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Rotmilan


Rotmilan © Erich Thielscher, piclease
Foto: Rotmilan © Erich Thielscher, piclease

Rotmilan (Milvus milvus)
Andere bekannte Namen: Gabelweihe, Königsweihe
Rote Liste Deutschland 2007: Die Art ist derzeit nicht gefährdet.

Der Rotmilan ist ein etwa mäusebussardgroßer Greifvogel und gehört zur Familie
der Habichtartigen. Er kann über 20 Jahre alt werden.
Der Rotmilan ist eine rein europäische Art mit einem sehr kleinen Verbreitungsareal, in dessen Zentrum Deutschland liegt. Es erstreckt sich von Spanien, Frankreich über Polen bis in die osteuropäischen Länder. Das Verbreitungsgebiet wird im Süden entlang der Donau, in Süditalien und Sizilien, auf Korsika und Sardinien sowie durch eine kleine Population in Nordafrika abgegrenzt. In Osteuropa kommt die Art nur sehr lückenhaft und spärlich vor.
Der europäische Bestand wird auf 19.000 – 25.000 Paare geschätzt (Bauer et al. 2005), wovon allein in Deutschland zwischen 12.000 und 18.000 Rotmilanpaare brüten (Sudholdt et al. 2013).
Dies entspricht gleichzeitig dem gesamten Weltbestand und zeigt die hohe Verantwortung, die Deutschlands für den Erhalt der Art trägt.
In seinem Verbreitungsgebiet wurden seit Beginn der 1990er Jahre zum Teil erheblichen Bestandsrückgänge in den Schlüsselländern Deutschland, Spanien und Frankreich verzeichnet. Dem stehen stabile oder sogar steigende Brutpaarzahlen in der Schweiz, in Italien, in Tschechien, Polen, Schweden und in Wales gegenüber. Stabil, wenn auch auf niedrigem Niveau sind die Bestände auch in Österreich, in Ungarn und in der Slowakei.

Gründe für die Bestandsrückgänge liegen vor allem in der Intensivierung beziehungsweise Umstellung der Landwirtschaft. Besonders negativ wirkte sich diese Entwicklung nach der Wende auf die bedeutenden Rotmilanbestände im Osten Deutschlands aus, wo regional Bestandseinbußen um 50 Prozent und mehr und ein deutliches Absinken der Reproduktionszahlen zu verzeichnen sind.

Lebensraum von Rotmilanen

Offenland, Wald

Der Rotmilan bevorzugt Kulturlandschaften mit einem Wechsel von großen  Freiflächen sowie kleineren  Waldgebieten mit Thermikhängen und  Gewässern, an denen er gerne jagt. Der Horst wird an den Rändern lichter Altholzbestände im oberen Kronenbereich starker Bäume angelegt. Er kann in sehr großer Höhe von Eichen, Kiefern und Buchen gefunden werden. Selbst in kleinen Feldgehölzen oder in Waldflächen unter 10 ha Größe kommen Bruten vor. Im Gegensatz zum  Schwarzmilan siedelt der Rotmilan auch in den Mittelgebirgen; der Schwarzmilan ist eher eine Flachlandart der Flussauen.

Die Jagdgebiete beinhalten sowohl strukturärmere  Acker-,  Wiesen- und Weideflächen als auch mit  Hecken und Feldgehölzen kleinstrukturierte Gebiete. Über Ödland,  Brachen,  Gewässern und auf Müllplätzen ist er regelmäßig anzutreffen. Selbst Ortschaften und  Wälder mit größeren Freiflächen sucht er regelmäßig nach Nahrung ab. Die größte Siedlungsdichte erreicht er in Gebieten mit größeren Kleinsäugervorkommen (z.B. Feldhamster, Schermaus, Feldmaus). Gebiete mit Grünfutteranbau (Klee, Luzerne etc.) sowie einem regelmäßigen Wechsel zwischen Grünland und Ackerflächen mit eingestreuten kleineren Waldgebieten stellen offensichtlich das optimale Habitat dieser Art dar. In hochwertigen Revieren kommt es zu hohen Brutpaardichten mit einer Häufung der Horste an Waldrändern.

Gefährdung von Rotmilanen

Zerstörung von Lebensraum

Der Rotmilan kann gefährdet werden durch Beeinträchtigung und Verlust von Lebensräumen und Brutplätzen.

Landsport

Forstbetrieb, Erholungssuchende,  Wanderer und   Mountainbiker etc. können Störungen verursachen.

Nahrung, Jagd, Stromleitungen

In der Zeit zwischen 1994 und 1997 ging der Bestand in Deutschland um ein Viertel zurück. Neben der Verschlechterung der Nahrungsverfügbarkeit durch Umstellung der Mahdtermine, Rückgang der Rinderhaltung und damit verbundener Reduzierung des Grünfutteranbaus mit regelmäßiger Mahd, tragen direkte Verfolgung durch Abschuss oder Vergiftung sowie Unfallverluste an Windkraftanlagen und Hochspannungsleitungen zum Rückgang bei. Auch das frühzeitigere Schließen von Mülldeponien reduziert die Nahrungsgrundlage wirkt sich bestandslimitierend aus.

