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Seeadler


Seeadler beim Beutefang © Mario Müller, piclease
Foto: Seeadler beim Beuteanflug © Mario Müller, piclease

Seeadler (Haliaeetus albicilla)
Rote Liste Deutschland 2007: Die Art ist derzeit nicht gefährdet.

Der Seeadler ist ein durch seine Größe und seine gedrungene Körperform sehr markanter Greifvogel. Mit einer Spannweite von fast 2,5 m ist er einer der größten Vögel Europas. Seeadler haben große Bedeutung in der Kunst, Heraldik (Wappenkunde) und Geschichte. Sie sind ein Symbol für Kraft und Größe und werden oft als Wappentier verwendet.

Noch zu Anfang des 19. Jahrhunderts war der Seeadler in Deutschland weit verbreitet. Durch rücksichtslose Verfolgung wurden zunächst exponierte Vorkommen und Vorkommen in Randgebieten ausgerottet, was das Verbreitungsgebiet verkleinerte bzw. große Lücken entstehen ließ. Damals wurden Prämien für den Abschuss von Seeadlern und allen anderen Adlerarten gezahlt.

Nach deutlicher Dezimierung der Bestände wurden mit dem Reichsjagdgesetz von 1934 erstmals alle Arten landesweit unter ganzjährigen Schutz gestellt. Im Jahr 1950 lebten in Deutschland wieder etwa 120 Brutpaare. Ab 1980 setzte eine auffällige Zunahme des Brutbestandes als Folge einer deutlichen Verbesserung des Reproduktionserfolgs ein.

Diese Verbesserung ließ sich im wesentlichen auf das Anfang der 1970er Jahre durchgesetztes Verbot von DDT zurückführen. Im Laufe von 10 Jahren ging die als Folge dieser Vergiftung entstandene Dünnschaligkeit der Eier und damit das Zerbrechen der Schale beim Bebrüten zurück. Zwischen 1980 und 1990 verdoppelte sich der Bestand auf 300 Brutpaare. In Deutschland brüteten im Jahr 2013 628 - 643 Paare (Sudholdt et al. 2013).

Von der erfolgreich brütenden, norddeutschen Brutpopulation ging in den letzten Jahren eine natürliche Wiederbesiedlung Dänemarks und Niedersachsens mit 7 bzw. 10 Brutpaaren aus. Auch in Großbritannien wurde die Art – hier durch den Menschen – erfolgreich wieder angesiedelt.

Lebensraum von Seeadlern

Europa

In Europa ist der Seeadler in weiten Teilen ausgerottet, kommt aber noch im Norden und auf Grönland vor. Bestände finden sich entlang der Fjordküste Norwegens, in Nordwestisland und Finnland, rund um die Ostsee, in den Donauländern und den Küstenländern des Schwarzen Meeres sowie auf der Balkanhalbinsel. Ein zusammenhängendes Verbreitungsgebiet erstreckt sich über Osteuropa und Russland nach Nordosten.

Deutschland

In Deutschland haben sich die Bestände erholt und breiten sich derzeit langsam wieder aus. Die größten Brutvorkommen liegen in Meckelnburg-Vorpommern und Brandenburg, gefolgt von Sachsen, Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt und Thüringen. Ansonsten ist die Art nicht oder nur mit Einzelpaaren vertreten.

Gewässer, Wald

Geeignete Lebensräume sind sehr verschiedene Landschaftsformen in Gewässernähe: Tundra,  Felsküste, Meeresbuchten sowie waldumstandene fisch- und vogelreiche  Binnengewässer. Der Seeadler überwintert oft auch im Binnenland, vor allem wenn Gewässer vereisen und dadurch bedingt Nahrungsmangel eintritt.

Die vom Seeadler besiedelten, großflächigen, waldreichen  Seen- oder  Flusslandschaften haben vielfältige ökologische Funktionen: Sie sind Grundwasserspeicher und -filter, Rückhaltezone für Hochwasser und Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen und Tieren. Der Seeadler dient wegen seines großen Flächenanspruchs als Leitart für den Schutz dieser ausgedehnten binnenländischen  Feuchtgebiete.

