Bundesamt für Naturschutz

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Alpensteinbock


Alpensteinbock auf Felden © Herwig Winter, piclease
Foto: Alpensteinbock auf Felden © Herwig Winter, piclease

Alpensteinbock (Capra ibex)
Rote Liste Deutschland 2007: R (extrem selten)

Der Alpensteinbock ist eine in den Alpen verbreitete Art der Ziegen. Ein weiblicher Steinbock wird Steingeiß genannt.

Der Alpensteinbock besiedelte in Europa bis ins 15. Jahrhundert offenbar den gesamten Alpenraum. Danach nahm der Bestand durch intensive Verfolgung rasch ab. Früher galten fast alle verwertbaren Teile der Ziegen, von Blut über Haaren und Horn, als magisch. Heilende Wirkungen wurden ihnen nach gesagt. Apotheker zahlten hohe Preise für Körperteile des Steinbocks. Mitte des 19. Jahrhunderts lebten lediglich noch 50 bis 100 Exemplare im Gran Paradiso (Aostatal/ Italien). 1816 wurden die letzten Alpensteinböcke unter Schutz gestellt und bis Ende des 19. Jahrhunderts konnte sich der Bestand wieder erholen. Ausgehend von Tieren aus dieser Kolonie, die zunächst in Gehegen gezüchtet wurden, entstanden fast in den ganzen Alpen neue Vorkommen. In Deutschland leben heute rund 300 Tiere.

Lebensraum von Alpensteinböcken

Alpensteinböcke sind in den  Alpen beheimatet, dabei bevorzugen sie den zentralen und südlichen Teil des Gebirges. Sie lieben reich gegliederte, steile und felsige Hänge in Höhen zwischen der Wald- und Eisgrenze, d.h. zwischen 1.600 und 3.200 m. Unterhalb der Waldgrenze, in der subalpinen Stufe, finden wir Steinböcke nur dann, wenn der  Wald aufgelockert, gut besonnt und mit Felsen durchsetzt ist.

Je nach Jahreszeit werden unterschiedliche Gebiete aufgesucht. Die Wintereinstände, d.h. die vom Wild bevorzugten Gebiete, liegen an den steilsten und am ausgeprägtesten südexponierten Hängen, an denen sich Schnee kaum festsetzt, sondern abrutscht oder schmilzt. Futterplätze können in steilen Hanglagen leichter freigescharrt werden. Im April und Mai, wenn es von der Talsohle her zu grünen beginnt, finden wir die Steinböcke in den niedrigsten Lagen. Im Juni bis August ziehen die Tiere aufwärts, die Böcke sehr allmählich, die Verbände von Geißen und Jungtieren schon Ende Mai oder Anfang Juni recht unvermittelt.

Während der Setzzeit (Zeit im Jahr, in der die Jungen zur Welt kommen) in der ersten Junihälfte suchen die trächtigen und führenden Geißen die unzugänglichsten und am meisten zerklüfteten Regionen auf. Vom Spätsommer bis zum Einzug des Winters stehen die Steinböcke in den am höchsten gelegenen Quartieren.

Gefährdung von Alpensteinböcken

Wintersport

Die wohl größte Gefährdung liegt in der zunehmenden Freizeitnutzung der Alpen vor allem im Winter durch den  Skitouren-Tourismus abseits der Pisten. Dies kann den Steinbock zur Flucht veranlassen. Flucht verursacht einerseits einen erhöhten Energieverbrauch und führt andererseits dazu, dass Futterplätze und Nahrungsquellen aufgegeben werden und die Energiezufuhr somit reduziert wird. Weil Nahrung im Winter nur spärlich vorhanden ist und die Fett- und Energiereserven der Tiere knapp sind, kann dies fatale Folgen haben. Wenn Steinböcke von den Futterplätzen vertrieben werden, flüchtet er in den  Bergwald und kann dort Verbissschäden an Jungbäumen anrichten.
Um die Gefährdung der Tiere zu minimieren, haben der  Deutsche Alpenverein und der  Schweizer Alpen-Club verschiedene Projekte und Lenkungskonzepte für naturverträgliche Wintertouren lanciert.

Schutz von Alpensteinböcken

Steinwild wird heute aus rationalen Überlegungen mit Sonderbewilligungen und mehreren Auflagen in einer begrenzten Jagdzeit bejagt. In manchen der stark anwachsenden Steinbock-Kolonien ist es zur Notwendigkeit geworden die Populationsdichte zu mindern, weil zu hohe Bestände für die Art Nachteile bringen. In überbevölkerten Kolonien verschlechtert sich durch die Äsungsknappheit und den steigenden sozialen Stress der körperliche Zustand der Steinböcke. Nach strengen Wintern steigt die Fallwildquote und es treten vermehrt Erkrankungen wie Lungenentzündung, Parasitenbefall, Gamsblindheit und Räude auf. Darüber hinaus mindert sich die Fortpflanzungsleistung der Population, und einzelne Tiere weichen dem „Bevölkerungsdruck“ aus und wandern in als Steinwildlebensräume wenig geeignete Gebiete ab.

