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Röhrichte


© Michael Pütsch
Foto: Schilfrohr © Michael Pütsch

Röhrichte sind Pflanzengesellschaften im Flachwasser- und Uferrandbereich von stehenden oder sehr langsam fließenden Gewässern. Sie können auch in nassen Senken und an anderen feuchten bis morastigen Standorten vorkommen. Röhrichte bestehen hauptsächlich aus kräftigen Gräsern, die regelrechte Halmwalde bilden. Die Röhrichtgräser sind sehr konkurrenzstark und verdrängen deswegen fast alle anderen Pflanzenarten.

Natürliche Röhrichte entstehen bei der Verlandung von Gewässern. Wenn ein  See im Laufe der Jahrzehnte verlandet, entstehen allmählich verschiedene Biotopstrukturen, die sich abwechseln. Das Röhricht wächst in den freien, langsam verschlammenden Wasserkörper hinein. Zwischen den Röhrichthalmen sammeln sich abgestorbene Blätter und Stängel. Auch Schlamm und angeschwemmtes Pflanzenmaterial lagern sich hier ab. Dadurch entsteht ein fester Untergrund, auf dem Landpflanzen allmählich Fuß fassen können. Auf diese Weise wachsen  Weiher und Tümpel nach und nach zu. Auf das Röhricht folgen der  Sumpf (Niedermoor) und noch später die  Feuchtwiesen und  -wälder.

Der Name „Röhricht“ leitet sich vom Begriff „Rohrwald“ ab. Ökologisch übernimmt Röhricht als natürliche „Kläranlage“ eine wesentliche Funktion in der Selbstreinigung eines  Gewässers.

Röhrichte – Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Flora

Röhrichte bestehen fast ausschließlich aus einer standortabhängigen dominierenden Grasart und nur wenigen anderen Pflanzenarten.

Typische Pflanzenarten:  Schilf, Teichbinse (Teichsimse), Rohrkolben, Schneidried, Wasserschwaden, Igelkolben,  Rohrglanzgras,  Pfeilkraut, Sumpfsimse,  Tannenwedel,  Strandsimse und Salz-Teichbinse

Vogelarten

Röhrichte beherbergen eine vielfältige Tierwelt. Sie sind ausgesprochen wichtig für den Vogelschutz. Ein großer Teil (mehr als 70 Prozent) der dort brütenden  Vogelarten gilt als gefährdet.
Hier nisten zum Beispiel die  Blessralle und die Teichralle; in den Halmen bauen verschiedene Rohrsänger-Arten, die Rohrdommel, der Purpurreiher und die Rohrammer ihre Nester. Bei vielen Vögeln weist bereits der Name auf ihren Lebensraum im Rohrwald hin.
Die hohe Vogelvielfalt hängt auch mit der Fülle an hier vorhandenen Beutetieren zusammen. Diese sind an verschiedene Röhrichtstrukturen angepasst (z.B. an das Wasser im Wurzelbereich, den Schlick, die herunterfallende Streu aus alten Halmen und an die hohlen Röhrichthalme oder Samen aus Rispen und [Rohr]Kolben).

Für die  Vögel erfüllt das Röhricht verschiedene Zwecke. Es ist Nist- und Mauserplatz, Nahrungsbiotop oder Versteck für die Nacht. Einige Vogelarten verbringen ihr ganzes Leben im Röhricht (z.B. Rohrsänger und Zwergdommel), andere sind hier nur zeitweise unterwegs (z.B.  Haubentaucher, Blässhuhn). Darüber hinaus nutzen  Singvögel, die im Umfeld leben, Röhrichte als Rast- und Nahrungsbiotop. Hierzu gehören Rauch- und Mehlschwalbe, Star, Wiesenpieper, Schaf- und Bachstelze. Auch für den Vogelzug sind ausgedehnte Röhrichtflächen von großer Bedeutung. Viele Zugvögel, die normalerweise nicht in Röhrichten leben, nutzen diese Strukturen auf dem Frühjahrs- und Herbstzug als Wanderrastplatz, z.B. Rotkehlchen, Blaumeise, Fitis, Zilpzalp, Mönchs- und Gartengrasmücke.