Winterquartiere

In den Winterquartieren spielen nach wie vor menschliche Beeinträchtigungen (wie Abschuss oder vergiftete Kadaver) eine Rolle. Während des Zuges und im Brutrevier sind Unfälle durch Stromleitungen oder an Verkehrswegen, z.B. beim Versuch, Aas von der Straße aufzunehmen, häufig.
Der Rückgang im Bundesgebiet hängt direkt auch mit der Verschlechterung der Überlebensbedingungen in den spanischen Überwinterungsgebieten zusammen.

Schutz von Rotmilanen

Im Brutgebiet müssen vor allem die Horstbäume erhalten und zur Brutzeit von Störungen freigehalten werden. Strommasten und Freileitungen müssen weiter entschärft werden (Isolatoren, Erdverkabelung, Bauart), da der Rotmilan aufgrund seiner großen Spannweite dort oft zu Tode kommt. In der Brutzeit eingerichtete Wegesperrungen in  Wäldern sollten respektiert werden.
Das hohe Tötungsrisiko an Windenergieanlagen erfordert eine vorausschauende Planung, unter Ausschluss der Windkraftnutzung in den Verbreitungszentren.

Biologie des Rotmilans

Systematik

Ordnung Accipitriformes (Greifvögel)
Familie Accipitridae (Habichtartige)
Unterfamilie: Milvinae (Milane)

Aussehen

Männchen und Weibchen des Rotmilans sind äußerlich kaum zu unterscheiden. Die Weibchen werden mit 960 – 1.600 g meist schwerer als die Männchen mit 750 – 1.200 g. Der Rotmilan ist größer und langflügeliger als der nahverwandte Schwarzmilan. Er weist im Gegensatz zu diesem einen wesentlich tiefer gegabelten Stoß auf, der auch im Flugbild gut zu erkennen ist. Das Flugbild ist durch sehr langsame Flügelschläge und lange Gleitstrecken gekennzeichnet. Die langen schmalen Flügel werden im Handgelenk etwas eingeknickt gehalten.

Durch sein bei großer Spannweite (150 bis 170 cm) geringes Gewicht ist er ein idealer Thermiksegler. Im Sitzen wirkt der Milan schlank, seine Flügel erreichen zusammengelegt fast die Schwanzspitze.

Der Kopf des adulten Tieres ist hellgrau und hebt sich deutlich von der rostrot gestreiften Bauchseite ab. Das Rückengefieder ist braun, die Flügeldecken und der Stoß sind rostrot. Im Flugbild sieht man auf der Unterseite einen deutlichen weißen Fleck in der Außenhälfte der Flügel.

Fortpflanzung

Man geht davon aus, dass die Geschlechtsreife bereits im ersten Lebensjahr erreicht wird, eine Verpaarung aber erst im zweiten oder dritten Lebensjahr erfolgt. Einjährige Nichtbrüter leben oft in kleinen Trupps über den ersten Sommer im Winterquartier. Die Brutpaare bleiben entweder einen Sommer oder das ganze Leben lang zusammen. Selbst im Winterquartier bleiben die Paarvögel zusammen. Die Balz findet – spätestens nach Ankunft am Brutplatz – bereits in den Wintermonaten statt. Oft ist die Paarbildung dann schon vollzogen.

Die Balzflüge beginnen zunächst mit einem hohen Thermikkreisen beider Partner. Steilsturzflüge mit Drehung um die Körperachse oder der sogenannte Schleifensturzflug sind typisch. Die Balzflüge enden häufig in den Baumkronen in der unmittelbaren Horstumgebung. Männchen oder Weibchen können bis zu 4 Wochen zeitversetzt im Brutrevier ankommen; der Vorjahreshorst wird gegenüber Artgenossen oft verteidigt.

Der Horst wird gerne auf hohen Bäumen angelegt. Der Rotmilan bessert aber auch alte Horste von Greifen oder Rabenvögeln aus. Ein Paar baut im Laufe der Zeit mehrere Ausweichhorste. Durch die Nutzung entwickeln sich die Horste im Laufe vieler Jahre zu über 1 m breiten und 0,5 bis 0,7 m hohen Reisigburgen. Typisch für den Rotmilan ist das Auspolstern des Nests mit Kunststofffetzen, Papiersäcken, Tierhaaren oder Gras. Ballenschnüre und Schlingen aus Kunststoff sind schon manchem Jungvogel bei den Kletteraktionen zur Ästlingszeit zum Verhängnis geworden. Horste verschiedener Paare können nah beieinander oder in unmittelbarer Nachbarschaft von Schwarzmilan-, Kormoran- oder Graureiherhorsten liegen.

Zwischen Ende März und Anfang Mai werden meist 2 –3 Eier mit einem Abstand von 2 – 6 Tagen gelegt. Überwiegend das Weibchen bebrütet die Eier 31 – 34 Tage lang. Nachgelege werden nur bei Eiverlust begonnen, nicht aber bei einem später stattfindenden Jungenverlust.

