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Schwarzstorch


Schwarzstorch © Hans Glader, piclease
Foto: Schwarzstorch © Hans Glader, piclease

Schwarzstorch (Ciconia nigra)
Andere bekannte Namen: Waldstorch
Rote Liste Deutschland 2007: Die Art ist derzeit nicht gefährdet.

Der Schwarzstorch ist eine besonders schützenswerte Art, für die Maßnahmen zum Erhalt der Populationen von den einzelnen EU-Mitgliedsstaaten unternommen werden müssen (Anhang 1 der Europäischen Vogelschutzrichtlinie). Deutschland hat eine wichtige Bedeutung beim Erhalt des Weltbestandes dieser Vogelart.

Nach drastischen Bestandsrückgängen ab Mitte des 19. Jahrhunderts hat sich der europäische Schwarzstorchbestand vom Baltikum und Polen ausgehend wieder in Europa ausgebreitet. In Deutschland ist er, wenn auch in stark wechselnder Dichte, wieder komplett verbreitet und seine Bestände nehmen kontinuierlich zu.

Nachdem er seine ehemaligen Brutgebiete wieder besetzt hat, siedelt er sich mittlerweile auch in neuen Gebieten an. Mit 7.800 Brutpaaren von etwa 12.000 Brutpaaren weltweit, ist weit über die Hälfte des Weltbestandes auf Europa konzentriert (Bauer et al. 2005). In Deutschland brüten etwa 650 bis 750 Paare (Sudholdt et al. 2013).

Mit regional wechselndem Reproduktionserfolg ist die Siedlungsdichte in Deutschland entsprechend des intensiven Nutzungsgrades der Landschaft vergleichsweise gering. In Polen und im Baltikum treten dagegen kolonieartig hohe Siedlungsdichten auf.

Lebensraum von Schwarzstörchen

Europa

Der Schwarzstorch ist in ganz Europa verbreitet, wobei seine Bestände nach Osteuropa hin zunehmen. Auch im Baltikum kommt er mit höheren Dichten vor. In Westeuropa breitet sich er sich derzeit weiter aus, in Südeuropa ist der Bestand lückig. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Vorderasien bis nach Ussurien im äußersten Südosten Russlands.

Wälder, Fließgewässer, Feuchtwiesen

Der Schwarzstorch lebt zurückgezogen in ausgedehnten, alten und ruhigen  Wäldern, die sich durch  Feuchtgebiete,  Bachläufe,  Moore und  Teiche auszeichnen. Im Bergland baut er seine Horste bevorzugt an Thermikhängen, auf denen breitkronige Bäume wachsen. Er kommt in Laub-, Nadel- und Mischwäldern vor und bevorzugt vor allem Eichen, Buchen oder Kiefern als Horstbäume. In den Niederungen sucht er gerne die breiten Talauen auf, sofern sich dort größere Waldkomplexe befinden.

Winter

Im Winterquartier und auf dem Zug akzeptieren Schwarzstörche auch trockenere Lebensräume. Zum Teil besetzen die Horstpaare ein großes Nahrungsrevier, das 6 – 10 km um den Horst herum liegen kann.

Gefährdung von Schwarzstörchen

Zerstörung des Lebensraumes

Obwohl die Bestände gegenwärtig zugenommen haben, hat der Schwarzstorch in vielen Gebieten nicht richtig Fuß fassen können. Werden  Buchenwälder intensiv bewirtschaftet, fehlen neben den Horstbäumen auch entsprechend ruhige, durch Wege kaum erschlossene Horstreviere.

Weiterhin gibt es Verluste durch Tiere, die Stromleitungen oder Strommasten anfliegen und dabei entweder durch mechanische Einwirkung oder durch Stromschlag zu Tode kommen.

Je nach Region führt auch der durch den sauren Regen verursachte Nahrungsmangel in den  Fließgewässern zum Rückgang der Bestände. Da es immer weniger  Feuchtwiesen gibt,  Waldgebiete durch Gewinnung von Trinkwasser austrocknen und die Zersiedlung der Landschaft und die Zerschneidung, z.B. durch Verkehrs- und Waldwege, zunimmt wird den Schwarzstörchen das Leben schwer gemacht.

Da oftmals geeignete Baumkronen fehlen, baut der Schwarzstorch immer wieder Horste auf Astgabeln von starken Seitenästen. Solche Horste sind durch Sturmwurf stark gefährdet. Stürzt der Horst während der Brutzeit ab, geht meist auch die Brut verloren.

