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Hecken


© Michael Pütsch
Foto: Gebüsch © Michael Pütsch

Bevor die Industrialisierung in der Landwirtschaft einsetzte, wurde die Landschaft weitaus vielfältiger genutzt als heute. Ein Beispiel hierfür sind die Hecken, die unterschiedliche Zwecke erfüllten: Häufig wurden sie als Windschutz oder Einzäunung angelegt, dienten als Nahrungsquelle oder zur Gewinnung von Brenn- und Werkzeugholz.
Hecken verloren ihre Bedeutung, als sie mit der Intensivierung der Landwirtschaft im Zuge der Flurbereinigungen teils großflächig gerodet wurden, um Flächen zu schaffen, die großmaschinell bearbeitet werden konnten.
Erst sehr spät kam die Einsicht, dass damit auch eines der wertvollsten, vernetzenden Biotope in der landwirtschaftlichen Feldflur verschwand. Mittlerweile werden sie vielerorts neu angepflanzt.
Ein Feldgehölz ist ein kleinflächiger Bestand von Bäumen und Sträuchern. Sie befinden sich meist auf landwirtschaftlich schlecht nutzbaren Flächen.

Hecken und Feldgehölze – Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Hecken und Feldgehölze setzen sich aus Bäumen und Sträuchern zusammen. Im Randbereich befinden sich Säume aus ein- und mehrjährigen Kräutern und Gräsern. Hecken verlaufen linienförmig durch die landwirtschaftliche Flur. Meist sind sie am Boden zwischen 2 und 10 m breit. Feldgehölze dagegen liegen als kleinere, beliebig geformte Flächen zufällig verteilt in der Landschaft. Sie unterscheiden sich von Hecken auch durch ihre zusätzliche waldartige Innenzone.
Die starke Verzahnung verschiedener Strukturen erklärt, warum Hecken und Feldgehölze vielfältige Lebensräume sind. Es treffen hier drei, manchmal vier verschiedene Lebensbereiche aufeinander: Wald, Waldsaum, Grünland und Acker. Häufig werden sie noch zusätzlich durch Steinhaufen, oder durch die unmittelbare Nähe zu  Bächen, kleinen  Stillgewässern oder  Feuchtgrünland bereichert. Oft sind Hecken und Feldgehölze außerdem noch die einzigen, nicht intensiv bearbeiteten Flächen in großen „Agrarsteppen“.

Tierarten

In Heckenlandschaften kommen besonders viele Tierarten vor, was verschiedene Gründe hat:

  • Sie stellen wichtige Nahrungsquellen für Bienen und andere Nektar- und Pollensammler dar, vor allem auch in mageren Übergangsperioden außerhalb der Hauptblütezeiten.
  • Auf intensiv landwirtschaftlich genutzten Ackerflächen sind sie oftmals letzte Refugien für bedrohte Pflanzenarten der Krautschicht, die ihrerseits lebensnotwendig für verschiedene Tierarten sein können.
  • Hecken halten Winterfutter und Überwinterungsquartiere für  Vögel,  Säuger,  Reptilien,  Amphibien und Insekten bereit.
  • Sie sind Rückzugsgebiet für Tiere, die durch die Feldarbeit gestört werden und geben Deckung auf der Flucht vor Feinden.
  • Sie wirken als Immissionsschutz gegen Pestizide und bieten Schutz gegen das Überfahren durch Landmaschinen.

 Feldhase, Kaninchen, Wiesel, Igel, Spitzmaus und Fuchs sind regelmäßig in Hecken anzutreffen. Typische, gefährdete Heckenvögel sind Turteltaube, Nachtigall, Klappergrasmücke,  Neuntöter und Dorngrasmücke. Finden sich Steinhaufen mit sonnigen Bereichen in den Hecken, halten sich auch Zauneidechsen und Blindschleichen gerne darin oder in der besonnten Saumzone auf. Viele  Amphibien wie Erdkröte, Grasfrosch, Teichmolch und Salamander finden hier geeignete Lebensräume zum Überwintern.
Zahllose wärmeliebende Insektenarten, darunter Wildbienen einschließlich Hummeln, Erdwespen, Schwebfliegen, Gallwespen, Laufkäfer, Schmetterlinge und Heuschrecken leben in Hecken und Feldgehölzen. Nacktschnecken, große Weinbergschnecke, Hain- und Gartenbänderschnecke sowie zahlreiche Spinnenarten ergänzen das vielfältige Spektrum an Kleintieren.

