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Graureiher


Kämpfende Graureiher © Andreas Lettow, piclease
Foto: Kämpfende Graureiher © Andreas Lettow, piclease

Graureiher (Ardea cinerea)
Andere bekannte Namen: Fischreiher, Kammreiher, Schadreiher
Rote Liste Deutschland 2007: Die Art ist derzeit nicht gefährdet.

Bis Ende der 1960er Jahre ging der Bestand aufgrund von Lebensraumeinschränkungen der Graureiher in Europa stark zurück und erreichte einen Tiefststand. Etliche Kolonien waren gefährdet oder bereits aufgegeben. Seitdem wurden die Schutzbemühungen um die Graureiher verstärkt und ihre Verfolgung verboten. Die Bestände steigen kontinuierlich wieder an und die Graureiher erobern ihr ehemaliges Verbreitungsgebiet zurück. Der mitteleuropäische Bestand wird auf 53.000 – 63.000 Brutpaare geschätzt. Der derzeitige Gesamtbestand in Deutschland liegt bei 24.000 bis 30.000 Brutpaaren (Sudholdt et al. 2013). Der gesamteuropäische Bestand liegt bei 210.000 – 290.000 Brutpaaren (Bauer et al. 2005).

Lebensraum von Graureihern

Gewässer

Der Graureiher kommt in ganz Europa und Asien bis nach Japan vor. Sofern seichte Zonen vorhanden sind, die sich zum Jagen eignen, siedelt er an jeder Art von  Gewässern. Die  Uferzonen dürfen allerdings nicht zu stark zugewachsen sein, damit sie durchwatet werden können. Am häufigsten trifft man Graureiher in tieferen Lagen an  Teichen,  Seen, Altarmen, in  Sümpfen, an Wiesengräben oder an Fließgewässern, aber auch auf  Wiesen und  Äckern an.

Aber nicht nur im Binnenland, sondern auch an der Küste brackiger oder salziger Gewässer können Graureiher beobachtet werden. Auch kleine Teiche mitten im Wald sucht er auf, um Nahrung zu finden. Immer wieder siedeln sich einzelne Paare an kleinen Fließgewässern in Waldwiesentälern an. Hier können sie auch kleine Kolonien bilden.

Kolonien

Große Kolonien bilden sich in nahrungsreichen Flusstälern, die sich durch Überschwemmungsbereiche oder angrenzende  Sümpfe auszeichnen, oder an seichten Meeresbuchten aus. Bevorzugt werden Koloniestandorte, die wenig gestörte Althölzer in  Waldrandnähe aufweisen, oder auch Waldhänge, über denen sich ein Aufwind (Thermik) bildet. Ungestörte Kolonien, z.B. auf Flussinseln, können lange Jahre hintereinander benutzt werden und je nach vorhandener Fläche mehrere Dutzend, mitunter auch über 100 Horste aufweisen.

Gefährdung von Graureihern

Jagd

Teilweise ist beim Menschen noch immer ein „Konkurrenzdenken“ tief verwurzelt: Man gönnt dem Graureiher seine  Fischbeute nicht. In einigen Ländern darf der Graureiher im Herbst gejagt werden.

Nachwuchs

Werden Horstbäume gerodet oder seine Eier eingesammelt, werden seine Ansiedlungsversuche zunichte gemacht. Ebenso erhebliche negative Folgen für die Bestände haben Störungen von Kolonien, ihrer Umgebung oder Nahrungsgewässern durch forstliche Maßnahmen und durch häufige Freizeitnutzung zur Brutzeit. Kommt es oft zu derartigen Störungen, wandert zunächst ein Teil der Brutpaare ab, um zu versuchen, sich an einer anderen Stelle niederzulassen. Sind die Störungen massiv, kann eine Kolonie ganz verwaisen, selbst wenn sie lange vorher bestanden hat. Immer wieder werden Brutpaare versuchen, sich dort niederzulassen. Irgendwann verlagert sich die Kolonie in ungestörte Gebiete oder splittert sich auf.

Da der Graureiher viel Fisch frisst und damit fast am Ende der Nahrungskette steht, reichern sich viele Pestizide und Schwermetalle in seinem Körper an. Dies kann dazu führen, dass er sich nicht im gleichen Maße fortpflanzen kann wie dies ohne die Einwirkung von Umweltgiften der Fall wäre.