Gefährdung von Seeadlern

Mehrere Ursachen waren lange für die geringe Nachwuchsrate der Seeadler verantwortlich:

  • Abschuss,
  • Vergiftungen,
  • Horstplünderungen durch Eiersammler,
  • Störungen durch Fotografen,
  • häufige Besuche des Horstgebiets oder der Nahrungsgewässer durch Interessierte,
  • forstliche Arbeiten während der Brutzeit in Horstnähe,
  • Fluglärm und Tiefflugübungen und
  • Dünnschaligkeit der Eier durch Pestizide (DDT) und andere chlorierte Kohlenwasserstoffe aus der Land- und Forstwirtschaft.

Nach kurzfristiger Erholung der Bestände nimmt die Zahl der Seeadler, die an Bahnstrecken oder durch Stromschlag an Überlandleitungen zu Tode kommen, heutzutage wieder zu. Die neuere Zunahme der Totfunde erklärt sich auch durch eine allgemeine Bestandszunahme der Art.

Schutz von Seeadlern

Alle Greifvögel unterstehen bis heute in Deutschland noch dem Jagdrecht, innerhalb dessen sie jedoch ganzjährigen Schutz genießen. Naturschutzorganisationen kauften in einigen Gebieten Schleswig-Holsteins, Mecklenburg-Vorpommerns und Brandenburgs Wald- und Wasserflächen zum Schutz der Seeadler an. Dort wurden und werden in enger Kooperation mit Grundeigentümern, Förstern, Jägern und Naturschutzbehörden sowie vielen ehrenamtlichen Gebietsbetreuern Schutzmaßnahmen durchgeführt. Horstschutzzonen wurden eingerichtet und ausgewiesene Gebiete gegen menschliche Störungen abgeschirmt. An geeigneten Plätzen installierte man Seeadler-Informationstafeln und Beobachtungsmöglichkeiten für Touristen, ohne dass die Seeadler durch die Beobachtung gestört wurden. Darüber hinaus sind Erhalt und Pflege von Bruthabitaten (Altholzbestände) und Nahrungshabitaten von Bedeutung.

Biologie des Seeadlers

Systematik

Ordnung: Accipitriformes (Greifvögel)
Familie: Accipitridae (Habichtartige)
Unterfamilie: Accipitrinae (Habichte, Bussarde, Adler)

Aussehen

Der Seeadler fällt im Flugbild durch seine brettartig breiten Flügel mit den stark gefingerten Schwingen am Flügelende auf. Der Schwanz der Altvögel ist kurz und keilförmig. Jungvögel sind braun und noch nicht vollständig ausgefärbt. Sie besitzen eine unregelmäßige, weiße Zeichnung; der Schwanz ist länger und nur relativ schwach gerundet; der Schnabel ist noch dunkel oder bläulichgrau und die Füße heller gelb.

Altvögel wirken vor allem am Kopf und Hals deutlich heller gebräunt, haben einen weißen Schwanz, Schnabel, Iris und Füße sind gelb. Die Beine sind nur bis zur Hälfte befiedert. Der Rücken und die Flügeldecken sind oft stark ausgebleicht und fahlbraun. Ihr vollständiges Alterskleid haben die Tiere erst mit 6 – 7 Jahren.

Fortpflanzung

Der Seeadler hat eine hohe Lebenserwartung von 20 Jahren, selten sogar bis über 30 Jahre. Daher wird er erst mit 5 – 6 Jahren geschlechtsreif. Die Brutpaare gehen eine lebenslange Ehe ein und bleiben normalerweise ihrem Brutplatz treu.

Der große Reisighorst wird in lichten, alten Waldbeständen (Kiefer, Eiche, Buche) auf hohen Bäumen mit breiter Kronenbildung errichtet. Vorzugsweise ist der Horststandort in der Nähe eines Waldrands und weist eine freie Anflugmöglichkeit auf. Der Horst kann auch am Rande seines Jagdreviers liegen. Felshorste können an Meeresküsten mit hohen Felsen auftreten.

Die Balz findet bei überwinternden Seeadlern bereits ab Dezember, sonst erst im März statt, wobei am Brutplatz Balzflüge gezeigt werden. Beide Partner errichten den Horst, der mit starken Ästen bis zu 1 m breit und über 50 cm hoch aufgebaut wird. Die Nestmulde wird mit Gras und dünnen Zweigen ausgelegt. Meist werden Mitte Februar bis Mitte März 2, selten 1 oder 3 Eier gelegt. Die Brutzeit ist mit bis zu 40 Tagen sehr lang; Weibchen und Männchen lösen sich beim Brüten regelmäßig ab. Die Brut beginnt ab dem ersten Ei; der Schlüpfabstand entspricht dem Legeabstand von etwa 3 – 8 Tagen.

