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Feldhase


Feldhase © Richard Dorn, piclease
Foto: Feldhase © Richard Dorn, piclease

Feldhase (Lepus europaeus)
Andere bekannte Namen: Mümmelmann, Krummer, Meister Lampe
Rote Liste Deutschland 2009: 3 (gefährdete Art)
Der Feldhase war Säugetier des Jahres 2001. (Mit seiner Wahl wollte man auf die Veränderungen seines Lebensraums in der Kulturlandschaft aufmerksam machen.)

Lange Zeit wurden Hasen fälschlicherweise den Nagetieren zugeordnet, sie bilden jedoch aufgrund verschiedener Merkmale eine eigene Ordnung, die „Hasenartigen“. Zu den Hasenartigen gehören weltweit 9 Gattungen mit 53 Arten. In Deutschland sind die Hasenartigen nur mit einer Familie, den Hasen (Leporidae) mit 2 Gattungen und 3 Arten (Feldhase, Schneehase und Wildkaninchen) vertreten.  

Der Feldhase ist heute zwischen dem Atlantik und den Steppen Asiens verbreitet. Im Norden erreicht er das mittlere Skandinavien, im Süden das Mittelmeergebiet, das Schwarze Meer und den Kaukasus. In Südschweden und Südwestfinnland breitet sich der Feldhase nordwärts und in Russland ostwärts aus, so dass sich die östliche Verbreitungsgrenze sowohl durch Einbürgerungen als auch durch natürliche Ausbreitung verschiebt. Auch in Nordafrika kommt der Feldhase vor. In Irland sowie auf den meisten Nord- und Ostseeinseln wurde der Feldhase erfolgreich eingebürgert, ebenso wie in Sibirien, Nord- und Südamerika, Australien, Neuseeland, in der Karibik, auf Hawaii und auf vielen anderen Inseln.

Der Schneehase lebt in Schottland, Irland, Skandinavien und in den Alpen. Schneehasen und Feldhasen können sich miteinander vermehren. Das Wildkaninchen war ursprünglich auf Afrika und Spanien beschränkt. Es wurde in Europa durch die Römer verbreitet. Auf der Iberischen Halbinsel und auf einigen Mittelmeerinseln kommt anstelle des Feldhasen der Kaphase vor.

Lebensraum

Der Feldhase ist ein Kulturfolger, der sich als ursprünglicher Buschsteppenbewohner an die  landwirtschaftlich genutzten Flächen angepasst hat. Er bewohnt vor allem ebenes, fruchtbares Land, das durch  Hecken, Ödland und kleinere  Waldflächen aufgelockert ist.

Die dichtesten Hasenpopulationen gibt es vor allem in klimatisch warmen Niederungslagen (mittlere Jahrestemperatur über 8 °C) mit einer maximalen Jahresniederschlagsmenge von 500 mm/m2. Dies sind meist auch die für die Landwirtschaft am besten geeignetsten und fruchtbarsten Ackerböden mit Löss oder anderen Ackerlehmen. Von Natur aus geringere Dichten gibt es in den Mittelgebirgen oberhalb 500 m, in großen Waldungen oder in stark atlantisch geprägten Bereichen. In Wald-Feldbiotopen meidet der Hase den Wald nach längerem Regen, bei Laubfall, an Nebeltagen oder bei winterlichen Wärmeeinbrüchen, das Feld bei hoher Schneelage und scharfem Ostwind. In den Alpen steigen einzelne Feldhasen bis 1.500 m Höhe, in den Sommermonaten sogar bis 2.800 m Höhe hinauf und erreichen damit das Verbreitungsgebiet des Schneehasen. Im Winter wandert der Feldhase allerdings wieder aus den höheren Lagen der Alpen in die Täler ab.

Gefährdung von Feldhasen

Der Feldhase macht sich zunehmend „vom Acker“ und steht in Deutschland seit 1994 auf der Liste der gefährdeten Tierarten.

Klima

Die Witterung während der Setzzeit (Zeit, in der die Jungen zur Welt kommen) und Aufzuchtszeit hat wesentlichen Einfluss auf die Zahl der überlebenden Junghasen eines Jahres), die in nassen Jahren deutlich niedriger liegt als in trockenen Jahren. Unabhängig davon ist die Anzahl geborener Junge pro Häsin seit Jahren unverändert hoch.

Schneereiche bzw. nasskalte Winter verursachen hohe Bestandsverluste. Weit verbreitete Krankheiten wie z.B. die Kokzidiose können vor allem unter den Junghasen in feuchten Sommern große Verluste bewirken. Eine weitere Krankheit, die höhere Verluste hervorruft, ist die Pseudotuberkulose. Gegen das EBHS-Virus („Europaean brown hare syndrome“) haben sich mittlerweile Resistenzen gebildet. In gesunden Hasenpopulationen spielen Parasiten langfristig keine Rolle bei der Bestandsentwicklung.

Jagd

Von den im Herbst gezählten Hasen leben im nächsten Frühjahr noch etwa 40 – 50 %. Da der Herbstbestand als Entscheidungsgrundlage für die winterliche Jagd dient, wird der Bestand häufig zu hoch eingeschätzt und der Einfluss der winterlichen Bejagung von den Jägern nicht ausreichend berücksichtigt. In der Regel werden bei der Jagd deutlich mehr Häsinnen geschossen, was sich in der nächsten Vermehrungsphase im Frühjahr erheblich auswirkt. Auch im Straßenverkehr kommen mehr Häsinnen als Hasen zu Tode.

