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Wanderfalke


Wanderfalke mit Beute © Hans Glader, piclease
Foto: Wanderfalke mit Beute © Hans Glader, piclease

Wanderfalke (Falco peregrinus)
Andere bekannte Namen: Edel-, Blau-, Stein-, Tauben-, Pilgerfalke
Rote Liste Deutschland 2007: Die Art ist derzeit nicht gefährdet.

Der Wanderfalke ist ein Greifvogel aus der Familie der Falken. Nach einem Bestand von etwa 850 Brutpaaren im Jahr 1950 gab es 1969 nur noch 100 Brutpaare in Deutschland. Der Tiefpunkt lag Mitte der 1970er Jahre bei nur 50 Brutpaaren. Seit Mitte der 1980er Jahre steigt der Bestand wieder kontinuierlich an und erreichte 2005 einen Bestand von ca. 810 – 840 Brutpaaren (Südbeck et al. 2007). Der derzeitige Gesamtbestand in Deutschland liegt bei 1.000 bis 1.200 Brutpaaren (Sudholdt et al. 2013).

Der Wanderfalke hat sich als Kulturfolger die Städte mit ihrem großen Nahrungsreichtum erschlossen.

Lebensraum von Wanderfalken

Verbreitung

Der Wanderfalke kommt nahezu weltweit mit etwa 17 Rassen vor. In Europa lebt er in Großbritannien (konzentriert in Schottland), in Spanien, im südöstlichen Frankreich, in Italien, Griechenland, auf dem Balkan, Deutschland, Polen, Ukraine, Russland und Skandinavien bis zum 69° Nord. Die heutigen Vorkommen stellen eine Reliktverbreitung des ehemals geschlossenen Verbreitungsgebiets dar.

Felsen, Wälder

Der Wanderfalke ist sehr anpassungsfähig und brütet in den verschiedensten Lebensräumen, insbesondere an Steilküsten, auf Inseln, in  Steinbrüchen in der Tiefebene genauso wie im Mittelgebirge.  Felsen oder Steinbrüche mit steilen, aus der Landschaft herausragenden Wänden mit gutem Rundblick werden gerne besiedelt. Besonders häufig tritt der Wanderfalke in  Flusstälern mit Felsbändern, in von weiten  Wiesentälern durchzogenen lichten  Waldgebieten, in Waldgebirgen mit herausragenden Felsen und in Steinbrüchen auf. Seine größten Verbreitungsgebiete in Deutschland sind die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und das Saarland.

Winter

Je nach Verbreitungsgebiet ist er Stand-, Strich- oder Zugvogel. Aus nördlichen und nordöstlichen Gebieten ziehen sowohl Jung- als auch Altvögel und, aus anderen Gebieten überwiegend Jungvögel in die Hauptzugrichtung Südwest. Spanien, Frankreich und der Mittelmeerraum dienen der Überwinterung. Durchzügler fallen als Einzelzieher kaum auf. Wegziehende erscheinen deutlich später (April/Mai) am Brutplatz als standorttreue Tiere. Standvögel erweitern im Winter ihr Jagdgebiet deutlich. Im Winter halten sich bei uns gelegentlich auch Vögel aus nördlichen Brutgebieten auf.

Gefährdung von Wanderfalken

Pestizidverbot, Horstbewachung und aktive Wiederansiedlung konnten nur stellenweise ein Aussterben des Wanderfalken verhindern. Direkte Verfolgung wie das Aushorsten durch Taubenzüchter, Eierdiebstahl durch „Falkner“, der direkte Abschuss, aber auch Störungen durch  Kletterer sind und waren maßgeblich für den Rückgang verantwortlich.

Umweltgifte

Durch die Akkumulation von Umweltgiften (DDT) – hervorgerufen durch die Aufnahme verseuchter Beutetiere – nahm die Eischalendicke ab. Die Eier zerbrachen beim Brüten und die Zahl der tauben Eier nahm zu. Auch die Vitalität von Embryonen und Jungtieren nahm ab.

Wandern, Klettern, Luftsport

Eine starke Wegeerschließung für  Wanderer gerade an touristisch attraktiven Felsen, sowohl am Felsfuß als auch bis auf die Felsspitzen, brachten deutlich mehr Störungen in die Horstbereiche. Der Wanderfalke gab bei starker Frequentierung zur Brutzeit seine Brut auf, was zum Verhungern der Jungtiere führte. Blieb der Brutvogel länger vom Horst weg, konnten die Jungtiere auskühlen und Schaden leiden.

Bruten auf Brückenfeilern von Autobahnen oder ICE-Trassen nehmen aufgrund der derzeitigen Ausbreitung des Wanderfalken zu. Leider steigt damit auch die Zahl der Anflugopfer. Menschliche Aktivitäten an Felsen (vom Lagerfeuermachen unter dem Brutfelsen bis zum stark zugenommenen   Klettersport), Brückenwartungsarbeiten von Bundesbahn, Straßenbau- sowie Autobahnämtern zur Brutzeit, Hubschrauber-Übungsflüge an Felswänden u.v.m. stellen die aktuell größten Gefährdungen dar.

