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Libelle


Plattbauch-Libelle © Stefan Ott, piclease
Foto: Plattbauch-Libelle © Stefan Ott, piclease

Erdgeschichtlich gesehen sind Libellen eine sehr alte Tiergruppe, die bereits im Karbon, also vor 360 bis 300 Mio. Jahren, existierte. Damals konnte die Flügelspannweite der erwachsenen Tiere bis zu 75 cm betragen (Meganeuropsis).
Auch heute noch gehören die Libellen in Mitteleuropa zu den größten Insekten. Dies kann auch ein Grund dafür sein, dass Libellen lange Zeit als gefährlich oder bedrohlich galten. Alte Namen wie „Augenstecher“ oder „Teufelsnadeln“ bringen das zum Ausdruck. Libellen sind jedoch harmlos und können nicht stechen. Wenn eine Libelle gefangen wird, kann es höchstens passieren, dass sie versucht zu beißen.

Der Name Libelle (Libellula) wurde vom schwedischen Naturforscher Carl von Linné eingeführt und ist vom lateinischen Wort Libella (Hammerhai) abgeleitet. Manche Libellen haben - ähnlich einem Hammerhai - eine hammerähnliche Körperform.

In Europa sind 80 Libellenarten heimisch. Man unterteilt sie in zwei Gruppen, in die Großlibellen (Anisoptera) und Kleinlibellen (Zygoptera), wobei die Großlibellen die wesentlich besseren Flieger sind.
Die grössten europäischen Libellen, die Königslibellen, wiegen kaum mehr als ein Gramm (ein Sperling ist 30 mal so schwer). Libellenmännchen sind annähernd gleich gross, aber immer etwas leichter als die Weibchen.
Viele Libellenarten sind inzwischen durch Lebensraumverluste vom Aussterben bedroht.

Lebensraum von Libellen

Verbreitung

Libellen kommen mit Ausnahme der Antarktis auf allen Kontinenten vor. Weltweit sind etwa 5.000 Arten bekannt. Einige Vertreter finden sich sogar nördlich des Polarkreises und in den Alpen bis in 2.200 m Höhe.

Gewässer

Libellen sind an  Gewässer gebunden, weil sie ihre Eier ins Wasser ablegen und dort auch die Entwicklung der Libellenlarven stattfindet. Dabei haben die einzelnen Arten unterschiedliche Ansprüche. Manche Libellenarten sind an  Fließgewässer gebunden, wobei sehr schnell fließende  Bäche im allgemeinen nicht von den Larven besiedelt werden. Andere Arten leben an  Stillgewässern oder in gewässerreichen  Moorgebieten. Einige Vertreter (z.B. Blaugrüne Mosaikjungfer, Große Pechlibelle, Frühe Adonislibelle) sind nicht besonders wählerisch. Kleine, stark zugewucherte  Tümpel werden ebenso angenommen, wie große, vegetationsarme  Seen. Die meisten Arten sind jedoch sehr anspruchsvoll und vermehren sich nur in Gewässern, die ihre Ansprüche z.B. an Temperatur, Nährstoffgehalt oder  Uferbewuchs genau erfüllen.
Die Jagdreviere der erwachsenen Libellen sind vorzugsweise Gebüsche, Bäume und  Hochstaudenfluren, die windschattig sind, besonnt werden und dadurch viele Insekten beherbergen.

Gefährdung von Libellen

Zerstörung des Lebensraumes

Mehr als 60 % unserer heimischen Libellenarten stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Deutschlands und sind durch Lebensraumverluste vom Aussterben bedroht. Die Ursachen sind Verschmutzung und Verbauung von  Gewässern, Begradigung oder Befestigung von  Flussläufen, Verfüllen von  Weihern und  Tümpeln sowie intensive Gewässernutzung durch den Menschen.

Wassersport

Die Freizeitnutzung von  Seen kann indirekte Folgen für die Libellenfauna haben, wenn  Ufervegetation zerstört oder beeinträchtigt wird. Durch Schifffahrt oder  Wassersport verursachter Wellenschlag kann vor allem schlüpfende Libellen gefährden – sie können ins Wasser gespült werden und dort ertrinken, denn die erwachsenen Libellen sind Landtiere!

Wird der Boden durch häufiges Ein- und Aussetzen von Booten bzw. durch Paddelbewegungen aufgewirbelt, kann das Wasser ständig getrübt sein und die Libellenlarven können dann nicht mehr jagen. Zusätzlich wird das Wachstum der für die Libellenlarven überlebenswichtigen Ufervegetation durch den sich absetzenden Schlamm beeinträchtigt.