Landwirtschaft, Abgase

Ein großes Problem für Feldhasen ist die Veränderung ihrer Nahrungsgrundlage. Eine ideale Vegetation finden sie auf artenreichen, nährstoffarmen Grünlandflächen, die aber zunehmend mit Nährstoffen angereichert werden. Ursache ist neben der Intensivierung der Landwirtschaft der Eintrag von Nährstoffen aus der Luft, vor allem von Stickstoff, der durch die Stickoxide aus den Auspuffgasen in die Atmosphäre und durch den Regen wieder auf die Flächen gelangt. Dadurch verringert sich die Artenvielfalt der Kräuter und stickstoffliebende Pflanzen wie Brennesseln, Disteln, Kletten und andere nehmen ihren Platz ein.

Das stickstoffreiche Futter senkt die Fruchtbarkeit des Feldhasen. Als schlechte Verwerter von eiweißreichem Grün verhungern sie mit vollem Magen. Der Ende der 1990er Jahre angebaute „00-Raps“, der durch Züchtung praktisch keine Bitterstoffe mehr enthielt, war ein Leckerbissen für die Feldhasen, führte jedoch zu Eiweißvergiftung. Mittlerweile werden weiterentwickelte, für den Hasen nicht mehr ganz so gefährliche Züchtungen angebaut.

Zerstörung des Lebensraumes

Die klimatisch für das Steppentier Feldhase am besten geeigneten Hasenreviere (Rhein-Main, Niederrhein, Börde) sind gleichzeitig ausgesprochen wertvolle  landwirtschaftliche Flächen. In diesen Gebieten wurden schon in den 1960er Jahren die Feldgrößen erhöht, Feldraine mit ihren Kräutersäumen verschwanden, Feldgehölze und  Hecken wurden gerodet und Unebenheiten in der Fläche begradigt. Die Wege wurden ausgebaut, meistens mit Teer, so dass selbst schmale Saum- und Vernetzungsstrukturen als letzte „Kräuterreserve“ verschwanden. Auch heute werden in der Feldflur immer noch Wege geteert und befestigt und es wird bis an die Teerdecke geackert, so dass auch die deckungs- und nahrungsspendenden Säume entlang der Wege wegfallen.

Die Landwirtschaft wird heutzutage fast ausschließlich industriell durchgeführt. Beispielsweise gehen bei der Fruchtfolge Wintergerste – Raps – Wintergerste in 3 Jahren insgesamt 35 mechanische Bearbeitungsschritte über eine Fläche. Die Bearbeitung erfolgt mit immer größerer Geschwindigkeit, in kürzeren Abständen und mit größerer Intensität. Für Feldhasen ist dabei kaum noch ein Ausweichen möglich, da bei entsprechend günstigem Wetter alle Flächen nahezu gleichzeitig bearbeitet werden.

Die Einsaaten sind sehr schnellwüchsig, artenarm, dicht, schattig und bodenfeucht. Sie entsprechen nicht mehr den Bedingungen einer natürlichen Steppe. Die immer frühere Mahd der Wiesen zur Silagegewinnung fällt genau in die Zeit, in der die Häsin ihre ersten Jungen bekommt, die dann in der Regel komplett totgemäht werden. Durch die Wiesendüngung mit der Folge des raschen Nachwachsens erfolgen die weiteren Nutzungen in dichter Folge hintereinander, so dass keine Junghasen mehr aufgezogen werden können. Die hohen Hasenverluste bei der Mahd erklären sich dadurch, dass die Junghasen nicht wie beim Reh bei Gefahr von der Hasenmutter weggeführt werden. Das Aufstellen von Wildscheuchen am Abend vor dem Mähtag bringt also bei Hasen nichts.

Da meist nur eine Ackerfrucht großflächig angebaut wird, sind die Junghasen in ihrem Versteck gezwungen, sich im Extremfall ausschließlich von dieser Pflanze zu ernähren. Dadurch fehlen dem Hasen wichtige Stoffe, die nur in einer vielseitigen Kräuternahrung enthalten sind und die Gesundheit des Hasen stabilisieren („Kräuterapotheke“). Zwar sind Hasen durch die Caecotrophie (Aufnahme des eigenen sog. Blinddarmkots) in der Lage, bei ganzjährig verfügbarer, nährstoffreicher und gut verdaulicher Nahrung auch bei geringerer Angebotsvielfalt an Futterpflanzen zu überleben, sie werden aber deutlich anfälliger gegenüber Krankheiten.

Nach großflächiger Silagemahd oder Getreideernte sind die überlebenden Junghasen orientierungslos und werden zur leichten Beute für ihre Feinde. Durch die heutigen Anbaumethoden fallen Stoppelbrachen und selbst der Zwischenfruchtanbau (z.B. aus Raps) zunehmend weg.

Vorübergehend stillgelegte  Acker- und Wiesenbrachen mit besonderer Attraktivität für Feldhasen, werden bei plötzlicher erneuter intensiver Nutzung nach Ablauf der Verträge zur ökologischen Falle. Spritzmittel gegen Pilze oder Ackerwildkräuter wirken schon in geringen Mengen wie Hormone und beeinflussen direkt das Fortpflanzungsgeschehen. Die Ausbildung fruchtbarer Spermien der Rammler ist bereits um 30 % reduziert, bei den Häsinnen lassen sich Veränderungen im Eierstock feststellen, die ein normales Austragen von Embryonen gefährden. Fehlgeburten, das Absterben von Embryonen und kaum überlebensfähige Frühgeburten sind die Folge. Landwirtschaftliche Betriebe, die die Umwelt durch den Verzicht auf Spritzmittel schonen wollen, müssen dafür ihre Flächen verstärkt mechanisch bearbeiten, was die Situation für den Hasen nicht verbessert.