Wanderfalken tolerieren Störungen, die unterhalb des Brutfelsens stattfinden, eher als Störungen oberhalb des Brutfelsens oder in der Horstwand an anderen Stellen. Auf diese reagieren sie sehr energisch mit Angstrufen und Scheinangriffsflügen. Spätestens dann merkt ein Kletterer, dass er in den Horstbereich eingedrungen ist.

Wanderfalken geben ihre Brut auf und werden dauerhaft vertrieben, wenn Hängegleiter,  Gleitschirm- und Drachenflieger häufig in geringer Höhe über oder vor allem vor dem Brutfels fliegen.

Welche Auswirkungen Störungen haben, hängt von verschiedenen Faktoren ab: Häufigkeit, Intensität, der zeitliche und der räumliche Abstand von Störungen im Horstbereich, die dabei gegebene Witterung, Tageszeit, der gegenwärtige Stand des Brutgeschehens, der Gewöhnungsfaktor u.v.m.

Schutz von Wanderfalken

Aufgrund der sehr stark örtlich bezogenen Störfaktoren werden an den unterschiedlichen Brutplätzen auch verschiedene Regelungen zum Schutz der Art getroffen, die vom Kletterverbot, Lagerverbot bis zum Verlegen von Wanderwegen reichen. Leider wird der Wanderfalke von vielen Menschen (insbesondere Taubenzüchtern) als Schädling oder als gewinnbringendes Tier angesehen. Als beliebter Beizvogel wurde und wird er gerne als Jungvogel aus dem Horst genommen. Zur Brutzeit setzen sich eine ganze Reihe freiwilliger Horstbewacher zum Schutz des Wanderfalken ein.

Biologie des Wanderfalken

Systematik

Ordnung: Falconiformes (Falkenartige)
Familie: Falconidae (Falken)
Unterfamilie: Falconinae (Echte Falken)

Aussehen

Der Wanderfalke ist ein großer, gedrungener Vogel. Die Weibchen werden mit 900 – 1.300 g deutlich schwerer als die Männchen mit 580 – 750 g. Die Flügelspannweite beträgt zwischen 85 und 115 cm. Im Flug ist der Wanderfalke an seinen schnellen und kraftvollen Flügelschlägen, seinen langen und spitzen Schwingen sowie am kurzen, sich nach hinten verjüngenden Stoß zu erkennen.

Beide Geschlechter gleichen sich in der Gefiederzeichnung. Sie sind oberseits dunkel graublau und auf der Unterseite hell gezeichnet mit einer feinen, dunklen Querbänderung. Die Querbänderung ist an den Flanken am kräftigsten und löst sich in Körpermitte auf der Brust und am Bauch oft zu einer Reihe rundlicher Flecken auf. Jungvögel sind bräunlich mit dunkel-längsgefleckter Unterseite. Der Oberkopf, der Nacken und der breite Backenstreif sind schwarz gefärbt, die Brust und die Kehle sind scharf abgesetzt weiß. Hellgelb sind die Beine, die Wachshaut an der Schnabelbasis und der die Augen umgebende Lidring. Schwanzfedern und Deckgefieder weisen hellgraue Spitzensäume auf.

Fortpflanzung

Im Bereich der Tiefebene gab es früher eine große Baumbrüter-Population, die vorhandene Nester z.B. von Greifvögeln nutzte. Baumbruten sind eine Anpassung an felsfreie Waldgebiete. Diese Baumbrüter-Population ist stark zurückgegangen. In Nordeuropa kommen auch Bodenbruten vor. Ansonsten werden größtenteils steile Felswände mit Anflugmöglichkeit oder ersatzweise hohe Bauwerke als Brutplatz angenommen, sofern eine Nische oder eine andere Brutmöglichkeit (Krähennest, Kunstnest) vorhanden ist.

Die Geschlechtsreife erlangen die Tiere mit 1 – 2 Jahren. Trotz Monogamie (Dauer- oder Saisonehe) findet am Brutplatz eine Neu- bzw. Wiederverpaarung statt. Zur Paarbildung jagen die Tiere regelmäßig gemeinsam, woraus sich Balzflüge entwickeln können. Diese Ausdrucksflüge sind charakteristische Achterschleifen unmittelbar über dem Horststandort. Bei der Balz auf dem Horst umläuft das Männchen das Weibchen mit Duckbewegungen und Kopfdrehen, das durch Rufe begleitet wird.

