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Wirtschaftswiesen


Weidende Schafe im Spreewald © Iris Göde, piclease
Foto: Weidende Schafe im Spreewald © Iris Göde, piclease

Wirtschaftswiesen und -weiden sind Grünlandflächen, die für eine landwirtschaftliche Nutzung geeignet sind. Sie werden je nach Bewirtschaftungsform, Nährstoffreichtum und geografischer Lage in folgende drei Haupttypen unterschieden: Glatthaferwiesen, Goldhaferwiesen und Weidelgras-Weißklee-Weide. Sie werden im folgenden näher beschrieben sowie ein Überblick über sonstiges Wirtschaftsgrünland gegeben.

Glatthaferwiesen

Glatthaferwiesen sind hochwüchsige Wiesen, die zwei- bis dreimal pro Jahr gemäht werden. Sie wachsen auf mittelfeuchten bis mäßig trockenen Standorten vom Flachland bis in Mittelgebirgslagen von ca. 500 m Höhe ü. NN. Die Artenvielfalt einer Glatthaferwiese hängt von der Düngung ab. Je geringer das Stickstoffniveau, desto mehr Pflanzen- und Tierarten sind vertreten. Sie weisen als extensiv bewirtschaftetes Grünland eine wesentlich höhere Bestandsdichte (bis 3.000 Pflanzenindividuen pro m2) als intensiv bewirtschaftete Wiesen (weniger als 200 Individuen pro m2) sowie eine dreifach höhere Zahl an Pflanzenarten auf. An jede Pflanzenart sind mehrere von ihr als Nahrungsquelle abhängige Tierarten gebunden. (Briemle 1991)

Lebensraum Glatthaferwiesen

Der namensgebende Glatthafer ist die dominante Art. Bei Nährstoffmangel wird der Glatthafer meist vom Wolligen Honiggras und der Margerite verdrängt.

Als besondere arten- und blütenreiche Variante treten die extensiver genutzten mageren Salbei-Glatthaferwiesen auf mäßig trockenen bis trockenen bzw. wechseltrockenen Standorten unterhalb von ca. 500 m Höhe ü. NN auf. Sie werden zweimal im Jahr gemäht und sind durch ihre Farbenfülle weit hin sichtbar. Charakteristisch sind u.a. die Vorkommen von Wiesen-Salbei, Gewöhnlichem Hornklee, Weicher Trespe, Wiesen-Knautie und Margerite. (Briemle 1991)

Eine weitere Variante stellt die Frische bis Feuchte Glatthaferwiese (auch Fuchsschwanz-Glatthaferwiese genannt) dar, welche auf mittel- bis mäßig feuchten oder wechselfeuchten und tiefgründigen Standorten verbreitet ist und in der Regel zweimal geschnitten wird. Das charakteristische Artenspektrum enthält u.a. Wiesen-Fuchsschwanz, Kuckucks-Lichtnelke, Engelwurz, Kohldistel sowie Wiesen-Schaumkraut und spiegelt somit die höhere Durchfeuchtung des Standortes wieder.
Bedeutsam sind Glatthaferwiesen ebenfalls in Kombination mit Streuobstbeständen und Baumgruppen.

Typische Pflanzenarten:
 Glatthafer,  Wiesen-Labkraut,  Wiesen-Pippau,  Wiesen-Glockenblume,  Zaun-Wicke,  Wiesen-Bärenklau,  Wiesen-Kerbel,  Wiesen-Storchschnabel,  Wiesen-Flockenblume

Neben zahlreichen Wirbellosen finden Kleinsäuger und Vögel der Kulturlandschaft dort ihren Lebens- bzw. Nahrungsraum. Von der Vielfalt der Kleintiere profitieren wiederum verschiedene Reptilienarten und im Weiteren nach der Wiesenmahd Rotmilan und Wiesenweihe.

