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Lachmöwe


Lachmöwen bei der Balz © Georg Pauluhn, piclease
Foto: Lachmöwen bei der Balz © Georg Pauluhn, piclease

Lachmöwe (Larus ridibundus)
Andere bekannte Namen: Rheinmöwe, Kapuzinermöwe, Braunkopf, Pfaff
Rote Liste Deutschland 2007: Die Art ist derzeit nicht gefährdet.

Die Lachmöwe ist die häufigste Möwenart in Deutschland. Sie brütet in Kolonien.
Der Bestand in Deutschland liegt bei 105.000 – 150.000 Brutpaaren (Sudholdt et al. 2013).

Lebensraum von Lachmöwen

Verbreitung

Ihr Verbreitungsschwerpunkt liegt an den Küsten und in den gewässerreichen Tieflandgebieten Nordwesteuropas bis nach Ostsibirien. In Nordamerika hat sie sich in neuerer Zeit angesiedelt.

Gewässer

Die Brutkolonien der Lachmöwe befinden sich an flachen  Binnenseen,  Teichen und Weihern, in großen  Schilf- oder  Großseggenzonen, in Verlandungsgesellschaften von  Sumpfgebieten oder an Küsten. Sehr beliebt sind Inseln, weil sie den größten Schutz vor Bodenfeinden bieten. Kleine Kolonien siedeln auf  Niedermooren, auf überfluteten Wiesen, Rieselfeldern, Klärteichen und an Kiesufern großer Ströme.

Winter

Im Winter leben die Tiere an allen geeigneten  Gewässern, bis hin zu Parkteichen und auf Mülldeponien. Kolonievögel aus Nordwestdeutschland überwintern größtenteils in Nordwesteuropa, Vögel aus eher südlichen Landesteilen ziehen nach Südwesteuropa oder in den Mittelmeerraum.
Sie ruhen an größeren stehenden Gewässern, offenen  Feldern in baumarmen Agrarlandschaften sowie auf Bootsstegen und Molen.

Gefährdung von Lachmöwen

  • Lebensraumverlust durch Veränderungen im Bodenwasserhaushalt, Verlandung, Aufwuchs von Gehölzen, Zerstörung von Verlandungszonen, Schilfsterben, verstärkte Schilfnutzung,
  • Belastung mit Umweltgiften, v. a. Schwermetallen,
  • Rückgang der Nahrungsgrundlagen v. a. zur Aufzuchtszeit der Jungen durch Intensivierung der Landwirtschaft, regional auch durch Schließung von Mülldeponien und Änderungen der Fischereiwirtschaft,
  • v. a. früher wurde die Lachmöwe auch direkt verfolgt z. B. durch Abschuss, Sammeln von Eiern und Vergiftungen, heute immer noch jagdbare Art,
  • Störungen durch Menschen an den Brutkolonien (in deren Folge dann erhöhte Brutverluste durch natürliche Feinde),
  • Seuchen wie Salmonellose, Pasteurellose oder Botulismus können zu Massensterben führen,
  • kühlfeuchte Wetterlagen, vor allem bei längerer Dauer, in der Brut- und Aufzuchtszeit und
  • Zerstörung von Brutkolonien durch Überschwemmungen.

(Bauer et al. 2005)

Schutz von Lachmöwen

Folgende Maßnahmen tragen zum Schutz der Lachmöwe bei:

Habitatgestaltende Maßnahmen:

Erhaltung und Wiedervernässung von Feuchtgebieten, Flussniederungen, Niedermooren und Auenlandschaften

Reduzierung von Störungen:

Von einer Reduzierung menschlicher Störungen (z. B. durch Freizeitnutzung) profitieren auch andere Arten wie Schwarzhalstaucher, Fluss- und Trauerseeschwalbe oder Schwarzkopfmöwe, die in Lachmöwenkolonien brüten und von deren Verteidigungsbereitschaft profitieren.

(Bauer et al. 2005)

Biologie der Lachmöwe

Systematik

Ordnung: Charadriiformes (Schnepfen-, Möwen- und Alkenvögel)
Familie: Laridae (Möwen)

Aussehen

Die Lachmöwe ist die kleinste der heimischen Möwen. Sie erreicht die Größe einer Haustaube und wiegt etwa 300 g. Im Flug ist schon von weitem das weiße Vorderflügelfeld zu erkennen, welches sie von anderen Möwen unterscheidet. An der Unterseite grenzt ein schwärzliches Flügelfeld an. Die Flügel laufen spitz zu.

Der Kopf wirkt im Verhältnis zum Körper klein. Trägt die Lachmöwe ihr Schlichtkleid, ist er weiß mit einem dunklen Ohrfleck sowie einer schwarzen Umrandung des Auges. Außerdem weist er graue Streifen auf, die vom Ohr und vom Auge aus auf die Kopfoberseite ziehen.

