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trockene Standorte


Naturschutzgebiet Hielöcher bei Frankershausen © Gernot Liebau, piclease
Foto: Naturschutzgebiet Hielöcher bei Frankershausen © Gernot Liebau, piclease

Trocken- und Halbtrockenrasen sind Magerrasen, die auf nährstoffarmen, flachgründigen und trockenen Standorten vorkommen. Aufgrund der eingeschränkten Wasserversorgung und Nährstoffverhältnisse sind diese Standorte wenig produktiv und weisen häufig eine schüttere Bodenbedeckung auf. Je nach Trockenheit des Untergrundes kann man Voll- und Halbtrockenrasen unterscheiden.

Halbtrockenrasen sind an ursprünglichen Waldstandorten durch extensive Beweidung oder Mahd entstanden und kommen in kalkreichen Gebieten vor.
Anders als die Trockenrasen bilden die Halbtrockenrasen eine zusammenhängende Pflanzendecke aus. Halbtrockenrasen sind durch eine enorme Artenvielfalt gekennzeichnet und gehören zu den blütenreichsten Offenland-Lebensräumen in Deutschland. Hier wachsen zahlreiche seltene und schutzwürdige Pflanzenarten. Insbesondere wärmeliebende, meist seltene Arten Wirbelloser und Reptilien finden hier günstige Lebensbedingungen. Zahlreiche Schmetterlingsarten, Eidechsen, Grillen, und Wespenarten besiedeln diesen Lebensraum. Hier leben bis zu 100 Wildbienenarten.

Trockenrasen befinden sich auf kalkhaltigen Standorten, vor allem auf südlich ausgerichteten, sonnigen Hängen, die nur eine dünne Bodenschicht haben. Flächen, die noch trockener sind, werden bereits den Felsfluren zugeordnet.
Die Vegetation der Trockenrasen ist spärlich, aber artenreich. Neben Kräutern und Gräsern sind die hier vorkommenden Orchideen besonders attraktiv.
 
Je nach Art des Standortes unterscheidet man verschiedene Typen, die im folgenden vorgestellt werden.

Kalkmagerrasen – Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Rodung und Beweidung

Kalkmagerrasen entstanden durch Rodung des Waldes und anschließender Beweidung. Erst viel später fand an gut zugänglichen Stellen eine Nutzung durch Mahd statt. Die Standorte des Kalkmagerrasens liegen oft auf südlich exponierten Hängen mit guten Abflussbedingungen, d.h. das meist spärliche Niederschlagsangebot wird schnell abgeführt oder verdunstet. Deshalb sind es sehr trockene, warme und wegen der geringen Mächtigkeit der Böden auch nährstoffarme (magere) Standorte.
Die Wachholderheiden verdanken ihre Entstehung durch Schafbeweidung. Sie waren und sind auch heute noch sehr prägend für das Landschaftsbild. Der spitznadelige Wacholder wird von den Tieren nicht durch Bisse beschädigt und bleibt daher stehen.
Typische Begleitpflanzen dieses Lebensraums auf Kalkböden, seltener auch auf saurem Untergrund, sind außerdem Enziane und Gräser. Wie der Wachholder werden auch sie größtenteils von den Schafen verschmäht. Im weiteren gibt es giftige Pflanzenarten oder wegen ihres Aromas gemiedene Arten.
Eine Vielzahl von Tierarten, z.B. Eidechsen, Grashüpfer, Wildbienen und zum Teil hoch bedrohte Schmetterlingsarten sind hier verbreitet. (Pretscher & Sander 2002)

Typische Pflanzenarten:
 Fliegen-Ragwurz; Gefranster Enzian,  Frühlings-Enzian; Schafschwingel,  Aufrechte Trespe,  Fiederzwenke,  Schwalbenwurz,  Zypressen-Wolfsmilch, Gemeine Küchenschelle,  Thymian,  Gemeiner Dost,  Kleiner Wiesenknopf

Typische Tierarten:
Zauneidechse, Heidegrashüpfer, Wildbienen, Wolfsmilchschwärmer, Mohrenfalter, Bläuling

Borstgrasrasen – Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Rodungsflächen von Buchenwäldern