Werden  Still- und Fließgewässer für den Angelsport mit  Fischen wie z.B. Regenbogenforellen besetzt, kann dies in Kombination mit anderen Gefährdungsursachen für die Libellenbestände bedrohlich sein. Werden zusätzlich Graskarpfen in  Weiher eingesetzt, kann die  Ufervegetation und mit ihr die Libellenbestände in kurzer Zeit verschwinden.

Schutz von Libellen

Nach der Bundesartenschutzverordnung sind alle heimischen Libellenarten geschützte Arten. Libellen bzw. deren Jugendstadien dürfen in Deutschland somit weder gefangen noch gesammelt werden. Einige Arten sind darüber hinaus nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz „streng geschützt“, d.h. sie dürfen nicht mutwillig gestört oder beunruhigt werden.) Libellen können nur dauerhaft geschützt werden, wenn bestehende Libellengewässer und – moore erhalten bleiben und geeignete Lebensraumstrukturen neu geschaffen werden.

Biologie der Libellen

Systematik

In Deutschland sind 80 Libellenarten heimisch. Zur Familie der Kleinlibellen (Zygoptera) gehören 29 Arten, zur Familie der Großlibellen (Anisoptera) 51 Arten.

 Ordnung Odonata (Libellen)

Körperbau

Libellen sind schlank gebaute Insekten mit einem langen, oft bunt gefärbten Hinterleib, der 1,5 bis 8,5 cm lang sein kann. Der Körper ist wie bei allen Insekten in Kopf, Brust und Hinterleib unterteilt. Die Flügelspannweite beträgt je nach Art zwischen 2,5 und 14 cm. Sie besitzen kräftige Mundwerkzeuge und haben sehr große Augen, die bei einigen Arten aus bis zu 30.000 Einzelaugen zusammengesetzt sind.

Libellen haben vier häutige Flügel, die durch starke Flügelmuskeln bewegt werden. Die Flügel sind im Querschnitt nicht eben, sondern zickzackförmig ausgebildet. Vorder- und Hinterflügel können unabhängig voneinander bewegt werden, was die ausgezeichnete Manövrierfähigkeit fliegender Libellen erklärt.

Anhand ihrer Körpergröße werden Libellen in die beiden Unterordnungen Klein- und Großlibellen unterschieden. Ein noch genaueres Unterscheidungsmerkmal sind jedoch die Flügel: Die Flügelpaare der Kleinlibellen sind gleich groß und in Ruhestellung über dem Körper zusammengelegt, die Flügelpaare der Großlibellen hingegen sind ungleich groß und in Ruhestellung vom Körper abgespreizt.

Der Hinterleib ist normalerweise lang und dünn, kann bei einigen Arten jedoch auffällig abgeplattet sein (z.B. Libellula depressa). Ganz hinten sitzen paarige Anhänge, die Cerci. Die Cerci der Männchen sind zu einem Greiforgan umgebildet.
Die Larven der Libellen leben im Wasser. Ihre Mundwerkzeuge sind zu einer Fangmaske umgebildet. Die Fangmaske kann innerhalb von Sekundenbruchteilen ausgeschleudert werden, um Beute zu ergreifen. Die Larven der Kleinlibellen sind schmal und tragen 3 blattförmige Anhänge (Kiemen) am Hinterleib. Die Sauererstoffaufnahme der Großlibellenlarven hingegen erfolgt nicht über sichtbare Kiemen, sondern durch ein spezielles Gewebe im Enddarm.

Fortpflanzung

Häufig sind zwei miteinander verbundene Libellen zu beobachten. Während der Paarung ergreifen die Männchen die Weibchen mit ihren zu Greiforganen umgebildeten Hinterleibsanhängen am Kopf oder an der Vorderbrust. Das Weibchen biegt wiederum seinen Hinterleib so, dass sein Körperende mit dem hinter der Brust gelegenen Begattungsorgan des Männchens verbunden ist. Die beiden Tiere bilden nun das sogenannte „Paarungsrad“ und können sich befruchten. Die befruchteten Eier werden entweder auf die Wasserpflanzen, in das Pflanzengewebe oder direkt ins Wasser abgegeben. Viele Großlibellen geben ihre Eier im Flug ab oder stechen sie in den Schlamm hinein. Häufig sind Männchen und Weibchen bei der Eiablage noch verbunden („Tandemflug“).

