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Kamberkrebs


Amerikanischer Kamberkrebs © Frank Wierzchowski, piclease
Foto: Amerikanischer Kamberkrebs © Frank Wierzchowski, piclease

Der Kamberkrebs wurde 1890 aus Nordamerika nach Deutschland eingeführt. Wie alle amerikanischen Arten ist er weitgehend resistent gegen den Krebspest-Erreger. Es stellt jedoch eine Bedrohung für die einheimischen Krebsarten dar, da er auch ohne selbst zu erkranken die Krebspest übertragen kann.

Kamberkrebse sind bei Anglern zum Teil beliebte Köder. Wenn sie an  Gewässern mit einheimischen Flusskrebsen verwendet werden, besteht die Gefahr, dass dadurch die Krebspest eingeschleppt und die vorhandenen Krebse infiziert werden. Kamberkrebse sollten daher nur als Köder verwendet werden, wenn sie zuvor z.B. durch Abkochen keimfrei gemacht wurden.

Lebensraum von Kamberkrebsen

Gewässer

Der Kamberkrebs ist in ganz Deutschland verbreitet, sein Lebensraum ist weiträumiger als der des  Edelkrebses. Er besiedelt alle Arten von  Gewässern, auch schlammige, nur sehr schnell fließende, kleine  Bäche werden vermieden. Er kann sich in stärker verschmutztem Wasser vermehren und fühlt sich auch in naturfern ausgebauten Gewässern wohl. Oft kommt er in sehr hohen Besiedlungsdichten vor und dezimiert dadurch den Bestand an Unterwasserpflanzen und kleinen Gewässertieren ( Makrozoobenthos).

Gefährdung von Kamberkrebsen

Bedrohung durch Kamberkrebse

Der Kamberkrebs ist nicht gefährdet, im Gegenteil: Er ist eine Bedrohung für die einheimischen Krebsarten, da er die Krebspest überträgt und äußerst konkurrenzstark ist. In zahlreichen Gewässern sind nach einem Kamberkrebsbesatz die heimischen  Edelkrebse verschwunden. Ihre Wiederansiedlung in Gewässern, in denen der Kamberkrebs siedelt, ist nicht mehr möglich. Es hat sich in den vergangenen Jahrzehnten aber gezeigt, dass der Kamberkrebs nicht in die kleineren und schnellfließenden Bäche vordringt. Die größeren Bestände an Steinkrebsen abseits von großen Flüssen sind somit weitgehend sicher vor der Krebspest, die mit dem Einwandern des Kamberkrebses erneut eingeschleppt werden könnte.

Biologie des Kamberkrebses

Systematik

Stamm: Arthropoda (Gliedertiere)
Unterstamm: Crustacea (Krebse)
Klasse: Malacostraca
Ordnung: Decapoda
Familie: Cambaridae – Neuweltliche Flusskrebse
Orconectes limosus – Kamberkrebs, Amerikanischer Flusskrebs

Körperbau

Der Kamberkrebs hat eine maximale Länge von 10 cm und ist damit kleiner als der Edelkrebs. Seine Oberseite ist ähnlich gefärbt wie die des Edelkrebses, die Unterseite ist jedoch fleischfarben. Auf der Oberseite der Hinterleibsringe hat er charakteristische braun- bzw. weinrot gefärbte Querbinden. Die erste dieser Querbinden ist durchgehend; die weiteren Querbinden sind lückenhaft und schwächer gefärbt. (vgl.  Körperbau Flusskrebse)

Fortpflanzung

Die Kamberkrebsweibchen können je nach Größe des Tieres über 400 Eier produzieren. Die Zeit zwischen der Eibefruchtung im Oktober bis zum Schlüpfen der jungen Krebse im November/Dezember beträgt nur wenige Wochen. Damit ist der Kamberkrebs weitaus fruchtbarer als der Edelkrebs. (vgl.  Fortpflanzung Flusskrebse)

Nahrung

Krebse fressen Wassertiere, die sie überwältigen können: Würmer, Insekten, Schnecken, Muscheln (Makrozoobenthos), auch  Fische, junge Bisame, Aas und andere Krebse werden verspeist. (vgl.  Nahrung Flusskrebse)

Natürliche Feinde

Vor allem kleinere Krebse und Butterkrebse haben zahlreiche Fraßfeinde. Für  Fische, Bisame, Enten, Iltis, Otter und Ratten sowie  Eisvogel, Bachstelze und  Wasseramsel sind Krebse eine willkommene Beute.
Häufig werden Krebse von Blutegeln befallen (Krebsegel), die sich an der Körperunterseite, an den Gelenken, Kiemen und sogar an den Augenstielen festsetzen.

Verhalten

Der Kamberkrebs baut keine Wohnhöhlen. Er verbirgt sich in Pflanzen und Steinschüttungen oder wühlt sich in den sandigen, schlammigen Gewässerboden ein. Im Winter sucht der Kamberkrebs die Tiefe der Gewässer auf. Wie alle amerikanischen Arten ist er weitgehend resistent gegen den Krebspest-Erreger.

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