Bedeutung von Hecken und Feldgehölzen für Natursportler

Hecken bereichern das Landschaftsbild. Für Freizeit und Erholung hat eine Feldflur, die durch Hecken und Feldgehölze gegliedert ist, einen weitaus höheren Wert als eine nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten bearbeitete Fläche. Die räumliche Orientierung z. B. fällt in untergliederten Landschaften leichter. Außerdem können in einer reichhaltig durch Gehölze strukturierten Landschaft störungsempfindliche Tierarten viel besser und schneller Schutz und Deckung finden, als in einer ausgeräumten, weithin überschaubaren Landschaft. Daher können Hecken und Feldgehölze den Störeinfluss von Erholungssuchenden, seien es Sportler oder Spaziergänger, reduzieren.


betroffene Tierarten

 Reptilien;  Amphibien;  Säugetiere;  Vögel

 


 

 

Schutz und Schnitt von Hecken

Oft genug wird jedoch vergessen, dass Hecken auf menschliche Bewirtschaftung angewiesen sind. Ohne entsprechende Nutzung und Pflege stellen Hecken nur einen Übergangszustand in der natürlichen Abfolge von der Brachfläche zum Wald dar.

Hecken müssen regelmäßig geschnitten werden, da sie sonst unten durchsichtig werden (auskahlen) und ihre zahlreichen ökologischen und nützlichen Funktionen verlieren. Nach dem Laubabwurf im Herbst und Winter können hierfür verschiedene Methoden eingesetzt werden:

  • „Auf den Stock setzen“ wird alle 8-15 Jahre durchgeführt. Dazu wird das gesamte Strauchwerk, mit Ausnahme der dickstämmigen Bäume, auf etwa 60 cm Höhe, den sogenannten Stock, abgeholzt. Dieser Eingriff darf jedes Jahr nur an einem Teilbereich der Hecke erfolgen, da sonst das gesamte ökologische Gefüge zusammenbricht.
  • Beim „Knicken“ werden kleine Äste bis zu 2 cm Durchmesser in etwa 60 cm Höhe umgebogen, bis sie brechen. Dickere Äste von etwa 6 bis 8 cm Durchmesser werden mit einem Beil schräg von oben nach unten bis zu einer Höhe von etwa 60 cm eingeschlagen. Anschließend wird der dicke Ast heruntergebogen und unter andere Äste gedrückt. Kleinere Äste werden in das Buschwerk verflochten.
  • Werden alle Äste bis 4 cm Durchmesser im belaubten Zustand geschnitten, wächst die Hecke dicht und undurchdringlich. Den Schnitt ins grüne Laub vertragen jedoch nicht alle Baum- und Straucharten.
  • Beim „Plentern“ werden von einem Heckenstrauch oder -baum einzelne starke Stämme oder Äste, insgesamt jedoch höchstens die Hälfte, entfernt. Nachdem an den Schnittstellen neue Triebe gewachsen sind, kann in den nachfolgenden Jahren die andere Hälfte der Stämme und Hauptäste geschnitten werden. Das Plentern empfiehlt sich vor allem zum Schneiden sehr alter Hecken.

„Benjes-Hecke“

Die sogenannte „Benjes-Hecke“ ist eine interessante Alternative, wenn man eine neue Hecke anlegen will. Aus Baum- und Heckenschnittgut wird hierfür eine Gestrüppbarriere errichtet, die etwa 4 m breit, 1 m hoch und beliebig lang ist. Schon im ersten Sommer verwandelt sich das aufgeschichtete Holz in ein Insekten- und Bodenbrüterparadies und geht völlig durchwachsen als „Krauthecke“ in den zweiten Winter.
Vögel finden hier reichlich Nahrung und Unterschlupf. Mit ihrem Kot werden bevorzugt Samen jener Sträucher eingebracht, die den Vögeln Beerennahrung und sichere Nistplätze bescheren. Andere Pflanzensamen trägt der Wind heran. Während das tote Gestrüppmaterial im Laufe der Jahre zusammenbricht, lösen Hochstauden die Kräuter und Gräser ab und einzelne Sträucher beginnen sich auszubreiten. Es entsteht, zunächst noch voller Lücken, die Feldhecke.