Biologie des Alpensteinbocks

Systematik

Ordnung: Artiodactyla (Paarhufer)
Unterordnung: Ruminantia (Wiederkäuer)
Familie: Bovidae (Hornträger)
Unterfamilie: Caprinae (Ziegenartige)
Gattung: Capra (Ziegen)

Aussehen

Der Alpensteinbock ist etwa ziegengroß, aber kräftiger als diese, mit einer Körper-Rumpflänge von 75 – 170 cm. Die männlichen Tiere (Böcke) erreichen eine Schulterhöhe von 85 – 94 cm und können bis zu 125 kg wiegen. Die Weibchen (Geißen) sind mit 70 – 78 cm Schulterhöhe und bis zu 50 kg deutlich kleiner und leichter.

Die Böcke tragen einen kurzen Bart. Ihre säbelförmigen nach hinten gekrümmten Hörner erreichen Längen von bis zu 1 m. Ein Horn kann bis zu 15 kg auf die Waage bringen. Die Hörner der Geißen werden nur bis zu 35 cm lang und sind kaum gebogen.

Im Sommer haben die Weibchen ein hell- bis rotbräunliches Fell, die Böcke ein dunkelbraunes mit gelblichweißen Flecken an Gesäß und Rücken. Das Winterfell beider Geschlechter ist gräulich.

An das Hochgebirgsleben ist der Steinbock bestens angepasst. Seine große Körpermasse macht ihn kälteresistent, seine spreizbaren Hufen verleihen ihm Halt auf den kleinsten Unebenheiten im Gelände.

Fortpflanzung

Paarungszeit der Alpensteinböcke ist von Dezember bis Januar. Die Böcke, die zuvor meist friedlich miteinander waren, fechten nun erbitterte Rangkämpfe aus. Die Männchen stellen sich auf ihre Hinterbeine und lassen sich mit voller Wucht nach vorne fallen. Dabei prallen die Hörner aufeinander. Sie versuchen eine ganze Geißherde für sich zu gewinnen. Ist einem Bock dies gelungen, bleibt er während es ganzen Winters bei der Herde und verlässt sie erst im Frühjahr.

Nach einer Tragzeit von 165 – 170 Tagen gebären die Geißen meist im Juni ein, seltener zwei Jungtiere. Bereits nach wenigen Stunden müssen die Kleinen ihrer Mutter folgen. Bis zum Herbst werden sie von ihr gesäugt.

Nahrung

Alpensteinböcke suchen während des Tages nach Kräutern, Gräsern, Knospen, Trieben, Flechten und Moosen. Während es Winters begnügen sie sich mit zähem Gras. Allerdings haben sie wegen ihrer Größe und der geringen Huffläche im hohen Schnee oft Probleme. Aus diesem Grund suchen sie dann am liebsten Sonnen beschienene Südhänge auf. Auf der Suche nach geeigneten Wintergebieten wandern sie bis zu 50 km entlang von Graten. In den für die alpinen Steinböcke charakteristischen steilen Wintereinständen sind Gräser und Kräuter auch zu dieser Jahreszeit zugänglich.

Natürliche Feinde

Zu den natürlichen Feinden des Alpensteinbocks zählen Bären, Luchse und Wölfe, für Kitze sind auch Fuchs und  Steinadler eine Gefahr.
Naturgefahren wie Lawinen und Steinschläge können ebenso eine Gefährdung für die Tiere darstellen.

Verhalten

Außerhalb der Paarungszeit leben Alpensteinböcke in Verbänden. Die Geißen bilden Herden von 10 bis 20 Tieren gemeinsam mit den Jungtieren. Daneben wandern instabile Junggesellenherden noch nicht ausgewachsener Böcke durch das Gebirge. Die alten Böcke leben einzeln.  Zum Fressen steigen die Tiere gerne hinab zu den alpinen Wiesen, während sie die Nacht eher in höheren Lagen verbringen. Maximal kann man den Ziegen in Höhen bis zu  3.500 m begegnen. Im Winter bleiben sie allerdings in tieferen Lagen.

Alpensteinböcke haben 2 tägliche Äsungsphasen, je eine am Morgen und am Nachmittag. Dazwischen liegt eine mittägliche Ruhezeit. Im Winter ruhen die Tiere tagsüber kaum. Erst in der Abenddämmerung werden wieder geeignete Liegeplätze aufgesucht, oft in geschützten Felsnischen oder unter leichten Überhängen. In der warmen Jahreszeit fressen die Tiere vorwiegend zwischen etwa 5 und 9 Uhr und 17 und 21 Uhr.