Die Zahl der Straßen und deren Ausbaugrad nimmt in Deutschland weiterhin zu und führt zur weiteren Zerschneidung der Lebensräume. Ausgelagerte Gewerbe- und Siedlungsgebiete zersiedeln überall die Landschaft, verbrauchen Boden und lassen den Hasen nur noch Biotopinseln in der Kulturlandschaft übrig.

Der Wald ist für den Hasen als Rückzugsraum keine echte Alternative. Obwohl Feldhasen regelmäßig im Wald vorkommen, erreichen sie hier nur geringe Bestandsdichten. In größeren Waldgebieten halten sich stabile Population auf niedrigem Niveau. Während im Wald 6 Hasen auf 100 ha schon eine hohe Dichte bedeuten, sind es in einem guten Feldlebensraum 100 Hasen bei gleicher Flächengröße.

Schutz von Feldhasen

Wegen seiner Bekanntheit und Biologie ist der Feldhase als Symboltier und Indikator für Naturschutzprobleme in der Agrarlandschaft besonders geeignet. Der Feldhase unterliegt dem Jagdrecht, womit seine Hege gesetzliche Aufgabe der Jäger ist. Die in vielen Regionen zurückgegangenen Feldhasenpopulationen erfordern von der Jägerschaft ein auf die aktuellen Verhältnisse abgestimmes und verantwortungsvolles jagdliches Management. Dies schließt den Verzicht auf Bejagung in herkömmlicher Weise oder befristete Schonzeiten ein.

Ganzjährig attraktive Lebensräume, die reich strukturiert sind, eine große Vielfalt an natürlichen Nahrungspflanzen haben und auch im Winter ausreichend Deckung geben, sind die beste Voraussetzung zum Überleben einer gesunden Feldhasenpopulation. Hierzu sollten u.a.

  • gras- und krautreiche Grenzlinien an Wegen, Böschungen, Waldrändern oder Gewässern erhalten oder neu angelegt werden,
  • verstärkt Grünlandflächen in Ackerbaugebieten eingestreut werden,
  • die Fruchtartenvielfalt und der Zwischenfruchtanbau gefördert werden und
  • in Bodenordnungsverfahren eher schmale, grenzlinienreiche Bewirtschaftungseinheiten ausgewiesen werden.

Biologie des Feldhasen

Systematik

Klasse: Mammalia (Säugetiere)
Ordnung: Lagomorpha (Hasenartige)
Familie: Leporidae (Echte Hasen)

Aussehen

Hasen haben einen muskulösen Körper, der vor allem in der Bewegung langgestreckt wirkt. Das Gewicht eines ausgewachsenen Hasen kann zwischen 3 und 5,5 kg betragen. Die Vorderbeine sind lang und schlank, die Hinterbeine besonders lang und muskulös. Ihre Muskeln haben lange Fasern, ihr Fleisch ist dunkelrot und intensiv durchblutet. Das Blut ist besonders reich an Mitochondrien, d.h. den „Kraftwerken“ der Zellen, die die Energie bereitstellen. Der Brustkorb ist hoch und schmal. In ihm finden ein großes, leistungsfähiges Herz und voluminöse Lungen Platz und befähigen den Feldhasen dazu, schnell und ausdauernd zu flüchten.

Am Vorderfuß sitzen 5 Zehen mit Krallen. Am Pfotenabdruck, z.B. im Schnee, sind aber in der Regel nur 4 Krallen zu erkennen. Typisch und unverwechselbar ist ihre Spur, in der die länglichen Abdrücke der Hinterfüße nebeneinander vor den rundlichen, mehr oder weniger hintereinander gesetzten Abdrücken der Vorderfüße abgedrückt werden. Bei der als „Hoppeln“ bezeichneten Fortbewegungsweise in Form eines leichten Galopps überholen also die Hinterbeine die Vorderbeine („Übereilen“), was auch durch die sehr elastische Wirbelsäule ermöglicht wird. Im Vergleich zum Kaninchen ist die Schrittlänge und die Abdruckgröße deutlich größer.

Mit den Hinterbeinen kann der Hase hohe und kraftvolle Sprünge vollführen. Sie sind die „Antriebsorgane“ des schnellen ausdauernden Läufers und weisen an ihren Füßen jeweils 4 Zehen auf. Im Sitzen werden die langen Hinterbeine abgewinkelt, während die wesentlich kürzeren Vorderbeine ausgestreckt bleiben. Dem Hasen fehlt, wie vielen anderen typischen Lauftieren, das Schlüsselbein. Es wäre beim schnellen Flüchten hinderlich und wurde so im Laufe der Evolution reduziert.

Der Körper der Hasen ist mit feinen, kurzen, wolligen Unterhaaren dicht besetzt, über denen steife, längere Grannenhaare wachsen. Die Fellfärbung ist oben braun-beige und ähnelt trockenem Gras; unterseits ist das Fell weiß. In trockenen Gebieten sind Feldhasen meist heller, in feuchten Gegenden und in Wäldern dagegen oft dunkler gefärbt. Dabei handelt es sich aber nur um individuelle Farbanpassungen und nicht etwa um eine Rassenbildung generell dunklerer „Waldhasen“. Die Grannenhaare sind vielfarbig: an ihrer Spitze schwarz, anschließend hellbeige, schließlich dunkelbraun bis schwarz und an ihrer Basis wie die Unterwolle weiß. Beiderseits der Oberlippe sind lange, kräftige, weiße Tasthaare ausgebildet („Hasenbart“).

Die Ohren des Feldhasen heißen in der Jägersprache Löffel, weil der Hase damit Verdacht „schöpft“. Sie sind sehr lang und erreichen vor allem bei Jungtieren – nach vorne geklappt – die Nase. Die langen Ohren sind ein Hinweis auf die ursprüngliche Herkunft des Hasen aus sommerwarmen Steppen. Im Hasenohr, das außen relativ dünn und innen fast unbehaart ist, fließen große Blutadern. Über diese Adern kann die Wärme leicht abgegeben werden, daher dienen die Ohren der Regulation der Körpertemperatur.