Typische Tierarten:
Spinnen, Schmetterlinge, Käfer, Heuschrecken; Schafstelze, Star,  Kiebitz, Mäusebussard; Blindschleiche, Zauneidechse

Goldhaferwiesen

Goldhaferwiesen sind arten- und blütenreiche, gegenüber den Glatthaferwiesen schwächer wüchsige Fettwiesen niederschlagsreicher Standorte der Mittelgebirgslagen ab ca. 500 m ü. NN, die meist ein- bis zweimal pro Jahr gemäht werden.
Die Werteinstufung der Goldhaferwiesen für Flora und Fauna entspricht etwa derjenigen der Glatthaferwiesen. Goldhaferwiesen sind bei mäßiger Düngung sehr artenreich.

Lebensraum Goldhaferwiesen

Charakteristisch ist der namensgebende Goldhafer. Weil hochwüchsige Gräser wie Glatthafer hier fehlen, können sich auch lichtliebende, konkurrenzschwache Pflanzenarten behaupten. Sie bieten zahlreichen Tierarten Lebensraum. An bedrohten Arten können neben Pflanzen wie Bärwurz, Wiesenkümmel, Trollblume und Weichem Pippau auch bedrohte Tierarten wie z.B. das  Braunkehlchen vorkommen. (Maertens 1990)

Typische Pflanzenarten:
 Goldhafer,  Frauenmantel,  Großer Wiesenknopf,  Wiesen-Pippau,  Schwarze Teufelskralle,  Große Bibernelle,  Wald-Storchschnabel, Roter Wiesenklee;  Bärwurz,  Wiesenkümmel,  Trollblume, Weicher Pippau

Typische Tierarten:
Schwebfliegen, Schmetterlinge,  Braunkehlchen, Heuschrecken

Weidelgras-Weißklee-Weide

Bei Beweidung von Grünland entstehen Lebensräume und Artengemeinschaften, die sich von jenen der Wiesen unterscheiden. Die Unterschiede zwischen den verschiedenen Weidetypen werden durch Faktoren wie Weidetierart, Weidesystem, Besatzstärke, Besatzdichte, Höhenlage und Standortbeschaffenheit beeinflusst. Der typische und weit verbreitete Gründlandtyp auf nährstoffreichen Standorten ist die Weidelgras-Weide (auch Weißklee-Weide genannt), der aufgrund des ozeanischen Klimas hauptsächlich im norddeutschen Flachland, aber auch bis an die natürliche Verbreitungsgrenze des Weidelgrases, ca. 700 m Höhe ü. NN, vorkommt.
In höheren Lagen wird das im Tiefland dominierende Deutsche Weidelgras von anspruchslosen Arten abgelöst. Hier kommt es auf den mit Goldhaferwiesen verwandten Standorten, die durch relative Nährstoffarmut, kurze Vegetationszeit und niedrige Durchschnittstemperaturen gekennzeichnet sind, zur Ausbildung der extensiv genutzten artenreichen Rotschwingel-Straußgrasweide. (Briemle 1991)

Lebensraum Weidelgras-Weißklee-Weide

Die intensiv bewirtschafteten Tieflandsweiden auf feuchten Böden sind weitgehend von Artenverarmung aufgrund des hohen Düngereinsatzes und Viehbesatzes geprägt, daher ist ihre Bedeutung für Flora und Fauna eingeschränkt. Durch die intensive Bewirtschaftung kann der Bruterfolg von Bodenbrütern der offenen Landschaften gefährdet sein.
Die Pflanzen- und Tierwelt kann sich vielfältiger entwickeln, wenn eine Umstellung von intensiver auf extensive Bewirtschaftung erfolgt.

Typische Pflanzenarten:

In höheren Lagen: Deutsches Weidelgras,  Rotschwingel, Straußgras
Im Tiefland: Deutsches Weidelgras,  Wiesen-Kammgras,  Wiesen-Lieschgras,  Weißklee, Wiesen-Löwenzahn

Sonstige Wirtschaftswiesen

Ergänzend zu den o.g. Typen gibt es weitere Sonderformen von Wirtschaftswiesen. Einige Varianten werden im Folgenden genauer beschrieben.