Nahrung

Je nach Region kann an ungestörten Gewässern mehr oder weniger Nahrung vorhanden sein, so dass der Grad der Nahrungsverfügbarkeit ein Mangelfaktor werden kann. Ausgebaute  Gewässer haben für den Graureiher häufig zu steile  Ufer. In der Landschaft fehlen  kleine Gewässer und Überschwemmungsflächen, die der Graureiher gerne zur Nahrungssuche aufsucht.

Schutz von Graureihern

Um den Graureiher zu schützen, müsste seine Jagd das ganze Jahr über verboten, illegale Abschüsse verhindert und Störungen im Umkreis der Kolonien unterbunden werden. Brutkolonien sollten als Schutzgebiete, in denen ausreichend große Pufferzonen vorhanden sind, ausgewiesen werden.

 Gewässer mit Flachwasserzonen, Überschwemmungswiesen sowie natürliche Fließgewässer sind wichtige Voraussetzungen dafür, dass sich Graureiher und andere Vogelarten ansiedeln können. Diese Flächen müssen erhalten oder neu geschaffen werden.

Biologie des Graureihers

Systematik

Ordnung: Ciconiiformes (Schreitvögel)
Familie: Ardeidae (Reiher)

Aussehen

Im Stehen ist der Graureiher ein hoher, recht kräftig gebauter Vogel. Er ist etwas kleiner als ein Storch.

Die Gefieder von Männchen und Weibchen sind kaum voneinander zu unterscheiden. Der Graureiher ist oberseits überwiegend mittelgrau, unterseits hauptsächlich grauweiß gefärbt.

Er kann kaum mit anderen Vogelarten verwechselt werden. Von  Kranichen und  Störchen lässt er sich im Flug immer und im Stehen meistens durch seinen s-förmig zurückgebogenen Hals unterscheiden. Lediglich beim aufmerksamen Betrachten der Umgebung („Sichern“) oder beim Flugstart hält auch der Graureiher seinen Hals gerade ausgestreckt. Im Flug überragen die Beine den Schwanz weit.

Der kräftige, dolchförmige Schnabel ist graugelb bis grünlich und weist widerhakenartige Randleisten auf, mit denen er die glitschigen Beutefische fest im Schnabel gefangen hält. In der Brutzeit färbt sich der Schnabel auffallender orange ein. Die Beine sind sehr lang und graugelb bis grünlich grau gefärbt.

Der Graureiher fliegt mit langsamen, oft etwas ungleichmäßigen Schlägen der Flügel, die im Ellenbogengelenk nach unten gewinkelt sind. Die Flügeloberseite ist zweifarbig. Die Grundfarbe ist grau, während die Schwung- und die Handdeckfedern glänzend blauschwarz sind. Betrachtet man den Graureiher von vorne, sind zwei weiße Flecken neben dem Flügelbug sichtbar.

Im fortgeschrittenen Alter sind die Vögel kontrastreicher gezeichnet. Dann sind Stirn, Scheitelmitte, Kopfseiten, Bauch und Unterschwanz weiß gefärbt, von denen sich die schwarzen Scheitelseiten. am Kopf abheben.

Die schmalen schwarzen Schmuckfedern im Nacken können sehr lang werden. Die Halsseiten sind gräulich weiß, während der Vorderhals weiß und seitlich schwarz gestrichelt ist. Vor allem ältere Tiere besitzen in der Schultergegend weißliche, strahlige Schmuckfedern, die schwache Schäfte und lanzettliche Spitzen haben. Graureiher wiegen zwischen 1 und 1,3 kg. Mit einer Spannweite von bis zu 1,70 m sind sie im Flug imposante Erscheinungen.

Das Gefieder der Graureiher wird durch seine Daunenfedern, die sich an bestimmten Körperstellen befinden und zu Puder zerfallen, gefettet. Auf der Oberseite des Rückens im Bereich des Beckens, auf der Vorderbrust sowie zwischen den Schenkeln befinden sich die sogenannten „Puderdaunenfelder“. Sie stehen sehr dicht beieinander, sind von anderen Federn verdeckt und werden nicht wie diese gewechselt. Sie zerfallen in ein weißes bis farbloses, talkumartiges Pulver, das wasserabweisend ist und Fett, Öl und Schleim aufsaugt. Die ständig nachwachsenden Puderdaunen werden mit dem Schnabel oder mit dem Kopf verrieben und später mit der Putzkralle ausgekämmt. Die Putzkralle befindet sich an der Mittelzehe, die sich durch ihre Länge am besten zur Gefiederpflege eignet.