Typische Tierarten: Rallen, Rohrammer, Rohrsänger, Zwergdommel, Rohrdommel, Rauch- und Mehlschwalbe, Star, Wiesenpieper, Schaf- und Bachstelze, Bartmeise, Drosselrohrsänger, Purpurreiher und Rohrweihe, Haubentaucher, Höckerschwan,  Krick-,  Stock-, Knäk-, Löffel-, Kolben-,  Tafel-,  Reiherente, Schwarzhalstaucher, Zwergtaucher, Feld- und Rohrschwirl,  Bekassine, Tüpfelsumpfhuhn, Kleines Sumpfhuhn, Rohrweihe

Fauna im Wasser

Im Wasser findet man zahlreiche Insektenlarven, Wasserschnecken, Egel, Kleinkrebse und Wassermilben. Ein speziell angepasster Vertreter ist hier beispielsweise der Schilfkäfer, der unter Wasser die Schilfhalme anbohrt und den darin transportierten Sauerstoff zum Atmen nutzt.

Fauna der Unterwasserzone

Die Unterwasserzone wird von  Fischen und  Amphibien gerne als Kinderstube für Fischbrut und Kaulquappen genutzt und ist Lebensraum zahlreicher Wirbelloser.

Die hohlen Halme der Röhrichtgräser dienen vielen Asseln, Spinnen, Milben, Springschwänzen, Ameisen, Lauf- und Kurzflügelkäfern zur Überwinterung. Sie sind Brutplatz für Wildbienen und Schilfgallenfliegen und außerdem Futter für die Raupen von Faltern.

Typische Tierarten: Schilfkäfer, Asseln, Spinnen, Milben, Springschwänze, Ameisen, Lauf- und Kurzflügelkäfer, Wildbienen, Schilfgallenfliegen

Natursportler an Röhrichten

Die Freizeitnutzung von  Seen,  Weihern,  Bächen und Flüssen schließt auch die Nutzung der entsprechenden Uferstrukturen mit ein. Röhrichte an Gewässern, die intensiv von Anglern genutzt werden, sind oft in sehr kurzen Abständen mit Pfaden durchzogen, was die Lebensraumfunktion stark beeinträchtigt, da sich der typische zentrale Röhrichtbereich nicht mehr ausbilden kann.
Hinzu kommen Spaziergänger,  Wanderer,  Reiter, Jäger, Camper und Erholungssuchende mit Hund, die sich in der Nähe von Röhrichten aufhalten.

Auswirkungen

Finden sich Röhrichte an Ufern der Gewässer, können sie stark in Mitleidenschaft gezogen werden. Sie werden zertrampelt und mit Pfaden oder Wegen durchzogen, damit  Wassersportler an Ein- und Ausstiegsstellen gelangen können. Die Brutvögel des Röhrichts können durch Lärm und Beunruhigung gestört und verdrängt werden, ihre Gelege können direkt beeinträchtigt oder aufgrund von Störungen verlassen werden.


betroffene Tierarten

 Amphibien;  Reptilien;  Vögel,  Libellen

 


 

 

Gefährdung von Röhrichten

Vier von insgesamt sieben Röhrichtarten sind in der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen der Bundesrepublik Deutschland mit den Gefährdungsstufen 1 – 3 verzeichnet („von vollständiger Vernichtung bedroht“ bis zu „gefährdet“). Viele Röhrichte wurden durch Uferbebauungen, Flussbegradigungen und das Verfüllen der feuchten Bereiche direkt zerstört. Außerdem wurden Röhrichtbereiche entwässert, um landwirtschaftliche Nutzflächen zu gewinnen. Auch die Überdüngung der Gewässer (durch Abwässer und intensive Landwirtschaft) kann zur Zerstörung von Röhricht beitragen, da durch den Nährstoffüberschuss dem Schilfsterben Vorschub geleistet wird.

 Natursportarten haben die Röhrichte nicht zum Verschwinden gebracht. In der aktuellen Bestandssituation können jedoch zusätzliche Beeinträchtigungen der noch vorhandenen Röhrichtflächen entscheidend zum völligen Verschwinden dieser Lebensräume beitragen.

Schutz von Röhrichten

Gesetzlichen Schutz genießen naturnahe Röhrichte durch Bundes- und Landesnaturschutzgesetze. Wegen ihrer Seltenheit und besonderen Anforderungen an die Wiederherstellbarkeit sind Eingriffe in diese Lebensräume untersagt. An vielen Ufern mit Röhrichtbeständen weisen aus diesem Grund Hinweisschilder auf ein (befristetes) Betretungsverbot hin.

