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Kornweihe


Kornweihe © Richard Dorn, piclease
Foto: Kornweihe © Richard Dorn, piclease

Kornweihe (Circus cyaneus)
Rote Liste Deutschland 2007: 2 (stark gefährdet)

Die Kornweihe ist ein Greifvogel aus der Familie der Habichtartigen. Mittlerweile ist sie zu einem der seltensten Brutvögel Deutschlands geworden; ihr Bestand hierzulande ist weitestgehend zusammengebrochen. Einige Dutzend Brutpaare gibt es noch in Niederungslagen der Bundesländer Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen und Bayern. In Mitteleuropa beträgt der Gesamtbestand kaum mehr als 170 – 260 Brutpaare (Bauer et al. 2005), davon in Deutschland 40 – 60 Brutpaare (Sudholdt et al. 2013).

Lebensraum von Kornweihen

Verbreitung

Das Verbreitungsgebiet der Kornweihe erstreckt sich mit 2 Rassen vom mitteren und nördlichen Eurasien vom Atlantik bis zum Pazifik. Eine zweite Unterart lebt auch in Nordamerika. In Westeuropa tritt die Kornweihe nur vereinzelt auf, insbesondere noch in Nordwestspanien, Zentralfrankreich, in Irland und Schottland. Sie fehlt in England, Dänemark und im südlichen Skandinavien und tritt erst wieder in Ungarn und anderen osteuropäischen Ländern in Erscheinung. Die größte aktuelle Verbreitung hat sie im östlichen Polen, Russland und von dort weiter nach Nordosten. In Nordeuropa bildet Finnland einen Verbreitungsschwerpunkt.

Deutschland

In Deutschland erscheint sie in geeigneten Biotopen neben wenigen Brutpaaren noch als regelmäßiger, spärlicher Durchzügler und Überwinterer. Historisch lag der Verbreitungsschwerpunkt der Kornweihe hierzulande in der norddeutschen Tiefebene.

Offenland

Ihr Lebensraum ist weites,  offenes Kulturland,  Heiden,  Moore, Marschland sowie Dünengelände. In Nordeuropa fühlt sie sich sogar in jungen Aufforstungen und auf  Waldlichtungen zuhause. Der Bodenhorst wird seltener als von der  Wiesenweihe in  Wiesen und  Äckern angelegt. In  Verlandungszonen von Gewässern wird er im Gegensatz zur  Rohrweihe meist über trockenem Untergrund errichtet.

Gefährdung Kornweihen

Wesentliche Gefährdungsursachen sind (wie bei der  Wiesenweihe) Lebensraumveränderungen durch

  • Zerstörung von Mooren, Heidegebieten und Auenlandschaften,
  • Intensivierung der Landwirtschaft, Flurbereinigung,
  • Entwässerung von Feuchtgebieten,
  • Aufforstung von Offenlandgebieten,
  • Einsatz von Bioziden in der Landwirtschaft,
  • Zerstörung von Nestern durch landwirtschaftliche Tätigkeiten,
  • Verluste durch Prädatoren,
  • Störungen an den Brutplätzen durch Freizeitnutzungen, Verkehr, Landarbeiten und
  • in einigen Ländern in Mitteleuropa auch direkte Verfolgung.

(Bauer et al. 2005)

Im Rahmen der modernen Landwirtschaft ist es der Kornweihe kaum mehr möglich, in Getreidefeldern zu brüten. Illegale Abschüsse spielen nach wie vor eine Rolle.

Schutz von Kornweihen

Folgende Maßnahmen tragen zum Schutz der Kornweihe bei:

  • Schaffung und Pflege von Brachflächen und Feuchtgrünland.
  • Einschränkung der Anwendung von Bioziden, Verzicht auf Mäusebekämpfung.
  • Schutz und Überwachung bekannter Brutstandorte, Absprache mit Landbesitzern.
  • Verringerung der Zugangsmöglichkeiten zu Brutplätzen, Einschränkung der Freizeitnutzung in den Brutgebieten.

(Bauer et al. 2005)

Biologie der Kornweihe

Systematik

Ordnung: Accipitriformes (Greifvögel)
Familie: Accipitridae (Habichtartige)
Unterfamilie: Circinae (Weihen)

Aussehen

Die Kornweihe ist kleiner und zierlicher als die  Rohrweihe. Männchen wiegen 260 bis 390 g, Weibchen sind mit 390 bis 620 g schwerer. Das Weibchen ist auf der Oberseite einfarbig braun, während Kopf, Hals und die Körperunterseite auf hellrostgelbem Grund dunkel gestreift sind. Das Männchen ist hell blaugrau mit weißer Unterseite. Seine für ihn typischen schwarzen Schwingenspitzen heben sich deutlich von der sonst einheitlich silberhellen Unterseitenfärbung ab.

Die Schnabelfarbe ist schwarz, die Füße sind sehr lang und gelb gefärbt. Der Kopf wirkt relativ klein, die Flügel und der Stoß dagegen lang. Beide Geschlechter haben einen breiten, weißen Ansatz der Schwanzfedern (Bürzel), der im Flugbild zu sehen ist. Die Jungvögel ähneln farblich dem Weibchen, sind auf der Unterseite jedoch stärker gefleckt.