Forstarbeiter, Wanderer, Radfahrer, Angler

Der Schwarzstorch ist im näheren Umfeld des Horstes sehr störungsempfindlich. Werden während der Brutzeit im Umkreis von weniger als 1 km Forstarbeiten durchgeführt, gibt er seinen Horst auf. Dies geschieht auch, wenn sich hier viele Erholungssuchende, Beobachter oder Fotografen aufhalten. Zur Zeit der Rückkehr an die Horste im Frühjahr zieht der Schwarzstorch dann an einen anderen Horst um oder beobachtet seinen Horst erst mehrere Wochen, bevor er – dann deutlich später – mit seinem Brutgeschäft beginnt.

Auch seine Nahrungsreviere werden zunehmend gestört. In vielen Flusstälern verlaufen  Radwege, die häufig stark frequentiert sind. Die meisten   Fließgewässer sind auch Angelgewässer, die für ihn deswegen an manchen Tagen über Stunden blockiert sind. Abschuss oder Fang auf dem Zug und im Winterquartier spielen ebenfalls eine Rolle.

Klima

Schwarzstörche können auch bei schlechtem Wetter mit Hagel, starkem Regen, Sturm oder Gewitter sterben, jedoch eher auf dem Zug als im Horst. Zunehmend führt auch der Nahrungsmangel im Überwinterungsgebiet, der durch lang anhaltende Dürreperioden hervorgerufen wird, zum Tod der Tiere. Mancherorts belegen  Uhus die Horste des Schwarzstorchs und vertreiben ihn.

Schutz von Schwarzstörchen

Erhaltung des Lebensraumes

Die Erhaltung von ungestörten, nahrungsreichen  Fließgewässern und  Feuchtwiesen im  Wald und in der Kulturlandschaft sowie der Schutz von Horstbäumen und des Horstumfelds sind Voraussetzungen für die Sicherung der Schwarzstorchbestände. Wenn notwendig sollte auf forstliche Maßnahmen verzichtet werden. Sogar wenn lediglich Einzelbäume, die neben Horstbäumen stehen, gefällt werden, besteht die Gefahr, dass der Schwarzstorch seinen Horst aufgibt. Ein regelmäßig genutzter Schwarzstorchhorst kann die Verlegung oder zeitweise Sperrung von Wanderwegen und ein Wegegebot in bestimmten Waldbereichen erforderlich machen, um eine Brut nicht zu gefährden.

Günstig für den Schwarzstorch ist, dass in den letzten Jahren vielfach Feuchtgebiete im Wald geschaffen oder gefördert wurden. Wenn sich  Waldinnenränder oder  Freiflächen ökologisch vielfältig entwickeln können, steigert sich ihr Nahrungsangebot. Eine konkrete Hilfe für den Schwarzstorch ist, wenn Kunsthorste ausgebracht werden. Diese werden bei sachgerechter Anlage und gleichzeitigem Nistplatzmangel gerne angenommen. Sie müssen von Anfang an stabil gebaut sein, da sie im Laufe der Jahre erhebliche Ausmaße annehmen und ein entsprechendes Gewicht bekommen. Um eine dauerhafte Stabilität zu gewährleisten, müssen die Verankerungen beweglich sein, damit sie sich den Bewegungen des Baumes anpassen können.

Auch die konsequente Entschärfung von Strommasten (vor allem der Mittelspannungsmasten) in manchen Gebieten kam dem Schwarzstorch bereits zugute. Die Verlegung der Stromkabel in die Erde ist jedoch gerade in den häufig besuchten Bachtälern oder Flussauen sehr kostenintensiv und wird deshalb kaum umgesetzt.

Biologie des Schwarzstorchs

Systematik

Ordnung: Ciconiiformes (Schreitvögel)
Familie: Ciconiidae (Störche)

Aussehen

Der Schwarzstorch ist etwas kleiner und meist scheuer als der  Weißstorch, hat aber eine ähnliche äußere Gestalt. Kopf, Hals, obere Brust und die gesamte Oberseite sind schwarz gefärbt und haben einen grünlichen bis violetten Metallglanz. Besonders an den Kopfseiten und am Hinterhals schillert das Gefieder purpurn. Weiß davon abgesetzt sind die übrige Brust, Bauch, Unterschwanzdeckfedern und die im Flug von unten zu sehenden Achselfedern. Seine Halsfedern sind nur wenig verlängert und nicht wie die des Weißstorchs zugespitzt.