Silikatmagerrasen wachsen auf silikathaltigem Boden. Eine Sonderform des Silikatmagerrasens ist der Borstgrasrasen auf saurem, kalk- und nährstoffarmem Silikatuntergrund der Mittelgebirge in kühlem und humidem Klima. Sie gedeihen auf vormaligen Rodungsflächen von Buchenwäldern. Da sie nicht sehr ertragreich sind, wurden sie hauptsächlich als Schafweide oder als einschürige (nur eine Heuernte im Jahr liefernde) Wiese genutzt. Die Trittbelastung und Beweidung führen zur Ausbildung einer typischen angepassten Pflanzenwelt, von denen heute ein Drittel in ihrem Bestand gefährdet sind.
Charakteristisch ist das kleine, derbe und namensgebende Borstgras, das als Weideunkraut wegen seiner borstigen Grannen verschmäht und somit positiv selektiert wurde. Ähnlich verhält es sich mit der Drahtschmiele. Neben weiteren Kurzgräsern sind Kreuzblümchen, Katzenpfötchen, Flügelginster und Blutwurz charakteristische Arten, deren Blüten bunte Farbtupfer bilden. Außer Arnika, einer alten Heilpflanze, ist die Besenheide eine häufige Pflanzenart auf Borstgrasrasen. Eine Sonderform stellen die subalpinen, über 1.000 m gelegenen Borstgrasrasen mit alpinen Pflanzenarten dar.
Neben  Vogelarten wie Wiesen- und Wasserpieper sind Eidechsen, Laufkäfer und Heuschrecken, z.B. der Warzenbeißer, charakteristisch. (Pretscher & Sander 2002)

Typische Pflanzenarten:
 Borstgras,  Drahtschmiele,  Kreuzblümchen,  Flügelginster,  Deutscher Ginster,  Blutwurz,  Arnika,  Katzenpfötchen,  Berg-Sandglöckchen,  Besenheide,  Gelber Enzian

Sandmagerrasen – Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Sandige Standorte an Küsten und Flüssen

Sandmagerrasen finden sich auf nährstoffarmen, sandigen Standorten. Der Boden kann kaum Feuchtigkeit halten. Natürliche Vorkommen befinden sich auf Sanden der Küsten und Flussterrassen, kleinflächigen Abbruch- und Verwitterungsstellen, wo anstehender Fels zu Sand verfällt und aus der letzten Eiszeit stammenden Binnendünen, die im Landesinnern vom Wind angeweht wurden (Flugsanddünen). Derartige Pioniergesellschaften finden sich vorwiegend in der Geest Nordwestdeutschlands und im Gebiet von Oberrhein, Main und Regnitz.
Der Mensch hatte durch Holznutzung bis in das 19. Jahrhundert mit Bäumen bewachsene Sandflächen wieder freigelegt und somit ungewollt Lockersandflächen neu geschaffen; andere entstanden durch Beweidung.
Auf Sandflächen herrschen besondere Bedingungen: extreme Trockenheit, Hitze (bis zu 30-40 °C über der Lufttemperatur und starke Abkühlung in der Nacht), Nährstoffarmut und lockerer Boden. Deshalb können hier nur bestimmte Arten existieren. Die schütter bewachsenen, basenarmen Silikat-Sandrasen werden oft vom Aspekt des Silbergrases bestimmt, das in locker stehenden kleinen Horsten wächst und somit einen Teil des Sandes, der anfällig gegen Winderosion ist, festhält. Während Silbergras bis zu 40 cm lange Wurzeln und als Anpassung gegen Sandaufschüttung „Etagenwuchs“ besitzt, bildet die typische Sandsegge ein verzweigtes Ausläufersystem. Bei erhöhtem Humusanteil, besserer Wasserversorgung und festerem Sandboden entwickeln sich Kleinschmielen-Rasen- und Heideflächen. Auf kalkhaltigem Sand sind oft lockerwüchsige Schillergrasfluren ausgebildet.
Seltene Käfer-, Bienen- und Heuschreckenarten sind an diese Trockenstandorte gut angepasst. (Pretscher & Sander 2002; Runge 1986)
Heute sind alle Binnendünen und sonstigen Primärstandorte der Sandmagerrasen in ihrem Bestand bedroht. Gefährdungsfaktoren sind Abbautätigkeiten mit anschließender Rekultivierung, Bebauung, Freizeitnutzung und Verbuschung bzw. Aufforstung.

Typische Pflanzenarten:
 Silbergras,  Sandsegge,  Blaugrünes Schillergras,  Sandstrohblume,  Silberscharte

Typische Tierarten:
Sandlaufkäfer, Sandbienen, Blauflügelige Sandschrecke

Gefährdung von trockenem Grünland

Verbuschung, Wiederbewaldung

Mögliche Gefährdungen ergeben sich durch die Aufgabe der traditionellen Bewirtschaftung. Dadurch kommt es zu Verbrachung und Verbuschung sowie zur Wiederbewaldung. Der Erhaltung der Restbestände kommt eine besondere Bedeutung zu, da diese nur schwer wiederherstellbar sind. Dabei gilt es die Pflege zu beachten und eine Gefährdung durch Pflegefehler, wie beispielsweise eine zu häufige Mahd, zu vermeiden.
Großflächigere Borstgrasrasen konnten in Deutschland z.B. im Biosphärenreservat Rhön erhalten werden.
Borstgrasrasen und Trockenrasen sind nach § 30 BNatSchG geschützte Biotoptypen.