Trägt die Lachmöwe ihr Prachtkleid, ist der Kopf bis in den Nacken und unter die Kehle dunkelbraun gefärbt. Das Auge wird am Hinterrand von einem weißen Halbmond begrenzt. Der Rücken, die Schulter und die Flügeloberseiten sind hellgrau, der übrige Körper ist weiß gefärbt.

Altvögel haben rötliche Beine und einen einfarbig karminroten Schnabel, der nur im Schlichtkleid eine schwarze Spitze hat. Gerade bei der Lachmöwe kommen viele Farbabweichungen vor.

Fortpflanzung

Lachmöwen werden erst mit Beginn des 3. Lebensjahres geschlechtsreif. Nester errichten sie gerne auf Gewässerinseln oder auf Flächen, die von dichter Ufervegetation abgeschirmt sind. Das Nest wird auf trockener Unterlage wie Binsenhorst, Schilfstengeln und krautiger Vegetation angelegt.

Wenn Brutplätze fehlen, können die Nestabstände sehr klein sein. Dies erhöht den innerartlichen Stress und senkt dadurch den Bruterfolg. Eine Lachmöwe verteidigt normalerweise einen Bereich, der rund 1 m2 um das Nest herum liegt.

Das Männchen scharrt eine Mulde aus und beginnt dann mit dem Nestbau. Dazu schichtet es grobes Material aus der Umgebung lose auf, eine Feinpolsterung fehlt. Nachdem es das Weibchen mehrmals gefüttert hat, findet die Begattung statt.

In Mitteleuropa beginnt die Legeperiode Ende April. Lachmöwen haben eine kurze Brutsaison und synchronisieren innerhalb einer Kolonie den Legebeginn. Sobald das erste Ei abgelegt ist, beginnen beide Partner abwechselnd zu brüten. Meist werden insgesamt 3 Eier gelegt. Bis alle Küken geschlüpft sind, können 2 – 3 Tage vergehen.

Die Küken sind sogenannte Platzhocker, die im engen Nestbereich der Kolonie bleiben, bis sie ihre Flugfähigkeit mit 26 – 28 Tagen erreicht haben. Wenn sie älter sind, unternehmen sie erste Ausflüge ohne ihre Eltern in die nähere Umgebung. Während dieser Ausflüge ernähren sie sich selbständig, betteln aber nach Rückkehr weiterhin bei ihren Eltern um Futter. Beide Partner lösen sich regelmäßig ab, um den Brutplatz zu bewachen. Sie füttern ihre Jungen, indem sie zuvor aufgenommene Nahrung vorwürgen, oder die Jungen übernehmen das Futter direkt aus dem Schlund der Eltern. Nach 5 Wochen sind die Jungen selbständig.

Nahrung

Die Lachmöwe ernährt sich sehr vielseitig und passt sich den jeweiligen Gegebenheiten an. Ihre Nahrung sucht sie auf kahlen, vegetationsarmen Böden, in  vernässtem Grünland und auf Wasserflächen. Sie folgt pflügenden Traktoren, um Würmer zu suchen, fängt geschickt Insekten aus der Luft, stochert im weichen Boden oder sammelt ihre Beute von dessen Oberfläche ab. Auf ihren Speisezettel gehören Regenwürmer, Insekten und deren Larven, Muscheln, Wattwürmer,  Krebse, kleinere  Fische und  Amphibien.

Sind kurzfristig örtlich begrenzte und ergiebige Nahrungsquellen wie schwärmende Maikäfer, Massenauftreten von Heuschrecken auf  Wiesen oder viele junge Mäuse vorhanden, werden diese bevorzugt ausgeschöpft. Lachmöwen locken Regenwürmer aus weichem Boden, indem sie auf ihm herumtrampeln. Befinden sie sich im Wasser, erbeuten sie ihre Nahrung schwimmend, gründelnd (Kopf ins Wasser, Schwanz in die Höhe) oder stoßtauchend. Sie jagen auch anderen Arten ihre Beute ab. Im Sommer ernähren sie sich zusätzlich von Pflanzenteilen; nicht nur im Winter suchen sie Müllkippen auf und fressen Aas. Lachmöwen würgen Speiballen aus, in denen sich je nach vorab aufgenommener Nahrung Gräten, Chitin- oder Pflanzenreste befinden.

Natürliche Feinde

Feinde der Jungvögel und der Eier von Lachmöwen sind Fuchs, Otter, Marder, Mink, Iltis, Wiesel, Hund, Katze, Igel, Ratte,  Rohrweihe sowie andere größere Möwen wie  Silber-, Herings- und Sturmmöwe.  Seeadler,  Uhu, Habicht und  Wanderfalke greifen auch die Altvögel an. Die Tiere einer Kolonie wehren Feinde gemeinsam ab. Artfremde oder Artgenossen werden durch Picken, Beißen und Flügelschlagen vertrieben, Luftfeinde