Anhand der Ohren kann man den Schneehasen vom Feldhasen unterscheiden, da dessen Ohren nur kopflang sind und nicht die Nase erreichen. Auch die Ohren der Kaninchen sind im Vergleich zu Hasenohren wesentlich kürzer. Bei Kaninchen fehlen auch die schwarzen, auffallenden Hasenohrspitzen. Häufig sind die Ohrspitzen zerschlitzt (bei 10 – 20 % aller Tiere), infolge von Prügeleien unter Artgenossen, Verletzungen an Zäunen oder Dornen oder durch die Abwehr von Feinden. Die Ohren werden unabhängig voneinander bewegt und sind sehr variabel verstellbar.

Der Hasenschwanz („Blume“) ist sehr kurz, oberseits schwarz und unterseits weiß. Er erfüllt im Rahmen des Verhaltens eine wichtige Funktion.

Die Augen sind sehr groß und liegen seitlich hoch am Kopf. Der Hase ist in der Lage, die Umgebung ohne Kopfwenden zu überblicken, was ihm als Fluchttier sehr zugute kommt. Der Sehwinkel jedes Auges beträgt mehr als 180°, wobei sich die Sehfelder beider Augen aber kaum überlappen. Dadurch fehlt dem Hasen das plastische Sehen. Er kann die Nahrung vor dem Maul nicht fixieren und sieht auch ruhende Objekte nicht. Dagegen nimmt er Bewegungen schon frühzeitig wahr.

Das Gebiss der Hasen weist besondere Merkmale auf. Im Oberkiefer befinden sich zwei weiße Schneidezähne, hinter denen Stiftzähne sitzen. Das Vorhandensein dieser Stiftzähne unterscheidet die Hasenartigen von den Nagern und hat ihnen den Namen „Doppelzähner“ (Duplicidentata) eingebracht. Bei den Hasen sind die Schneidezähne ringsum mit Schmelz überzogen, bei Nagetieren nur auf der Vorderseite. Schneide- und Stiftzähne müssen ständig abgenutzt werden, um nicht auszuwachsen und damit ihre Funktion zu verlieren. Alle Zähne des Hasengebisses sind wurzellos und wachsen zeitlebens weiter.

Zwischen den Nasenausgängen und der Oberlippe verläuft eine Sinnesgrube, die von einer behaarten Hautfalte bedeckt ist (Hasenlippe, Hasenscharte).

Die durchschnittliche Lebenserwartung der Feldhasen schwankt zwischen 2 und 4 Jahren. Nur wenige Tiere erreichen ein Alter von bis zu 8, selten über 10 Jahren. Trotz der hohen Jugendsterblichkeit bestehen Hasenpopulationen bis zu 70 % aus Junghasen.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich von Januar bis Juli, die im März (abhängig von der Witterung) ihren ersten Höhepunkt erreicht. Während dieser versammeln sich mehrere Häsinnen und Rammler im Rahmen einer „Gruppenbalz“ auf traditionellen Plätzen, die meist sehr übersichtlich und damit relativ feindsicher sind. Solche Plätze können auch Hasen aus der weiteren Umgebung anlocken. Dadurch wird die Inzucht zwischen nah verwandten Tieren aus einer Gruppe oder aus einem eng umgrenzten Gebiet vermieden. Auf dem Balzplatz halten Hasen bestimmte Territorien ein.

Die Hasenbalz ist mit z.T. sehr heftigen Auseinandersetzungen zwischen den um die Gunst der Häsinnen rivalisierenden Rammler verbunden. Dabei imponieren und drohen sich die Gegner, bis sie mit den Vorderpfoten aufeinander einschlagen. Dabei können sie ihren Rivalen durch die Krallen an den Zehen vor allem am Kopf und an den Ohren empfindlich verletzen. Eingerissene Ohren sind eine häufige Folge dieser Duelle.

Das Werbezeremoniell dem Weibchen gegenüber weist zunächst ebenfalls überwiegend aggressive Elemente wie Drohen durch das Zurücklegen der Ohren, Aufrichten des Körpers oder Schlagen mit den Vorderbeinen auf. Allmählich, vor allem in der Haupthitze der Häsin, sinkt ihre Aggressivität dem Rammler gegenüber. Der Paarung geht ein Paarungslauf voraus, wobei sich das Paar aus der Balzgruppe absondert. Beim Treiben und nachträglichen Raufen ist die Häsin aktiver. Bestimmte Bewegungen der Ohren und des Schwanzes dienen dabei der Stimmungsfühlung und Verständigung beider Tiere.

Bei der handgreiflichen Rauferei werden wechselseitig die Individualduftstoffe auf das Fell des Partners übertragen. So gleichen sich ihre beiden Gerüche immer mehr an, was bei dem „Distanztier“ Hase Aggressionen mindert und die für die Begattung erforderliche Nähe des Partners ermöglicht. Hat sich die Häsin an die Nähe des Rammlers gewöhnt, fordert sie ihn durch das Darbieten des Hinterkörpers zur Begattung auf. Nach der erfolgreichen, nur wenige Sekunden dauernden Paarung wirft sie den Rammler durch das Hochschleudern des Hinterkörpers ab. Auf diese Weise kann sich die Paarung in kurzer Zeit mehrmals hintereinander wiederholen.