Der Schwarzstorch erreicht im Stand eine Länge von 1m. Mit einer Flügelspannweite von 1,75 bis 2 m Metern gehört er zu den größten heimischen Vögeln. Sein Flug ist sehr wendig, mit seinen breiten Flügeln kann er sehr gut zwischen Bäumen manövrieren und sich in kleinen Kreisen emporschrauben.

Männchen und Weibchen sind äußerlich nicht zu unterscheiden. Der lange Schnabel und die langen Watbeine sind blutrot. Solange die Jungen noch klein sind, tragen sie ein weißes Dunenkleid. Sie haben einen gelben Schnabel und hellrosa Füße. Im späteren Jugendkleid sind die Jungvögel oberseits matter grünlich schwarz als die Altvögel, während Schnabel und Beine graugrün sind.

Fortpflanzung

Aufgrund seiner hohen natürlichen Lebenserwartung erreichen Schwarzstörche die Geschlechtsreife erst mit 3 Jahren. Die Vorjahresvögel brüten meist an ihren angestammten Horsten, da sie sehr ortstreu sind. Die Brutpartner verbringen eine Brutsaison gemeinsam. In Asien brütet der Schwarzstorch stellenweise in Felsen und sogar in Ortschaften. In Mitteleuropa baut er seine Horste gerne in Bäumen, die eine breite, lichte und starkastige Krone besitzen, gerne in der Nähe des Stammes im oberen Kronenbereich und unterhalb des Kronendaches.

Häufig nutzen Schwarzstörche im gleichen Revier Wechsel- oder Ausweichnester. Um die Besetzung der Horste kann es zwischen den Artgenossen auch zu Kämpfen kommen. Da oft nur wenige passende Kronenbäume vorhanden sind, weicht der Schwarzstorch auf starke Seitenäste aus, die meist verzweigt und gegabelt sind. Wichtig ist, dass er den Horst frei anfliegen kann, dass sich Sitzwarten in der Nähe befinden und dass ein schützendes Blätterdach vorhanden ist. Auch Kunsthorste nimmt er an, wenn sie die gleiche Baustruktur (Astmaterial, Reihenfolge des verbauten Materials, Lage des Baumes im Bestand, Anflugmöglichkeit, etc.) aufweisen.

Ein neu errichteter Horst ist ein kleiner, flacher Bau von unter 1 m Durchmesser. Im Laufe der Jahre entwickelt sich daraus ein mächtiges Gebilde aus Ästen und Reisig. Die Nestmulde wird mit Blättern, Moos, Grashalmen, Tierhaaren und anderen weichen Materialien ausgelegt. Saugfähiges Material nimmt den Kot, der in den ersten Tagen von den Jungen noch in das Nest abgegeben wird, auf und hat damit eine hygienische Funktion.

Beide Partner beteiligen sich am Nestbau. Meist trägt das Männchen Astmaterial zu, während das Weibchen dieses in den Horst einbaut. Auch während der Brutzeit ist es vor allem das Männchen, das immer weiteres Material herbeiträgt, was das Weibchen nur noch grob in den Horst einarbeitet. Die Jungtiere treten den Rand des Horstes im Laufe der Zeit stark nieder, so dass er immer wieder erhöht und gefestigt werden muss.

Verlassene Greifvogel- oder Reiherhorste können ebenfalls eine Ausgangsplattform für einen Schwarzstorchhorst bilden. Meist werden ab Ende April 2 – 4, seltener auch 5 – 6 Eier gelegt. Mitte Mai sind die meisten Gelege der Schwarzstörche komplett und werden durch die austreibenden Blätter der Bäume zunehmend besser vor schlechter Witterung geschützt. Je nach Anzahl der Eier schwankt die Bebrütungszeit zwischen 30 und 45 Tagen. Beide Geschlechter brüten und füttern, wobei das Weibchen den größeren Anteil am Brutgeschäft übernimmt.

Sind die Jungtiere geschlüpft, werden sie von jeweils einem Elternvogel bis zum Alter von 4 Wochen bewacht, indem dieser sich durchgehend auf dem Horst oder in dessen unmittelbarer Nähe aufhält. Offensichtlich ist es häufiger das Weibchen, welches diese Aufgabe wahrnimmt, während das Männchen auf Futtersuche ist. Nach 18 Tagen können die Jungen, die insgesamt 63 – 71 Tage im Nest bleiben, aufrecht stehen. Auch wenn sie flügge geworden sind, kehren sie noch mindestens 2 Wochen lang zum Nest zurück, um dort zu schlafen oder gefüttert zu werden. Im Hochsommer Juli/August verlassen sie dann endgültig die nähere Umgebung ihres Horstreviers und streifen im größeren Nahrungsrevier umher.