Paarvögel überwintern oft gemeinsam. Das Männchen kehrt meist als Erster an den vorjährigen Brutplatz zurück und versucht diesen gegen Konkurrenz zu behaupten. Nistplatz- oder Horsttreue sind nachgewiesen. Felshorste liegen in höhlenartigen Nischen oder auf Querbändern unter Überhängen. Baumhorste, die er selber nicht baut, befinden sich in unterschiedlicher Höhe von 7 – 30 m, häufig in alten Kiefern. Bevor sie belegt werden, werden die Horste nicht ausgebessert. In Mooren und Steinbrüchen kommen Horste auf dem Boden, genauso an Gebäuden (auf Pfeilern von Autobahn- und Eisenbahnbrücken, in Ruinen, auf Hochhäusern, in Kirchtürmen und Leuchttürmen an der Küste) vor.

Das Männchen versorgt das Weibchen schon vor dem eigentlichen Brutbeginn mit Futter, welches das Männchen anfangs nur zögerlich abgibt. Dieses Balzfüttern hält bis zur Jungenaufzucht an. Die Beuteübergabe erfolgt zum Teil in der Luft.
Die 3 – 4, manchmal auch 1 – 6 Eier werden zwischen März und Mai im Abstand von 2 Tagen entweder auf den blanken Boden oder in eine gescharrte Mulde gelegt und fast ausschließlich vom Weibchen bebrütet.

Im Laufe einer Woche schlüpfen alle Jungen, die insgesamt 5 – 6 Wochen in der Horstmulde verbleiben. In der sich anschließenden, etwa 6 – 10 Wochen andauernden Bettelflugperiode perfektionieren die Jungvögel das selbstständige Beuteschlagen. Danach löst sich die Familie Ende Juli/Anfang August auf.

Nahrung

Der Wanderfalke schlägt seine Beute ausschließlich im freien Luftraum und ist damit ein hochspezialisierter Vogeljäger. Entweder von einer Sitzwarte oder aus einem kreisenden Spähflug jagt er seine Beute. Dabei verwendet er ganz verschiedene Methoden, die bei der Vielzahl der Jagdbiotope und der möglichen Beutetiere stets abgewandelt werden:
Beim Steilstoß fliegt er mit Geschwindigkeiten von über 300 km/h auf die Beute zu, die die Krallen in den Rücken geschlagen bekommt und verletzt oder bereits tot zu Boden fällt. Am Boden wird noch lebende Beute durch einen Biss in den Hinterkopf bzw. zwischen die Halswirbel getötet.
Beim Flachstoß greift er seine Beute von hinten, indem er über ihr den Rücken fasst und bei wehrhafter Beute im Flug noch den Tötungsbiss anbringt.

In einer anderen Jagdvariante streicht er unter Ausnutzung jeder Deckung zunächst flach über den Boden, fliegt mit einer plötzlichen Wendung steil nach oben, um dann sein überraschtes Opfer von unten zu fassen.

Der Wanderfalke greift ebenso Jungvögel anderer Arten aus dem Horst und jagt anderen Greifen die Beute ab. Er jagt Insekten im Flug; kleinere Beute wird oft schon im Flug gekröpft.

Die Beute wird anschließend auf sogenannten Rupfkanzeln (z.B. Felsköpfe) zerlegt. Typische Rupfungen des Wanderfalken sind meist kreisrund mit Beuteresten in der Mitte. Bei einem Vogel, z.B. einer Ringeltaube, bleiben die ungerupften Flügel stets mit dem Schultergürtel verbunden.

Bei der Auswahl der Beute ist der Wanderfalke nicht wählerisch. Grundsätzlich werden alle  Vögel gegriffen, die er bewältigen kann. Über 200 Arten sind in seinem Beutespektrum bislang nachgewiesen. Meist spielen aber besonders häufige und leicht zu erjagende Vogelarten wie Ringeltaube, Haustaube, Star, Drosselarten,  Rabenvögel oder Buchfink eine wichtige Rolle. An den Küsten werden vorzugsweise  Watvögel und  Enten, in  Heiden und  Mooren (z.B. Schottland)  Raufußhühner gejagt.

Natürliche Feinde

Als natürliche Feinde kommen Luchs, Wolf, Fuchs, Waschbär, Marder, größere  Greife wie Adler, Habicht und Gerfalke,  Uhu und als Nestplünderer vor allem  Rabenvögel in Frage. Unerfahrene Jungvögel verletzen sich beim Beuteschlagen mitunter tödlich.

Verhalten

Der Wanderfalke ist ein Anwarte- und Verfolgungsjäger, der oft weitab des Horstes in der offenen Landschaft jagt. Er ist ein sehr gewandter Flieger und erreicht hohe Geschwindigkeiten. Während der Brut- und Aufzuchtszeit duldet er keine fremden Artgenossen in der Horstumgebung. Anderen Arten gegenüber ist er aber erstaunlich tolerant. So brütet er oft in unmittelbarer Nachbarschaft zu anderen Greifen (z.B.Turmfalken) oder in Saatkrähen- oder Reiherkolonien.

Die Angriffe auf Konkurrenten, Feinde und auch auf den Menschen am Horst sind vor allem durch das Weibchen sehr heftig.

Am Horst ist die Art sehr stimmfreudig. Das sogenannte „Lahnen“ hat Bedeutung als Bettel- oder Erregungslaut.