Das lang andauernde Balzverhalten mit vielerlei Berührungen zwischen den Partnern soll das möglichst gleichzeitige Wachstum der Eizellen in der Häsin vor der Paarung bewirken. Bei gleichzeitiger Eireife kommen die Jungen gleichzeitig auf die Welt, was eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit für das einzelne Tier bedeutet.

Nach einer Tragzeit von ca. 6 Wochen (42 – 43 Tage) gebärt die Häsin meist 2 – 3, selten bis zu 6 Junghasen. Das Geschlechterverhältnis bei der Geburt ist nahezu ausgeglichen. Insgesamt kann es in klimatisch günstigen Jahren zu 3 – 4 Geburten pro Häsin im Jahresverlauf kommen, aber normalerweise gebären nicht alle Häsinnen mehrmals im Jahr. Sie setzen immer wieder aus und erholen sich vom kräftezehrenden Austragen und Aufziehen der Jungen. Kommt es bei einer Häsin zu mehreren Geburten pro Jahr, dann sind die ersten beiden die mit der größten Nachwuchsrate. Oftmals ist es der gleiche Rammler, der die im Frühjahr von ihm begattete Häsin ein weiteres Mal schwängert und damit Vater mehrerer Geburten wird. Die im Frühjahr geborenen Junghasen erreichen die Geschlechtsreife noch im ersten Kalenderjahr.

Statistisch entfallen auf jede Häsin pro Jahr etwa 10 Junghasen. Tatsächlich überleben davon nur selten mehr als 2 oder 3 Junghasen aufgrund der hohen
Jungensterblichkeit infolge vieler Krankheiten und Gefahren.

Die Häsin bemerkt den nahenden Geburtstermin erst unmittelbar vor der Geburt durch die Wehen. Dadurch werden die jungen Hasen an allen möglichen Orten zur Welt gebracht. Die Häsin legt kein Geburtsnest an. Als Schutz dient lediglich die am Ort vorhandene Vegetation. In einer relativ homogen Steppenlandschaft wird nicht nach besonderen Geburtsplätzen Ausschau gehalten. Damit wird auch verhindert, dass den vielen Feinden ein Suchschema gegeben wird, nach dem sie gezielt ein Hasennest aufstöbern können.

Nach der Geburt verlässt die Häsin den Geburtsort, um die Nachgeburt auszustoßen. Junghasen sind eigentlich Nestflüchter, da sie behaart und sinnestüchtig auf die Welt kommen. Obwohl sie sich bereits eine Stunde nach der Geburt fortbewegen können, machen sie in der Regel keinen Gebrauch davon. Dadurch sparen sie Energie und bleiben durch ihre Regungslosigkeit und die optimale Tarnfärbung von Feinden unentdeckt.

Die ersten Tage bleiben die Jungen zusammen. Die Häsin ist nicht ständig bei den Jungen, was in einer Steppenlandschaft viel zu auffällig wäre und den Nachwuchs verraten würde. Wenige Tage nach der Geburt vereinzeln sich die Junghasengeschwister in der Umgebung. Dadurch sind sie schlechter zu finden und täuschen zudem eine niedrigere Geburtenrate vor. Junghasen haben keinen starken Eigengeruch; sie haben auch kaum Berührung mit Artgenossen und bilden erst nach 2 Wochen ihre eigenen Drüsen vollständig aus.

Nur zum Säugen kommen die Jungen zum Treffpunkt in der späten Abenddämmerung zusammen. Die Jungen werden auf diese Weise nur einmal am Tag mit sehr fettreicher Milch wenige Minuten lang gesäugt. Dabei regen sie den Milchfluss an, indem sie mit ihren Vorderpfoten das Gesäuge der Mutter massieren. Die Hasenmilch ist mit 23 % Fettgehalt im Vergleich zu anderen Säugetieren ausgesprochen fettreich. Bis zum 33. Tag treffen sich Häsin und Junge zum allabendlichen Säugen. So steigt ihr Gewicht von 75 – 130 g bei der Geburt innerhalb des ersten Monats auf 1 kg an. Ab dem 17. Tag nehmen sie in der Umgebung ihres Verstecks Grünnahrung auf. Ab dem 35. Tag sind die Junghasen auf sich allein gestellt, da die Häsin meist schon wieder mit einem neuen Wurf beschäftigt ist. Mit dem 2. und 3. Lebensmonat nehmen sie im Durchschnitt jeweils ein weiteres Kilogramm zu.

Bei Häsinnen ist es möglich, dass sie noch während der Tragezeit erneut trächtig werden. Dies ist ab dem 36. Trächtigkeitstag möglich. Voraussetzung ist, dass sich die bereits entwickelnden Embryos nur in einem der beiden Gebärmutterhörner eingenistet haben. In dem zweiten Gebärmutterhorn können dann weitere Eizellen befruchtet werden, wobei die Häsinnen dafür nicht unbedingt neuen Samen brauchen, denn im hinteren Teil der Gebärmutter können Spermien vom Akt davor wochenlang überleben.

So kommt es, dass sich in der Gebärmutter der Häsin Embryonen unterschiedlichen Alters und verschiedenen Entwicklungszustands befinden können, was man als Superfetation bezeichnet. Die daraus resultierenden Würfe können deshalb in kürzerem Abstand aufeinander folgen als nach der Tragzeit zu erwarten wäre. Dadurch kann sich die Vermehrungsrate, die mit 3 – 4 Würfen pro Jahr ohnehin recht hoch ist, noch erhöhen bzw. die Würfe können in kurzer Folge stattfinden. Die Superfetation ist aber eher zufällig und kann nicht von der Häsin gesteuert werden.