Salzwiese

Die Salzwiese ist als natürliches Wiesenbiotop an der Küste verbreitet und wird vom Meer in periodischen oder unregelmäßigen Abständen überflutet. Hier können nur spezielle, an den Einfluß des Salzwassers angepasste Tiere und Pflanzen leben. Bereits bei mäßiger Beweidung nimmt die Artenzahl stark ab.
Diese natürlichen Wiesen werden meist mit Rindern oder Schafen beweidet. Nach Eindeichung bei Neulandgewinnung erfolgt eine Entwicklung in Richtung Fettweide.
Die hier vorkommenden salztoleranten Pflanzenarten nennt man Halophyten. An niedrig liegenden, schlickreichen Stellen und Flutrinnen gedeiht Queller besonders gut. Halophyten können auch abseits der Meeresküsten an sog. Binnensalzstellen (Kontakt salzhaltigen Untergrundes mit Grundwasser) im Bereich von Grünland vorkommen.
Nach der Roten Liste der Biotoptypen Deutschlands (Riecken et al. 1994) sind naturnahe Salzwiesen von Vernichtung bedroht oder stark gefährdet (Schadstoffeintrag, Eindeichung, landwirtschaftliche Nutzungsintensivierung, intensive Freizeitnutzung). Der Biotoptyp ist nach § 30 BNatSchG geschützt.

Typische Pflanzenarten:
Strandflieder, Strandwegerich, Gewöhnliche Grasnelke, Queller

Löwenzahn-Fettwiese

Die Löwenzahn-Fettwiese zählt zu den ertragreichsten und häufigsten Wiesentypen der Niederungen (Talfettwiese), die meist dreimal pro Jahr gemäht werden.
Hier dominiert der Löwenzahn, der etwa Mitte April bis Anfang Mai das Erscheinungsbild mit seinen gelben Blüten prägt.
Durch intensive Bewirtschaftung und Düngung fehlt der ansonsten typische Glatthafer und sowohl Pflanzen- wie Tierwelt sind von Artenarmut gekennzeichnt.  

Typische Pflanzenarten:
Löwenzahn,  Wiesenklee,  Knäuelgras

Einschürige Mähwiese

Die nur einmal pro Jahr gemähte Wiese stellt eine Bewirtschaftungsform auf weniger ertragreichen, mageren, sauren, wechselfeuchten oder höher gelegenen Standorten dar, bei der auf einen relativ späten Schnitt im Hochsommer eine extensive Nachbeweidung folgen kann. Im Frühjahr und Sommer prägt ein sehr bunter Blühaspekt diesen Wiesentyp, der meist ein hochwertiges Futter liefert. Ein typisches Beispiel sind Bärwurzwiesen. Diese Mähwiesen sind meist sehr blüten- und artenreich und besitzen einen entsprechend hohen bis sehr hohen Wert für Flora und Fauna. Dieser Biotoptyp ist jedoch selten geworden und durch Nutzungsaufgabe (Verbuschung) oder Intensivierung (starke Düngung mit nachfolgender Artenverarmung) bedroht. (Ellenberg 1982)

Typische Pflanzenarten:
 Bärwurz,  Gelbe Narzisse, Teufelskralle

Wiesenbrache

Die Wiesenbrache wird im Menüpunkt  Landwirtschaftliche Flächen beschrieben.

Gefährdung von Wirtschaftswiesen

In der Liste der gefährdeten Biotoptypen der Bundesrepublik sind die artenreichen Ausprägungen des frischen Grünlandes als hochgradig gefährdet eingestuft. Die Gefährdungsursachen liegen vor allem in der Nutzungsintensivierung (Überdüngung, Umbruch mit Neueinsaat, Vorverlegung des Schnittzeitpunktes), sowie in der oben benannten Nutzungsaufgabe.


betroffene Tierarten

 Reptilien;  Vögel

 


Konfliktlösungen

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