Das Männchen trägt dem Weibchen schon vor der Geburt der Jungen mehr Nahrung zu, als es fressen kann, so dass für die Jungen sofort ausreichend Futter vorhanden ist. Schon wenige Tage nach dem Schlüpfen geben die Jungtiere ihren Kot am Horstrand ab, so dass die Nestmulde sauber bleibt. Die Jungen bleiben zwischen 45 und 60 Tagen im Horst. Nachdem das Weibchen 2 Wochen lang die Jungen gehudert („unter die Fittiche genommen“) hat und durch das Männchen mit Nahrung versorgt wurde, beteiligt es sich am Nahrungserwerb.

Nach dem sie ausgeflogen sind, kommen die Jungen noch etwa 2 Wochen lang zum Horst zurück, wo sie von den Eltern wiederholt mit Beute versorgt werden. Im Durchschnitt fliegen 2 Junge pro Horst aus. Nach Verlassen des Brutreviers und noch vor Beginn des eigentlichen Wegzugs jagen die Jungvögel gemeinsam mit den Eltern. Nach dem Ausfliegen der Jungtiere verlieren die Rotmilane ihre territoriale Aggressivität. Sie bilden größere Schlafplatzgesellschaften oder ziehen in losen Trupps gemeinsam auf den Weg ins Überwinterungsquartier.

Nahrung

Hauptbeute des Rotmilans sind Kleinsäuger, aber zu einem hohen Anteil auch Regenwürmer und Insekten. Er nimmt gerne Aas und kontrolliert sowohl Straßen als auch frisch gemähte  Wiesen oder umgebrochene  Äcker, oft noch während deren Bearbeitung. Er greift tote  Fische von der Wasseroberfläche oder schlägt nach Fischadlermanier Fische in Teichanlagen. Größeren  Greifvögeln jagt er gerne die Beute ab, aber auch seine Beute wird ihm von  Rabenvögeln streitig gemacht. Trotz seiner relativ kurzen Beine und schwachen Fänge überwältigt er mitunter größere Beutetiere wie Hase, Kaninchen oder Haushühner. Er greift auch Igel und Ratten an.

Durch die Beseitigung von Aas nimmt der Rotmilan die Aufgabe der „Gesundheitspolizei“ wahr, wird allerdings durch Aufnahme von vergifteten Tieren selbst vergiftet. Da er auch in Teichwirtschaften tote Fische von der Wasserfläche aufnimmt, wird er dort geduldet.

Natürliche Feinde

Große Greife wie  Stein- oder  Seeadler,  Uhu, Habicht,  Kolkrabe, Stein- und Baummarder spielen meist als Nesträuber, aber auch als Beutejäger von Alt- oder flüggen Jungvögeln eine Rolle.

Verhalten

Der Rotmilan ist tagaktiv, in den Wintermonaten aufgrund des kürzeren Tages auch schon in der Dämmerung. Er vertreibt Eindringlinge durch rasante Sturzflüge und durch weites, bis 1,5 km langes Verfolgen vom Horstbereich. Der Rotmilan ist ein Kurzstreckenzugvogel, der innerhalb Europas überwintert.

Der Wegzug beginnt ab Oktober und setzt sich bis in den Winter hinein fort. Die Heimkehr erfolgt bereits im Februar/März, mitunter in großen Gruppen. Der Wegzug erfolgt meist langsam mit längeren Aufenthalten in nahrungsreichen Gebieten, während der Heimzug schneller und gerichteter vonstattengeht.

Der Rotmilan zieht in schmaler Front in seine Überwinterungsgebiete. Konzentrationspunkte sind wegen der Nachstellungen durch den Menschen immer wieder gefährlich. Hauptüberwinterungsgebiet für die hiesigen Tiere ist das nordwestliche und westliche Spanien. Vor allem in Trockengebieten wie der Extremadura erreicht die Winterpopulation eine Größe von über 50.000 Tieren.

Er bildet an nahrungsreichen Stellen wie Müllplätzen Überwinterungstraditionen aus. Durch das Verbot nach EU-Recht fallen die Schindanger, also die Tierkadaverplätze in Südeuropa weg. Durch die zunehmend milden Winter bleiben einige Tiere mittlerweile auch ganzjährig zumindest in der Nähe ihres Brutgebiets.

Die Aktionsraumgrößen sind je nach Revierstruktur und Nahrungsverfügbarkeit sehr verschieden. Ein hoher Waldanteil lässt die Reviere deutlich größer werden, da der Milan im geschlossenen Wald nicht jagt. In Zeiten größten Futterbedarfs, z.B. während der Aufzuchtszeit, vergrößern sich häufig auch die Aktionsräume.

Unter den Rotmilanen gibt es territoriale Einzelvögel, Nichtbrüter und Brutpaare. Erstere spielen als Populationsreserve zur Brutzeit eine wichtige Rolle, da sie sich bei Ausfall eines Partners oder Freiwerden eines Reviers sofort etablieren können.

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