Eine hohe Vermehrungsrate ist notwendig, um die hohe Verlustrate durch Feinde oder nasskalte Witterung auszugleichen. Der Hase wird als sogenannter „r-Stratege“ bezeichnet, wobei das „r“ für Reproduktion (Vermehrung) steht. Diese investieren nicht sehr viel Zeit und Energie in ihren Nachwuchs. Sie produzieren aber sehr viele Nachkommen, so dass die überlebenden Jungtiere ausreichen, um den Bestand zu sichern.

Hasen sind die ersten Jungtiere, die im Frühjahr zur Welt kommen („Märzhasen“). Deswegen und wegen der sprichwörtlich großen Fruchtbarkeit sind Hasen und Kaninchen von alters her Symbole der Fruchtbarkeit.

Im Gegensatz zum Kaninchen ist eine Zucht des Feldhasen in Gefangenschaft kaum bzw. nur mit erheblichem Aufwand möglich. Kreuzungen zwischen Hase und Kaninchen sind aufgrund der unterschiedlichen Chromosomenzahl beider Arten nicht möglich. Alle Stallhasenformen werden aus Wildkaninchen gezüchtet und sind keine Hasen.

Nahrung

Feldhasen sind reine Vegetarier. Sie nutzen eine breite Palette von Nahrungspflanzen, wobei Wildkräuter, landwirtschaftliche Nutzpflanzen sowie Knospen, Triebe, Blätter und Rinde von Bäumen gleichermaßen eine Rolle spielen. Sie fressen Gräser, Kräuter, Wurzeln, Früchte, Beeren und Pilze. Gelegentlich nehmen sie mit der Grünnahrung auch Insekten und andere Kleintiere eher zufällig auf.

Als Steppentier ist der Feldhase vor allem an Pflanzen angepasst, die in ihren oberirdischen Teilen eiweißarm sind. Diese Pflanzen können vom Hasen auch viel besser verdaut und verwertet werden als die Grasarten, die auf gedüngten  Wiesen wachsen und sehr eiweiß- bzw. stickstoffreich sind.

In stark  ackerbaulich genutzten Gebieten nutzt der Feldhase aber bevorzugt die angebauten Kulturpflanzen. Dies sind im Frühjahr und Sommer beispielsweise Sommergetreide, Mais, Klee und Gräser. Im Herbst werden gerne Zwischenfrüchte (Raps), Kohl und Rüben gefressen. Wintergetreidesaat und Raps spielt im Winter eine wichtige Rolle. Auch Schnittgut von Obstbäumen wird von Hasen in der Feldflur während der kalten Jahreszeit dankbar angenommen.

Hasen tragen im  Wald erheblich zum Gehölzverbiss bei. Ihre Fraßspuren erkennt man vor allem an Knospen und Trieben, wobei sie mit ihren Schneidezähnen einen geraden Schnitt hinterlassen. Rehe dagegen rupfen an den Triebspitzen und hinterlassen dabei einen ausgefransten Abbiss. Junge Ebereschen, Obstbäume, aber auch Buchen und andere Nutzbaumarten werden vom Hasen am Stammfuß geschält. Je nach Schneehöhe kann die Rindenschälung in unterschiedlicher Höhe erfolgen. Die Rinde wird mit den Zähnen angebissen und danach streifenweise abgezogen. Die Spuren, die die Nagezähne hinterlassen, verlaufen quer zum Stamm, während sie bei Rothirschen in der Regel senkrecht zum Stamm verlaufen. Die Breite der Zahnspuren beträgt etwa 6 mm, bei Rothirschen ist sie mindestens doppelt so breit. Rehe schälen keine Bäume.

Ähnlich wie  Rehe und  Hirsche nutzen Hasen außerhalb ihrer Hauptaktivitätsphasen Nahrungspflanzen, die in der unmittelbaren Nähe zu ihrem Ruhelager vorkommen, als kleinen Zwischenimbiss.

Wie bei Nagetieren gibt es bei den Hasenartigen aufgrund des großen Blinddarms eine besondere Zusatzkost. Aus dem Blinddarm wird in regelmäßigen Abständen ein weicher, vitaminreicher Nahrungsbrei abgegeben, der vom Hasen direkt wieder gefressen und verwertet wird („Coecotrophie“). Der Blinddarm des Hasen fasst zehnmal mehr Inhalt als sein aus nur 1 Kammer bestehender Magen. Im Blinddarm faltet sich die Schleimhaut spiralartig und bildet dadurch 25 Kammern aus. Hier bereiten Bakterien und andere Kleinstlebewesen durch Stoffwechselprozesse das bereits durch den Magen gegangene Futter zu einem Brei auf, der vitaminreicher ist als die ursprünglich aufgenommene Nahrung. Er enthält dann auch wertvolle Eiweiße und deren Bestandteile (Aminosäuren), die nur die Einzeller herstellen können. Würde man dem Hasen diesen aufgewerteten Brei aus dem Blinddarm vorenthalten, würde er bald sterben.

Der nach zweifacher Verdauung übrigbleibende Hasenkot ist fest, kugelig rund, hellbraun und von grober Struktur. Insgesamt etwa 400 Kotpillen von 15 mm Größe gibt der Hase am Tag ab, mit denen er ganz bewusst sein Revier markiert, z.B. auf Wiesen oder an bestimmten Markierungspunkten. Dies sind Bereiche auf rohem Boden, z.B. kahle Erdstellen in Wiesen, an Wegrändern oder sogar auf Maulwurfshügeln.

Erwachsene Feldhasen benötigen an einem warmen Sommertag etwa 0,5 l Wasser. Bei säugenden Häsinnen ist der Wasserbedarf mindestens doppelt so hoch. Hasen decken mit der Grünnahrung ihren Wasserbedarf. Im Spätsommer und Herbst enthalten aber vor allem Kulturpflanzen wenig Flüssigkeit, so dass Hasen vermehrt Wasser trinken müssen. Dies gilt auch für sehr trockene Jahre.