Fortpflanzung

Kornweihen werden mit einem Jahr geschlechtsreif. Ein Brutpaar bleibt für eine Brutsaison zusammen. In größeren Populationen mit älteren Männchen betreut ein Männchen bis zu 6 Weibchen. Der Horst wird am Boden in hoher Vegetation, auch im Gehölz, aus trockenen Halmen und Zweigen, aus Heidekraut und Moorpflanzen gebaut. Männchen legen mehrere Nester an, aus denen das Weibchen eines auswählt. Die Tiere erscheinen Ende März/Anfang April am Brutplatz. Der Legebeginn erstreckt sich in Mitteleuropa von Ende April bis Ende Mai.

Meistens werden pro Weibchen vier bis fünf, manchmal sechs, ausnahmsweise auch mehr Eier in zwei- bis dreitägigem Abstand gelegt. Selbst bei Polygynie liegen die Gelegegrößen im Durchschnitt bei 4 – 6 Eiern. Bei Verlust des Erstgeleges wird bis Juni noch ein Nachgelege getätigt, die Brutdauer liegt je nach Gelegegröße bei 29 – 32 Tagen.

Das Weibchen brütet alleine und wird vom Männchen mit Futter versorgt. Bei mehreren brütenden Weibchen kann das Männchen nicht alle Weibchen ausreichend versorgen, so dass diese das Nest gelegentlich zur Nahrungssuche verlassen müssen. Bei längerem Ausbleiben des Männchens, d.h. bei ausbleibendem Jagderfolg, ist das Weibchen zur selbständigen Jagd gezwungen. Das führt zur Unterkühlung der Gelege und lockt Feinde an.

Durch einen etwas zeitversetzten Brutbeginn verschiedener Weibchen schlüpfen die Jungen in einer Brutpopulation asynchron. Dies begünstigt die Nahrungsversorgung verschiedener Weibchen durch die Männchen. Nach dem Schlüpfen hütet und wärmt (hudert) ausschließlich das Weibchen die Jungen 10 – 15 Tage lang und versorgt sie mit Nahrung. Die Jungen verlassen im Alter von 32 – 34 Tagen bereits das Nest, bis zum Flüggewerden vergehen allerdings 5 – 6 Wochen. Die körperlich leichteren Männchen entwickeln sich etwas schneller als die größeren Weibchen. Der Bruterfolg liegt im Durchschnitt nicht über 1,5 – 2 Tieren pro Horst und ist bei monogamen höher als bei polygamen Paaren. Die Nester der Weihen liegen in optimalen Brutgebieten oft nachbarschaftlich dichter beisammen.

Nahrung

Kornweihen ernähren sich vor allem von bodenlebenden Kleinvögeln (Ammern, Piepern, Lerchen sowie deren Nestjungen oder Eier) und Wühlmäusen. Bei einer geringen Feldmauspopulation im Winter wandern die Tiere in andere Überwinterungsräume ab.

Auch  Watvögel, junge  Rebhühner und Fasane sowie Kaninchen oder junge  Hasen werden erbeutet. Eidechsen, Heuschrecken und andere Großinsekten dienen ebenso als Nahrung. Kannibalismus unter den Jungen ist nichts Außergewöhnliches. Gelegentlich verfüttert das Weibchen schwache Junge an die Geschwister.

Natürliche Feinde

siehe  Rohrweihe

Verhalten

Wie alle Weihen ist die Kornweihe tagaktiv, zeigt den typischen Konturenflug (s.  Rohrweihe) und die entsprechenden Jagdarten mit überraschenden Flugmanövern wie Wendungen und Haken. Mitte bis Ende August verlassen unsere heimischen Kornweihen das Brutgebiet und ziehen nach Südeuropa oder Nordafrika. Mit Fußringen markierte Kornweihen aus Brandenburg wurden, nachdem sie meist durch Abschuss zu Tode kamen, aus Belgien, Frankreich, Italien und Südmähren gemeldet.

Bleibt das Klima mild, überwintern Tiere der heimischen Brutpopulation gelegentlich in ihrem Brutgebiet. Im Herbst, vor allem im Oktober, erfolgt ein starker Zuzug aus Skandinavien in unsere Breiten. In Deutschland verbringen diese Vögel den Winter in den bekannten Überwinterungsgebieten, in denen sie nicht selten in der offenen  Feldflur zu beobachten sind. Da sie bis Ende April bei uns bleiben, täuschen sie ab und an mögliche Brutvorkommen vor, da zu dieser Zeit einzelne Paare bereits mit der Brut beginnen können. Verschlechtern sich plötzlich Umwelt- bzw. Ernährungsbedingungen, z.B. im Winter durch Schneebedeckung, kommt es noch im Januar/Februar zur Winterflucht der von Skandinavien eingewanderten Vögel.

Im Winter sind Kornweihen gesellig. Sie bilden Schlafplatzgesellschaften in  Feuchtwiesen,  Schilfröhrichten und anderen höherwüchsigen Vegetationsbereichen. Die heimischen Reviere werden im Frühjahr – unter Umständen schon im Februar – wieder besetzt, Brutplatztreue ist nachgewiesen. Der Großteil der deutschen Brutpopulation trifft im März/April im Brutgebiet ein.

Während der Brutzeit greift die Kornweihe auch den Menschen an, wenn er in unmittelbare Horstnähe kommt.

Konfliktlösungen

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