Ökologische Funktionen von Hecken

Einige der zahlreichen Funktionen sind im folgenden aufgelistet:

  • Hecken speichern Regenwasser besser als das meist humusärmere Ackerland und verringern die Bodenverdunstung.
  • Hecken schützen leeseitig vor Wind und Sturm auf einer Strecke bis zu etwa dem 13- bis 15fachen der Heckenhöhe.
  • Hecken gleichen Temperaturschwankungen im Frühjahr und Herbst aus, weil sie Feuchtigkeit speichern und verdunsten können. Frostschäden in extremen Wintern sind seltener.
  • Hecken verhindern die Bodenerosion mit all ihren negativen Folgen, insbesondere wenn sie quer zu abschüssigen Ackerflächen verlaufen.
  • Hecken bilden ein großes Reservoir an bodenlebenden Kleintieren, die Humus aufbauen. Ausgehend von den Hecken können diese Bodenorganismen die Feldflur regelmäßig aufsuchen oder wiederbesiedeln.
  • Hecken bewirken, dass weniger Staub und Reifenabrieb in benachbarte Flächen eingetragen wird und halten giftige Schadgase zurück.
  • Hecken können über große Strecken Wald- und Gehölzlebensräume miteinander vernetzen.

Nutzung von Hecken

Früchte, Holz, Sicht- und Lärmschutz

In Hecken kann sich eine große Pflanzenvielfalt ansiedeln. Hier finden sich Früchte, die man nicht industriell anbauen kann und die selbstgepflückt den Speiseplan bereichern können, wie Hagebutten oder Schlehen, aber auch ganz „normales“ Obst, wie Äpfel und Zwetschgen oder Gewürz- und Heilpflanzen.
Das Holz, das beim Heckenrückschnitt anfällt, findet vielfältige Verwendung: Die besten Stücke zum Zimmern und Schreinern, stärkere Hölzer als Stangen und Zaunpfosten, als Werkzeugholz dient vor allem Esche, zum Körbeflechten Weide und Haselnuß. Alles übrige Holz ist als Brennholz nutzbar.
Häufig werden Hecken als Sicht- und Lärmschutz angepflanzt, besonders an stark befahrenen Straßen. Die Lärm- und Abgasbelastung kann durch eine Hecke deutlich gemindert werden. Auch bei landwirtschaftlich intensiv genutzten Flächen können Hecken einen Teil der „Pestizidwolken“ abhalten.

Heckenzonen

Heckenzonen und ihre Flora

Hecken kann man von innen nach außen in drei Zonen gliedern: Kernzone, Mantelzone und Saumzone. In jeder dieser Zonen herrscht ein eigenes Kleinklima und es wachsen besondere Pflanzenarten:

  • In der Kernzone, also im Inneren der Hecke oder des Feldgehölzes, wachsen Bäume und größere Sträucher ab etwa 5 m Höhe. Der Anteil an Bäumen übersteigt in Hecken selten 5 bis 10 %, in Feldgehölzen etwa 20 %. Typische Baumarten der Kernzone sind Apfel- und Birnbäume, Birke, Buche, Eberesche, Eiche,  Elsbeere, Rot- und  Grauerle (auf feuchten Standorten),  Feldahorn,  Hainbuche, Wildkirsche,  Winter- und  Sommerlinde,  Speierling,  Traubenkirsche, Ulme,  Zitterpappel und Zwetschge.
  • In der Mantelzone finden sich mittelgroße und kleinere Sträucher. Hier wachsen  Wilde Johannisbeere,  Berberitze, verschiedene Wildrosen, Brombeere,  Besenginster,  Faulbaum, Hartriegel,  Haselnuß, Heckenkirsche,  Himbeere,  Schwarzer und Roter Holunder,  Kornelkirsche, Kreuzdorn,  Liguster,  Mehlbeere,  Ohrweide,  Pfaffenhütchen,  Schlehe,  Salweide,  Schneeball und Weißdorn.
  • Ob sich eine ausgedehnte Saum- oder Krautschicht ausbilden kann, hängt davon ab, wie intensiv die Flächen bis an die Hecke heran bewirtschaftet werden. Eine Mahd, die alle zwei bis drei Jahre durchgeführt wird, ist ideal für eine vielfältige Krautschicht. Unter diesen Bedingungen kann sich eine Pflanzenwelt ansiedeln, die ähnlich artenreich ist wie die der Hochstaudensäume, die entlang von Ufern zu finden sind.