Natürliche Feinde

Vor allem die jungen Feldhasen haben viele Feinde. Dazu gehören Fuchs, Marder, Hermelin, Wildschwein, Habicht, Bussard, Milan,  Kolkrabe,  Rabenkrähe sowie wildernde Katzen und Hunde. Ein gesunder Althase wird dagegen nur selten erbeutet. In einer für den Feldhasen optimalen nahrungs- und deckungsreichen Landschaft, in der er stabile Populationen aufbauen kann, spielen natürliche Verluste durch Feinde kaum eine bestandsgefährdende Rolle.

Feldhasen haben sich gut an ihre Feinde angepasst. Wenn beispielsweise Fuchs und Hase aufeinandertreffen, zeigt der aufmerksame Hase dem Fuchs seinen weißen Bauch. Er signalisiert damit dem Fuchs, dass er kerngesund ist, seinen Feind gesehen hat und ihn im Auge behalten wird. Aus dieser „Paratstellung“ heraus ist dem Hase jederzeit eine schnelle Flucht möglich. Muss er fliehen, macht er erst einmal den Signalsprung, mit dem er dem Verfolger die weiße Schwanzunterseite zeigt. Beim Davonlaufen hält der Hase immer wieder inne, um sich über die Situation Klarheit zu verschaffen. Seine Flucht ist also nicht eilig, er hat den Feind lieber im Blick. Der Hase ist in der Flucht anderthalb mal so schnell wie der Fuchs. Der Fuchs schätzt seine Erfolgschancen ein und lässt in den meisten Fällen von vornherein von einer kräftezehrenden Verfolgungsjagd ab.

Zwischen 20 und 40 % der jährlichen Junghasen werden gefressen. Doch nur ein sehr geringer Teil davon wird tatsächlich lebend erbeutet. Die meisten Junghasen geraten als Mähopfer, als überfahrene oder an Krankheiten und Kälte eingegangene Kadaver in die Fänge der Feinde.

Verhalten

Feldhasen sind die kleinsten Säugetiere in Mitteleuropa, die das ganze Jahr ohne Höhlenschutz auskommen. Sie graben keinen Erdbau, sondern scharren immer wieder flache Mulden aus, die zwar oberirdisch liegen, aber meist gute Deckung in der Vegetation ermöglichen. Dabei sind die Wurzelanläufe von Bäumen, die in der Sonne liegen und von trockenem Laub umgeben sind, sehr beliebt. Sie bieten Sichtschutz und das trockene Laub verrät durch Rascheln, wenn sich Feinde nähern. Ackerfurchen, grasige Bereiche unter Hecken oder unter Sträuchern am Waldrand werden ebenfalls gerne genutzt. Meistens schaut nur der Kopf mit dem Auge über den Muldenrand, der übrige Körper verschwindet exakt in der Mulde.

Feldhasen kommen in fast allen Lebensräumen vor. Männliche Tiere („Rammler“) benötigen etwa 10 – 35 ha Lebensraum, Häsinnen dagegen nur 4 – 10 ha. Die Reviere von Häsinnen überlappen nicht, während in einem Rammler-Revier mehrere Häsinnenreviere liegen.

Hasen sind prinzipiell Einzelgänger, wobei sich in einem bestimmten Gebiet lebende Hasen kennen und als lose Gruppe nebeneinander leben. Dabei existieren offensichtlich Ranghierarchien zwischen den Rammlern und Häsinnen innerhalb einer Gruppe. Hasen sieht man immer wieder gemeinsam auf Wiesen fressen. Dabei halten sie aber gewisse Abstände zueinander ein. Zur eigenen Orientierung, gegenseitigen Verständigung und zur Information für Gruppenfremde werden Duftmarken mittels Kot, Harn und Duftdrüsensekret abgesetzt. Die bewusste Zurschaustellung der weißen Schwanzunterseite dient ebenso wie das Aufrichten des Körpers als Droh-Imponiergehabe und als optisches Signal.

Relativ selten zeigt der Hase ein Verhalten, das eigentlich eher typisch für Kaninchen ist: Als Warnsignal für Artgenossen klopft er mit einem Hinterlauf auf den Boden.

Um sich seinen Feinden, wie beispielsweise dem Fuchs, nicht durch eine Spur zu verraten und um eventuelle Verfolger zu täuschen, macht der Hase Widergänge und Absprünge, bevor er sein Ruhelager aufsucht.

Erkennt der Hase rechtzeitig eine noch entfernte Gefahrenquelle, richtet er sich auf, um seine Sinne optimal einsetzen und sich eine Vorstellung von der Gefahr machen zu können. Der Feldhase vermag mit seinem erweiterten monokularen Sehfeld Entfernungen nur schwer abzuschätzen. Beim Herannahen der Gefahr versucht der Hase, zunächst im Lager unbemerkt zu bleiben und drückt sich mit zurückgelegten Ohren fest an den Boden. Seine Tarnfärbung löst die Körperkonturen auf und die auffällig gezeichneten Körperteile wie der schwarzweiße Schwanz oder die auffälligen Ohrspitzen sind unsichtbar verborgen. Beim „sich drücken“ drosselt der Hase seinen Herzschlag von 80 Schlägen/min bei normaler Aktivität auf 40 Schläge/min bei sich ankündigender Gefahr. Dies dient zum weiteren Einschmelzen der eigenen Bewegungen. Droht dann die Gefahr unmittelbar, steigert sich der Puls innerhalb weniger Sekunden wieder stark als Voraussetzung für eine schnelle Flucht.