Aus dem Ei schlüpft eine Junglarve. Die Dauer der anschließenden Larvenentwicklung bis zum schlupfreifen Tier ist abhängig von der Libellenart, aber auch von anderen Faktoren wie Wassertemperatur, Nahrungsangebot und Gewässerzustand. Die Larvalentwicklung kann bereits nach 2 – 3 Monaten beendet sein (z.B. bei Teichjungfern und Heidelibellen), dauert normalerweise jedoch etwa 2 Jahre, unter ungünstigsten Umständen bis zu 5 Jahren.

Libellen haben kein Puppenstadium. Die schlupfbereiten Larven verlassen das Wasser und klammern sich an Stängel oder Blätter. Die erwachsene Libelle schlüpft durch einen winzigen Riss in der Larvalhaut. Die Haut (Exuvie) bleibt als perfektes Abbild der Larve an der Pflanze hängen. Bei genauem Hinschauen kann man an der Ufervegetation von Seen, Weihern oder auch Gartenteichen häufig Libellenexuvien finden.

Die erwachsene Libelle bleibt noch eine Weile sitzen, um ihre Außenhaut (Cuticula) aushärten zu lassen und die Flügel „aufzupumpen“. Dann startet sie zu ihrem ersten Flug, dem Jungfernflug. Erwachsene Libellen haben eine Lebensdauer von höchstens 6 – 9 Wochen.

Nahrung

Erwachsene Libellen sind Räuber. Ihre Beutetiere sind kleine Insekten wie Fliegen und Mücken, die sie aufgrund ihres ausgezeichneten Sehvermögens bis auf 40 m Entfernung erkennen können. Sie werden im Flug mit den Beinen gefangen, manchmal aber auch einfach vom Blatt abgefressen (z.B. Blattläuse). Die Libellenweibchen werden gelegentlich zu Kannibalen und ernähren sich von Artgenossen. Durch die hohe Eiproduktion benötigen sie besonders viel Nahrung.

Ist es langanhaltend kühl und regnerisch, sind erwachsene Libellen nicht in der Lage zu jagen. Sie werden zu schwach um sich fortzupflanzen, was einen Einbruch der Libellenbestände zur Folge hat.

Auch die Libellenlarven sind Räuber. Sie bewegen sich jedoch eher langsam fort und lauern auf ihre Beutetiere. Einige Arten graben sich dabei auch im Gewässerboden ein. Mit ihrer Fangmaske können sie blitzartig zugreifen. Sie verspeisen kleine Vertreter des Zoobenthos wie Amphibien- oder Zuckmückenlarven und bei Nahrungsmangel auch ihre Artgenossen.

Natürliche Feinde

Libellenlarven werden von anderen gewässerbewohnenden Tieren, z.B.  Flusskrebsen,  Amphibien und  Fischen gefressen. Erwachsene Libellen sind Beutetiere für Vögel wie Bachstelzen, Trauerseeschwalben und Baumfalken.

Verhalten

Libellen sind ausgezeichnete Flieger; kurzzeitig können sie Maximalgeschwindigkeiten bis 40 km/h erreichen. Manche Arten sind sogar in der Lage rückwärts zu fliegen! Zwischen den Komplexaugen der Libellen sitzen kurze, borstenförmige Fühler, die durch Verformung im Flug als Geschwindigkeitsmesser dienen. Für die rasanten Flugmanöver ist auch die Fähigkeit hilfreich, innerhalb 1 s bis zu 175 zeitlich voneinander getrennte Bilder wahrnehmen zu können. Außerdem sind Libellen in der Lage, im ultravioletten Bereich zu sehen und dadurch in Wasser hineinschauen zu können. Ihr Geruchssinn hingegen ist weniger gut ausgebildet.

Die Männchen mancher Arten verteidigen ihre Reviere am Brutgewässer gegen Artgenossen. Die Reviergröße ist je nach Libellenart unterschiedlich groß, liegt aber in der Regel bei einigen Quadratmetern.

Die meisten Arten überwintern als Larve oder Ei im Wasser. Eine Ausnahme sind die Gemeine Winterlibelle und die Sibirische Winterlibelle, deren erwachsene Tiere zu Winterbeginn in Kältestarre fallen und erst im Frühjahr wieder aktiv werden. Dabei können sie Temperaturen bis – 17°C ertragen. Die erwachsenen Libellen dieser Arten werden dann auch weitaus älter als nur einige Wochen. Sie können bis zu 11 Monate alt werden.

Libellenlarven können bei Gefahr rasch fliehen. Großlibellen tun dies, indem sie Wasser aus ihrem Enddarm ausstoßen und damit nach Art eines „Raketenantriebs“ beschleunigen. Bei den Kleinlibellen erfolgt die Flucht durch Seitwärtsschlagen des Hinterleibs, wobei die Hinterleibsanhänge als Ruder dienen.