Fortpflanzung

Das Weibchen des Graureihers wird meist mit einem, das Männchen erst mit 2 Jahren geschlechtsreif. Ein Graureiher-Paar bleibt gewöhnlich für eine Brutsaison zusammen. Ab Februar kehren die Paare in ihre Kolonie zurück, um dort zu brüten. Es kann bis in den Mai hinein dauern, bis alle Brutpaare angekommen sind.

Große, alte Horste werden durch Winterstürme oft beschädigt oder zerstört. Zuerst werden die größten, unbeschadeten Horste besetzt und mit Material neu ausgelegt. Tiere, die später ankommen und häufig zum ersten Mal geschlechtsreif sind, belegen entweder die noch unbesetzten, meist kleineren Horste oder bauen neue Nester. Die großen Zweighorste werden bevorzugt auf alten Bäumen, örtlich bedingt auch im  Schilf oder auf  Felsklippen angelegt. Wenn sich die Nester in Bäumen befinden, liegen sie meistens sehr weit oben im Kronenbereich und oft unmittelbar benachbart. Der Graureiher baut seine Horste auf verschiedenen Laub- und Nadelbäumen wie Erle, Weide, Pappel, Eiche, Buche, Fichte oder Tanne.

Das Männchen schafft das Material herbei und das Weibchen baut es ein. Zunächst wird der Unterbau des Nestes mit größeren Ästen geformt und mit kleineren Zweigen vervollständigt. Die eigentliche Nestmulde wird mit dünnen Fichten- oder Laubreisern, Wurzeln, Stroh, Tierhaaren oder Federn ausgepolstert.

Graureiher bevorzugen, in Kolonien zu brüten. Gelegentlich brüten auch einzelne Paare, vor allem, wenn sie sich neu ansiedeln. Meist erscheint das Männchen vor dem Weibchen am Horst und verteidigt ihn gegen Konkurrenten. Mit lauten Rufen lockt es unermüdlich ein Weibchen an.

Bereits ab Mitte März sieht man die meisten Graureiher in der Kolonie brüten. Die Brut dauert 25 – 28 Tage, je nach der Gelegegröße von 3 – 7 Eiern. Beide Partner beteiligen sich daran, bewachen die Jungen und füttern sie am Horst. Die Jungen sind typische Nesthocker und haben lange graue Dunen. Nach 2 Wochen können sie stehen, nach 1 Monat führen sie Flugübungen in die Nachbarbäume der Kolonie durch. Dabei geht es in der Kolonie mitunter sehr laut und turbulent zu. Erst nach 7 – 8 Wochen verlassen die Jungtiere die Kolonie in Trupps und sind selbständig.

In der Regel brüten Graureiher einmal im Jahr. Geht das erste Gelege verloren, wird gewöhnlich ein Ersatzgelege getätigt. Sind die klimatischen Verhältnisse und das Nahrungsangebot im Brutjahr gut, kommen sogenannte „Schachtelbruten“ vor. In diesem Fall werden wieder Eier gelegt werden, bevor die Jungen des ersten Geleges flügge sind.

Nahrung

Graureiher wenden bei der Nahrungssuche verschiedene Strategien an:
1. In starrer Haltung belauern sie ihre Beute, indem sie über lange Zeit an  Gewässern oder auf  Wiesen ruhig stehen. Dabei richten sie ihren Hals schräg vorwärts auf und legen ihn erst kurz vor dem Zustoßen ausholend zurück und schnappen dann mit dem Schnabel schnell zu.
2. Durch das langsam schreitendes Waten scheuchen sie ihre Beute entweder auf oder schleichen sich an sie heran. Der Graureiher ist nur erfolgreich, wenn er in nicht zu trübem und nicht zu tiefem Wasser jagt.
3. Wenn Graureiher an Land jagen, verfolgen sie ihre Beute im Laufen, wobei sie sehr gewandt sind und selbst flinke Mäuse schnappen.