In der Flucht erreicht ein Feldhase bis zu 70 km/h und kann, was einzigartig im Tierreich ist, seinen Verfolger durch plötzliches rechtwinkliges Abbiegen (Hakenschlagen) abhängen. Dies ist dem Hasen durch seine langen Hinterbeine möglich, die beim Absprung wie Hebel wirken.

Eigentliche „Angsthasen“ gibt es keine. Klagt ein Hase, weil er in Gefahr geraten ist, lockt dies nicht nur Füchse an, die auf eine leichte Beute in Form eines kranken Hasen hoffen, sondern auch Artgenossen, die dem Hasen in Not beistehen wollen. Dies gilt insbesondere für Häsinnen, die z.B. ihr angegriffenes Junges verteidigen wollen.

Tagsüber dösen Feldhasen gerne an halbschattigen, warmen Stellen. Bevor sie aktiv werden, recken sie ihren Körper, wobei sie mehrmals die Beine strecken. Die Aktivität der Feldhasen ist auf mehrere Phasen über den Tag verteilt. Besonders aktiv sind die Tiere am frühen Morgen, zur Mittagsstunde, am Spätnachmittag bis in die Dämmerung und um Mitternacht. Dabei überwiegt die Dämmerungsaktivität. In der Paarungszeit, die sich mehrere Male im Jahr wiederholt, sind sie verstärkt tagaktiv.

Die große Sprungkraft der Hinterbeine macht sich der Feldhase bei Angriffen von  Greifvögeln zunutze. Er springt kurz vor dem Zugriff in die Höhe und entgeht dadurch dem Vogel, der den sitzenden Hasen anvisiert hat und nun ins Leere stößt. Dieses Verhalten ist sicherer, als dem anfliegenden Greif durch Weglaufen zu entkommen. Hierbei würde der Hase seinen Feind aus den Augen verlieren und von hinten eventuell doch noch gegriffen werden.

Das Gerücht, Hasen schliefen mit offenen Augen, ist falsch. Feldhasen haben viele Feinde, sowohl tagaktive als auch nachtaktive. Deshalb kann es sich ein Feldhase nicht leisten, am Stück eine längere Zeit tief zu schlafen. Seine nur wenige Minuten andauernden Tiefschlafphasen verteilen sich über den ganzen Tag.

Intensive Körperpflege ist für den Feldhasen besonders wichtig, daher wird der Fellpflege viel Zeit gewidmet. Die Pfoten als das lebensnotwendige „Haupttriebwerk“, vor allem die Ballen und deren Zwischenräume, werden gründlich gereinigt.

Nach starken Regenfällen oder Taunässe am Morgen laufen sich Hasen auf Wegen trocken. Dabei sieht man Feldhasen durchaus auch schneller laufen, um sich bei dem dabei erzeugten Wind zusätzlich zu trocknen. Verregnete Jahre sind für Feldhasen ungünstig, denn ihr Fell ist kaum nässeabweisend. Der Hasenbalg saugt sich voll Wasser, wobei bis zu 1 l Wasser im Fell aufgenommen werden. Dadurch kühlen die Tiere schneller aus und können, vor allem bei bereits vorhandener Erkrankung, schnell dahinsiechen.

Feldhasen nehmen auch Staubbäder, wälzen sich im Schnee oder scheuern sich an Gegenständen. Am Kopf des Hasen, im Bereich der Wangen, befinden sich Drüsenfelder. Mit dem Sekret daraus imprägnieren die Tiere ihr Fell, indem sie das Sekret mit den Vorderpfoten an Kinn, Backe und Nase verreiben. Neben der Imprägnierung erhält so jeder Hase einen Individualgeruch, der ihn für seine Artgenossen erkennbar macht. Aber auch für ihn selbst sind die durch den eigenen Geruch verteilten Markierungen Orientierungshilfe in seinem Revier. Auch beim Sitzen wird jedesmal ein Duftpunkt mit Sekret aus der Analdrüse erzeugt.

Feldhasen nutzen gerne die Gesellschaft anderer wachsamer Tiere zu ihrem eigenen Schutz. An der Nordseeküste halten sich Hasen gerne inmitten von Gänsescharen auf. Was der Hase nicht sieht, sieht die Gans, was die Gans nicht hört, hört der Hase. Beide Tierarten haben also einen Vorteil und schließen sich immer wieder auf den Nahrungsplätzen zusammen.

Bestandserhebung

Feldhasen lassen sich in der Regel gut beobachten und zählen. Man nutzt dazu die sogenannte Scheinwerferbestimmung (Scheinwerfertaxation), bei der man in der späten Dämmerung Gebiete entlang der Wege abfährt und die Flächen mit weitreichenden Handscheinwerfern ausleuchtet. Hasen orientieren sich zum Licht, wenn sie angeleuchtet werden und ducken sich nicht weg. Da sie die einzigen heimischen Tiere sind, von denen im Licht nur ein Auge sichtbar aufleuchtet (da die Augen seitlich am Kopf sitzen), sind Verwechselungen mit anderen Tierarten weitgehend auszuschließen. Diese Methode erlaubt eine annähernd genaue Schätzung des vorhandenen Bestandes, wenn sie wiederholt und zu unterschiedlichen Jahreszeiten in allen beteiligten Revieren durchgeführt wird. Im Rahmen des „WILD“-Projekts (Wildtierkataster der Länder Deutschlands) des Deutschen Jagdschutzverbands werden in allen Bundesländern seit dem Jahr 2002 in ausgewählten Jagdrevieren nach gleicher Methode Bestandszahlen zum Feldhasen erhoben. Diese Daten sollen Entscheidungshilfe bei der Frage sein, ob Feldhasen in bestimmten Gebieten bejagt werden können oder nicht.

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