Heckentypen

Nach ihrer Struktur kann man folgende Heckentypen unterscheiden:

Niederhecke

Die Niederhecke wächst kaum über 1 m hoch, entweder aufgrund ihres geringen Alters nach der Pflanzung, durch ihre Zusammensetzung aus Halbsträuchern und Sträuchern, die von Natur aus niedrig bleiben (z.B. Feldrose, Brombeere, Himbeere) oder durch Pflegemaßnahmen, die sie niedrig halten.

Mittelhecke (Gebüschhecke)

Die bis zu 2,5 m hohe, regelmäßig gepflegte Mittelhecke besteht aus Sträuchern und entsprechend gestutzten Bäumen. Die Zusammensetzung kann unterschiedlich sein. Die Strauchschicht wird vor allem von Schlehe, Ein- und Zweigriffligem Weißdorn, Hundsrose, Rotem Hartriegel und Gemeinem Schneeball gebildet.

Hochhecke (Gebüschhecke mit Überhältern)

Eine Hochhecke hat mehr als 2,5 m Wuchshöhe. Sie baut sich als Grundtyp mit reichem Kraut- und Strauchwuchs und mehrstufigem Profil auf oder als eine am Fuße aufgelichtete Hecke, die vom Weidevieh verbissen oder bewusst zurückgeschnitten wurde (Jedicke 1992). Im Idealfall sind durch die Hecke gewachsene Bäume als Überhälter in lockerem Abstand in die gebüschreiche Hecke eingestreut.

Baumhecke

Die Baumhecke wird vorwiegend aus höherwüchsigen Baumarten gebildet, die vielfach alleeähnlich in Reihen stehen. Häufig sind Eiche, Erle, Esche, Ahorn oder Linde die Bestandsbildner. Begleitend zur Baumhecke können Heckenstrukturen wie Nieder-, Mittel- und Hochhecke vorhanden sein. Baumhecken sind oft durch fehlende Pflege aus Mittel- oder Hochhecken hervorgegangen.

Wallhecke (Knick)

Die Wallhecke ist eine im wesentlichen in Norddeutschland vorkommende Sonderform der Hecke. Sie wurde auf Wällen, die aus Erdaushub, Steinen, Baumstümpfen und Astwerk aufgehäuft wurden, als ein- oder mehrreihige Pflanzung angelegt. Der Wall wird beidseitig von Gräben begleitet. Durch Umknicken der Äste (daher der Name ‘Knick’) entstand ein auch für das Weidevieh undurchdringliches Dickicht (Jedicke 1992). Die Säume von Wallhecken sind daher durch starke Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen bei variablen Lichtverhältnissen gekennzeichnet.

Die wichtigsten Wallheckentypen sind:

  • der Schlehen-Hasel- oder Eichen-Hainbuchen-Knick mit Hasel, Schlehe, Hainbuche, Pfaffenhütchen, Berg- und Feldahorn, Weißdorn sowie Brombeeren, Hunds- und Filzrose
  • der Eichen-Birken-Knick mit Hängebirke, Stieleiche, Eberesche, Zitterpappel, Wildbirne, Rotbuche, Weißdorn sowie Brombeeren
  • Knicks feuchter Standorte mit Schwarzerle, Weidenarten wie Grau- und Ohrweide, Birke und Faulbaum (Jedicke 1992).

(Biotopmanagement auf Golfanlagen 2005, Bundesamt für Naturschutz, Deutscher Golfverband (Hrsg.) )

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