Die Zusammensetzung seiner rein tierischen Nahrung kann je nach Jahreszeit und Lebensraum sehr stark schwanken.  Fische,  Amphibien, Mäuse, Heuschrecken,  Krebse, Muscheln, Schnecken, junge Vögel und Eier stehen auf seinem Speiseplan. Die fischereiwirtschaftlichen Schäden durch den Graureiher halten sich bei einem täglichen Nahrungsbedarf zwischen 400 – 700 Gramm in Grenzen. Oft frisst er die ohnehin meist zahlreichen Weißfischarten, die eine geringe Bedeutung für die Fischereiwirtschaft haben.

Um seine Jungen zu füttern, würgt er vorverdautes Futter direkt in deren Schlund oder in das Nest. Große Fische tötet er mit dem Schnabel und verzehrt sie dann stückweise. Kleinere Beute verschluckt er lebend. Mäuse werden oft mehrmals wieder ausgewürgt, um gut eingespeichelt in den Verdauungsweg zu gelangen. Der Graureiher speit Gewölle mit unverdaulichen Nahrungsbestandteilen wieder aus. Gerade bei zugefrorenen Gewässern oder in guten Mäusejahren sieht man den Graureiher häufig auf abgeernteten  Feldern oder in Wiesen jagen.

Natürliche Feinde

Der Graureiher ist ein relativ großer Vogel, der nur wenige natürliche Feinde hat. Vor allem  Seeadler,  Uhu und Habicht können ihn überwältigen, schlagen aber überwiegend Jungvögel. Marder können in den Brutkolonien große Verluste bewirken, indem sie die Eier räubern. Werden Reiher von ihren Horsten vertrieben, weil sie gestört wurden, können  Kolkraben, Rabenkrähen oder  Silbermöwen die Nester während der Abwesenheit der Altvögel ausrauben.

Auch Stürme können den Horsten gefährlich werden, da dann gelegentlich Jungvögel aus dem Horst geworfen werden. Ist das Klima trocken, können Jungvögel aus Nahrungsmangel verenden. Bei großer, anhaltender Kälte oder bei Hagelschlag während der Aufzuchtszeit können Jungtiere verenden. Wenn  Gewässer in schneereichen und kalten Wintern anhaltend vereisen, verhungern sowohl Jung- als auch Altvögel. Im Alter von 3 – 4 Wochen kämpfen die Jungen mitunter während der Futterübergabe heftig und schwächere Tiere können von stärkeren Geschwistern totgehackt werden. Ist nicht genug Nahrung vorhanden, kann es unter den Geschwistern auch zu Kannibalismus kommen.

Verhalten

Graureiher jagen tagsüber und in der Dämmerung meist alleine. Nur selten stehen mehrere Tiere bei der Nahrungssuche nah beieinander. Wenn sie aus den Überwinterungsgebieten ins Brutrevier zurückkehren, ziehen sie meist nachts. Besonders in der Dämmerung macht der Graureiher auf sich aufmerksam, indem er während des Fluges ruft. Dieser Flugruf ist heiser krächzend, laut und durchdringend und klingt wie „kräich“ oder „kahÄHRK“. In den Kolonien hört man auch keckernde Laute.

Im Flug nutzen Reiher im Gegensatz zu  Störchen keine Thermik, sondern bewegen sich mit bedächtigen Schlägen der Flügel fort. Nur selten gleitet er ohne Flügelschlag dahin. Auch der Hals ist im Flugbild gekrümmt und eingezogen, während die Beine das Schwanzgefieder überragen. Reiher können direkt vom Wasser aus starten und auch schwimmen.

Zwar schwimmt er gut, macht von dieser Fähigkeit aber selten Gebrauch. Er verwendet viel Zeit damit, sein Gefieder zu pflegen, in der Sonne zu baden und sich auszuruhen.

Die Jungvögel ziehen ab Juni ungerichtet umher, während die Altvögel ab August auf der Suche nach nahrungsreichen Gebieten weit umherstreifen. Nur wenn die Winter streng sind, weichen die Tiere nach Südwesten aus. Bereits im Februar kehren die Vögel von ihrem Überwinterungsquartier ins Brutgebiet zurück.

Graureiher erreichen ein hohes Alter von über 20 Jahren.

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