Die ersten 4 Wochen nach dem Schlüpfen bleibt einer der Altvögel zum Schutz der Jungen auf dem Horst oder in dessen Nähe, während der andere Partner nach Beute jagt. Nach 6 – 7 Wochen beginnen die Jungen mit den ersten Flugübungen und klettern in der Krone des Horstbaumes umher.

Erst nach 12 Wochen verlassen sie endgültig den Horst. In dieser Zeit werden sie von den Altvögeln immer weiter vom Horst weggelockt, indem sie das Futter nicht mehr unmittelbar am Horst übergeben. Aufgrund der geringen Jungenzahl ist die Nachwuchsrate entsprechend niedrig. Bei Gelegeverlust wird nur selten ein Nachgelege produziert. Manchmal ist ein Ei unbefruchtet oder das in der Entwicklung zurückbleibende Junge geht infolge von Nahrungsmangel ein.

Nahrung

Der Seeadler schlägt seine Beute vorzugsweise auf dem Wasser, aber auch in der Luft. Hauptbeute sind Wasservögel,  Fische, die an die Wasseroberfläche gelangen und mittelgroße Säugetiere bis Hase, Fuchs oder Rehkitz. Größere Tiere werden nur in Ausnahmesituationen geschlagen oder als Aas aufgenommen.

Der Seeadler jagt opportunistisch stets die am leichtesten erreichbare Beute. Er ernährt sich auch von  Amphibien am  Gewässerufer, von Schlangen und selten sogar von Insekten. Im Frühjahr werden überwiegend Fische gefangen. In der Brutzeit schlagen Seeadler vor allem Wasservögel und deren Junge, im Herbst Wasservögel an ihren Sammelplätzen und im Winter verstärkt Säugetiere nach dem Zufrieren der  Gewässer.

Beim Fischfang streicht der Seeadler flach über die Wasserfläche, um elegant mit einem Fuß den erspähten Fisch zu ergreifen. Dabei taucht er nur selten mit seinem Körper ins Wasser ein. In aufsteigenden Entenpulks versucht er, Beute zu machen. Er schlägt auch Vögel auf deren Horst, z.B. junge  Graureiher,  Kormorane oder  Möwen. Er jagt z. B. Möwen die Beute in der Luft ab. Vor allem in der Notzeit nimmt er Aas zu sich.

Verschiedene Varianten des Beuteflugs werden praktiziert. Als Ansitzjäger stößt er aus der Deckung auf die nichtsahnende Beute. Ebenso überrascht er aus einem niedrig über dem Boden ausgeübten Suchflug. Auch steile Stoßflüge aus großer Höhe auf fliegende Vögel sowie Angriffsflüge auf Wasservögel, die durch mehrfaches Abtauchen ermüdet werden, gehören zu seinem Repertoire.

Natürliche Feinde

In der Natur hat der Seeadler kaum natürliche Feinde. Nur Nestpredatoren wie Marder, Waschbär,  Uhu und  Kolkrabe können den Jungvögeln gefährlich werden.

Verhalten

In weiten Arealteilen bleibt der Seeadler ganzjährig im Brutgebiet oder in dessen unmittelbarem Umfeld. Die Jungvögel allerdings wandern weitere Strecken ins Binnenland und erscheinen regelmäßig in bedeutenden Rastvogelgebieten. Durch das eher ungerichtete Umherwandern (Verstreichen) durchmischt sich die Population in den Vorkommensgebieten, die mitunter mehrere 100 km auseinander liegen.

Die Tiere sind tagaktiv und fliegen unter Ausnutzung der Thermik in ausdauernden Segelflügen über ihr Revier. Territorial verhalten sie sich nur in unmittelbarer Nestumgebung. Das ermöglicht eine dichte Anordnung der Horste und ein gemeinsames Jagen verschiedener brütender Paare und einzelner Nichtbrüter an den gleichen Gewässern.

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