Bundesamt für Naturschutz

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Gesteinshalden


© Papenfuss – Atelier für Gestaltung
Foto: Gesteinshalde © Papenfuss – Atelier für Gestaltung

Blöcke, Geröll, Steinschutt und Schotter entstehen, wenn  Felsen zerfallen. Verschiedene Kräfte bewirken die Verwitterung von Felsen. Die stärkste Kraft, die zur Verwitterung führt, ist das Wasser, welches in vielerlei Form wirksam ist. Am meisten beeindrucken sicherlich die Gletscher, die das Gestein als langsam fließende Eisströme regelrecht zermalmen, vor sich her schieben und auftürmen. Reißende Flüsse können an der Verwitterung von Felsen und der Verteilung der Gesteinsbrocken beteiligt sein. Auch abseits von Gletschern und Flüssen dringt Wasser in feine Risse und Spalten der Felsen ein und sprengt sie auseinander, wenn es gefriert – hier ist bereits eine Kombination aus Wasser, Temperatur und Klima gefragt. Dem jahreszeitlichen Wechsel zwischen „feucht und gefroren“, sowie „trocken und heiß“ ist auf Dauer kein Fels gewachsen.

Gesteinshalden – Lebensraum für Pflanzen

Blockhalden

Blockhalden entstehen bei einmaligen Bergstürzen oder wenn großblockig zerfallende Gesteine (z.B. Gneise, Prasinit) verwittern. Die abgesprengten Felsblöcke rollen hinunter an den Felsfuß. Da große Blöcke aufgrund ihrer Masse mehr Schwung haben, rollen sie weiter ins Tal hinab als kleine Blöcke. Dadurch wirken Blockhalden häufig „sortiert“. Blockhalden, die wir heutzutage im außeralpinen Raum finden (z.B. Baden-Württemberg), sind in der Eiszeit entstanden und wachsen (zumindest bis zur nächsten Eiszeit) nicht mehr weiter.
Der Pflanzenbewuchs von Blockhalden ist ausgesprochen dürftig. Selbst auf sehr alten Blockhalden wachsen oft nur ganz wenige Pflanzen, weil sich hier kaum Boden entwickeln kann. Blockhalden werden hauptsächlich von Flechten und Moosen besiedelt.

Geröllhalden (Schutthalden, Schotterhalden)

Geröllhalden entstehen ebenfalls aus der Verwitterung von Felsen. Die Steine der Geröllhalden sind jedoch kleiner und von den freistehenden Felsen, die der Verwitterung ausgesetzt sind, kommt im allgemeinen ständig Nachschub. Oberhalb der Baumgrenze hört man ständig irgendwo kleine und größere Steine herabrollen.
Die Steine bilden zunächst eine sehr bewegliche Fläche. Nach und nach sammelt sich Feinerde in den tieferen Schichten der Halde an und es können sich erste Pioniere unter den Pflanzen ansiedeln. Ihre Wurzeln reichen oft sehr tief in die feinerdereichen und feuchten Spaltenräume hinein, während die oberen Pflanzenteile auf dem trockenen Schutt der Sonne ausgesetzt sind. Wenn sich die Halde weiter bewegt oder erneut mit Steinmaterial überschüttet wird, müssen die Pflanzen auch von tiefen Steinlagen aus in der Lage sein, schnell wieder auszutreiben. Am besten wachsen die Pflanzen dort, wo sie noch bis lange in den Sommer hinein von Schneeschmelzwasser aus alten Schneefeldern versorgt werden.
Die Pflanzen der Geröllhalden haben verschiedene Bewuchsstrategien. „Schuttwanderer“ wandern passiv mit dem beweglichen Geröll mit. „Schuttstauer“ wachsen in stabilen Büscheln, die dem sich bewegenden Schutt Widerstand entgegensetzen. „Schuttüberkriecher“ bilden lange Kriechtriebe, die sich bewurzeln und neue Pflanzen bilden. Alle Pflanzen stabilisieren mit der Zeit die Schutthalde. Viele Arten verzweigen sich oberirdisch sehr stark oder bilden tiefe, kräftige Wurzeln, was die Erosion vermindert. Fast alle diese Pionierpflanzen bilden große Samenmengen, um immer wieder neue Böden besiedeln zu können.
Wie bei den Besiedlern der  Felsen muss man auch bei Schuttbesiedlern zwischen Pflanzen, die auf Kalk wachsen und Pflanzen, die auf Silikat wachsen, unterscheiden. Typische Pflanzengesellschaften alpiner Kalkschutthalden sind Täschelkrauthalde,  Berglöwenzahn- und  Pestwurzflur. Spezialisierte Pflanzengruppen wachsen auch auf Kalkschiefer, der schneller verwittert als Kalkschutt und daher mehr Feinmaterial besitzt. Hier finden sich z.B. der Kurzblättrige Enzian und das Farnblättrige Läusekraut. Pflanzengesellschaften alpiner Silikatschutte sind Alpen-Mannsschild-Flur, Säuerlings-Flur und Hungerblümchen-Steinbrechflur. Die Wachstumsbedingungen für Pflanzen sind auf Silikatschutt meist besser als auf Kalkschutt, da sich hier mehr feines Material findet und die Wasserspeicherfähigkeit besser ist. Außerhalb der Hochgebirge gibt es nur wenige, kleinflächige Block- und Schutthalden. Die seltenen Standorte dieser Lebensräume sind daher besonders schützenswert. Sie beherbergen einige ganz besondere Tiere und Pflanzen auf kleinem Raum, die sonst nur in den Alpen oder in der Arktis vorkommen. Typische Pflanzenformationen sind die  Ruprechtsfarnflur (auf feuchten Kalkschutthalden),  Schildampfer-Flur (Pioniere auf trockenem Schutt) oder Hohlzahnfluren.

Gesteinshalden – Lebensraum für Tiere

Bewohner alpiner Schutthalden sind die Schneemaus und die Alpenbraunelle. Von den Tag- und Nachtfaltern haben sich Eismohrenfalter, Alpensamtfalter, Dunkelgrauer Alpen-Bänderspanner, Püngelers Alpen-Blattspanner, Brauner Alpen-Bindenspanner und Strandfuß‘s Zackenbindeneule auf diese Lebensräume spezialisiert. Wolfspinnen und Weberknechte sowie andere Spinnentierarten erjagen hier ihre Beute.

Auswirkungen von Natursport auf Gesteinshalden

Wandern, Klettern

Da Schutthalden im alpinen Bereich von Natur aus wenig stabile Lebensräume sind, halten sich Trittschäden durch  Wanderer in Grenzen. Anders sieht es im außeralpinen Bereich aus – sie können bei regelmäßigem Betreten gestört und beschädigt werden (vgl.  Klettern,  Felsen).


betroffene Tierarten

 Reptilien;  Vögel

 


 

 

Gesteinshalden im Detail

Aus den Verwitterungsprodukten von  Felsen entstehen verschiedene Gesteinsstrukturen, die in Halden und Schwemmschutt unterschieden werden können. Während Halden aus Steinschlag- und Rutschmaterial an  Felsen und Hängen geformt werden, entsteht Schwemmschutt überall dort, wo Gestein von  Bächen und Flüssen transportiert und abgelagert wird. Diese Geröllflächen (Kiesstrecken) sind im allgemeinen nicht stabil, weil sie bei jedem Hochwasser erneut umgewälzt werden. Es siedeln sich hauptsächlich Pionierpflanzen an, die nur ein Jahr lang wachsen und sich dann über Samen neu verbreiten.