwei verschiedenen, festgelegten Routen (auch „Flugstraßen“ genannt) in ihre Überwinterungsgebiete. Man unterscheidet sogenannte „West- und Oststörche“, die durch eine Grenzlinie, die von Holland über das Rheinland und mitten durch Bayern verläuft, getrennt werden. Die westlich dieser Linie geborenen Störche ziehen über Spanien, Portugal und die Straße von Gibraltar, während die Oststörche über den Bosporus, die Türkei, Palästina und Ägypten fliegen.

An einem Tag können sie bis zu 200 km zurücklegen, wenn die Wind- bzw. Thermikbedingungen günstig sind, im energiesparenden Gleitflug. Da der Weißstorch in der Thermik fliegt, vermeidet er es, große Wasserflächen zu überfliegen, da diese ihm keine Aufwinde bieten können. Er umfliegt das Mittelmeer, selbst die 14 km breite Meerenge von Gibraltar oder der Golf von Suez überquert er nur ungern. Deswegen kommt es an den Meerengen immer wieder zu imposanten Massenansammlungen von zahlreichen Vogelarten. Die Alpen überfliegt er meist an niedrigen Pässen.

Störche, die bis an das Südkap von Afrika fliegen, legen eine Flugstrecke von insgesamt 10.000 Kilometern zurück. Der Flug in die Überwinterungsgebiete wird in Etappen zurückgelegt und dauert deutlich länger als der Heimzug in die Brutgebiete. Weißstörche erreichen Deutschland zwischen Ende Februar und Anfang April. Sind die Winter mild, bleiben einige Tiere immer wieder in ihrem Brutgebiet. Meist handelt es sich hier um Jungstörche oder um Tiere, die nach dem Auswildern in der Nähe ihrer Aufwuchsstation bleiben.

Eltern und Jungvögel begrüßen sich, indem sie mit ihren Schnäbeln klappern. Fliegen Konkurrenten den Horst an, werden sie mit einem anders klingenden „Abwehrklappern“ und durch eine breite Körperhaltung davon abgehalten, auf dem Horst zu landen. Das Männchen unterstreicht seine Aggressivität, indem es seine leicht geöffneten Flügel rhythmisch auf-und-ab bewegt. Landet der Gegner dennoch, kommt es zu heftigen Kämpfen, bei denen die Konkurrenten Schnabelhiebe austeilen und sich gegenseitig treten.

Die Brutpartner und die Geschwister betreiben gegenseitige Körperpflege.

In Ruhe steht der Storch meist auf einem Bein, wobei er das andere dicht an seinen Körper zieht.

Störche können mit über 20 Jahren sehr alt werden. Dieses hohe Alter erreichen jedoch nur zwei Prozent der gesamten Population.

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