Nahrung

Der Schwarzstorch ernährt sich hauptsächlich von  Wasserinsekten und deren Larven, kleinen  Fischen, Fröschen und Molchen. Er sucht seine Nahrung in einem Umkreis von bis über 10 km um den Horst herum, vor allem im flachen Wasser von  Bächen und  Teichen sowie in  Feuchtwiesen. Auch Mäuse, Schnecken und Würmer gehören auf seinen Speisezettel. Immer wieder frisst er faserige Pflanzen, die vor allem der Gewöllbildung dienen.

In trübem Wasser watet er, indem er sich mit dem Schnabel langsam vorantastet, um dann seine Beute blitzschnell zu ergreifen. Er schleudert seine Beute vor dem Verzehr durch die Luft oder tötet sie, indem er sie mit dem Schnabel am Ufer oder Boden bearbeitet. Seinen Jungen bringt er stark wasserdurchtränktes Futter, das er im Kehlsack transportiert. Anfangs würgt er ihnen Wasser und Nahrung direkt in den Schnabel, später neben sie in das Nest.

Natürliche Feinde

Da die Jungen in den ersten 4 Lebenswochen intensiv bewacht werden, haben es ihre Feinde wie  Uhu,  Steinadler, Habichtsweibchen,  Kolkrabe sowie Stein- und Baummarder nicht leicht, sie zu erbeuten.

Verhalten

Der Schwarzstorch ist tagaktiv, sehr revier- und horstgebietstreu, lebt im Brutgebiet eher unauffällig und ist weniger gesellig als der Weißstorch. Aber auch die Brutpaare der Schwarzstörche gehen mitunter – während sie brüten oder in ihr Überwinterungsgebiet ziehen – gemeinsam auf Nahrungssuche. Wie die Weißstörche sind sie Langstreckenzieher, die in Ostafrika, seltener in Südafrika oder im tropischen Westafrika überwintern. Vögel, die in Asien brüten, ziehen zum Überwintern nach Indien. Ein kleiner Teil der europäischen Schwarzstörche zieht über die Alpen oder über das mittlere Mittelmeer, der Großteil passiert die Meerengen (Gibraltar, Bosporus) auf dem Weg nach Süden.

Nur selten und wenn, dann nur kurzzeitig, gesellt sich der Schwarzstorch auf dem Zug oder im Winterquartier zu Weißstörchen. Je nachdem, wieviel Nahrung vorhanden ist, sind die Vögel auch im Winter als Einzelgänger oder paarweise, seltener in kleinen Trupps zu beobachten.

Der Schwarzstorch ist ein guter Thermiksegler, kann aber auch weite Strecken mit einem ausdauernden Ruderflug überbrücken. Bei gutem Aufwind sieht man die Tiere mitunter in wenigen Minuten bis zur Punktgröße nach oben verschwinden. Ähnlich wie die Weißstörche treten die Schwarzstörche bereits ab August ihren langen Flug in die Überwinterungsgebiete an. Je später die Brut im Frühsommer begonnen wurde, desto später erfolgt auch der Wegzug, der sich noch bis in den Oktober erstrecken kann. Zusätzlich durchqueren immer noch einzelne Durchzügler aus weiter östlichen oder nördlichen Brutgebieten Deutschland zu dieser Zeit. Die ersten Schwarzstörche erscheinen bereits Ende März, der Großteil der Brutpaare trifft noch vor dem Laubaustrieb im April an ihren Brutplätzen ein.

Ähnlich dem Weißstorch begrüßt er seinen Partner mit einem heftigen, zwei- bis dreimaligen Kopfschütteln am Horst. Gleichzeitig sträubt er Hals- und Kopfgefieder, hebt im Liegen die Flügel leicht an und stellt seine Schwanzfedern auf. Beide Partner verbeugen sich im Stehen voreinander und zeigen sich in auffälliger Art und Weise ihre gespreizten, weißen Unterschwanzfedern. Dieses Verhalten wird auch als „Flaggen“ bezeichnet. In dieser Weise begrüßen sich Männchen und Weibchen, wenn sie sich zum Brüten ablösen oder wenn einer der beiden von der Nahrungssuche wiederkehrt. Außerdem klappern sie dabei mit ihren Schnäbeln.

Schwarzstörche können über 15 Jahre alt werden. Da viele Jungvögel schon in den ersten Lebensjahren sterben, werden nur wenige Vögel älter als 5 Jahre.

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