Röhrichte im Detail

Mikroklima

Röhrichte bieten spezielle, stark von der Flächengröße abhängige Lebensbedingungen. Von den Randbereichen aus nach innen verändert sich das Mikroklima sehr stark. Am Rand können Wind und Wellen direkt angreifen, im Zentrum eines Röhrichts sind sie stark abgemildert.
Dies hat wiederum enorme Auswirkungen auf Lufttemperaturen und Luftfeuchtigkeit. Das zentrale Röhricht wurzelt teilweise bereits auf Land, teilweise stehen die Wurzelbereiche komplett unter Wasser.

See- und in landseitige Röhrichtgrenzen

Die Ränder des Röhrichts unterscheiden sich in see- und in landseitige Röhrichtgrenzen. An beiden Grenzlinien herrschen völlig verschiedene Lebensraumbedingungen für Tiere.
In der Senkrechten kann man die Lebensräume des Röhrichts in den „oberen Rohrwald“ (an den Halmspitzen und darüber) und den „unteren Rohrwald“ (nahe der Wurzeln oder direkt am Boden) aufteilen. All diese Lebensräume entstehen erst, wenn das Röhricht eine gewisse Größe erreicht hat.
In schmalen Röhrichtsbeständen sind die Milieubedingungen von „Innen- und Aussenbereichen„ dagegen kaum zu unterscheiden.

Die Größe der Röhrichte ist wesentlich für die Besiedlung von verschiedenen Vogelarten. Bartmeise, Drosselrohrsänger, Purpurreiher und  Rohrweihe besiedeln ein Röhricht erst, wenn die Fläche ausreichend groß ist. Rohrammer und Sumpfrohrsänger finden sich bereits in kleinen Schilfbeständen entlang von  Bächen und  Gräben ein.

Vögel der seeseitigen Röhrichtgrenze

Typische Vögel, die die seeseitige Röhrichtgrenze bewohnen sind  Haubentaucher, Höckerschwan, zahlreiche Entenarten ( Krick-,  Stock-, Knäk-, Löffel-, Kolben-,  Tafel-,  Reiherente), Schwarzhalstaucher und Zwergtaucher. Im zentralen Röhricht, das noch im Wasser wurzelt, findet sich der Drosselrohrsänger. Im zentralen Röhricht, das auf Land wurzelt, siedeln Bartmeise,  Teich- und  Schilfrohrsänger, sowie verschiedene Bodenbrüter wie Feld- und Rohrschwirl oder Rohrammer. Weitere Röhrichtbewohner sind Zwergdommel,  Bekassine,  Wasserralle, Teichralle,  Blässralle, Tüpfelsumpfhuhn, Kleines Sumpfhuhn, Rohrdommel und  Rohrweihe.

Als Anpassung an ihren Lebensraum haben Röhrichtvögel besondere Merkmale und Verhaltensweisen entwickelt. Zwergdommel und Rohrdommel nehmen bei Gefahr die sogenannte „Pfahlstellung“ ein. Sie verharren regungslos mit langgestrecktem Kopf und Körper und verschmelzen dadurch optisch mit den senkrechten Strukturen der Rohrhalme. Teichrohrsänger und Drosselrohrsänger haben sehr kräftige Klammerfüße, die sie im dichten Rohrwald geschickt einsetzen können um sich an den Halmen festzuklammern. Die diesen Arten nahe verwandten Schilf- und Sumpfrohrsänger leben an den Randbereichen des Röhrichts und benötigen deswegen die kräftigen Klammerfüße nicht.

Röhrichtarten

Auf Grund des Standortes und der dominierenden Grasart unterscheidet man

  • Röhrichte an Stillgewässern (See, Weiher, Teich) aus Schilf, Teichbinse (Teichsimse), Rohrkolben und Schneidried,
  • Röhrichte an langsamen Fließgewässern (Bachregion, Flussregion) aus Wasserschwaden, Igelkolben und Rohrglanzgras,
  • Kleinröhrichte, z.B. aus Pfeilkraut, Sumpfsimse und Tannenwedel
  • Wattröhrichte an der Küste und im Bereich von Brackwasserflüssen aus Strandsimse und Salz-Teichbinse

Schilfröhrichte

Schilfröhrichte bilden durch ihre Größe und Farbgebungen in vielen Feuchtgebieten eindrucksvolle Natur- und prägende Landschaftselemente. Es weist viele nicht unvermittelt erkennbare Besonderheiten auf, die spezieller betrachtet werden sollen.
Der lateinische Name für Schilf Phragmites australis leitet sich vom griechischen Wort phragma (Zaun) ab. Möglicherweise wurde Schilf als „Zaun“ zwischen Land und Wasser angesehen. Der Name kann aber auch auf seine Verwendung zurückgehen: Neben der Nutzung für Zäune und Matten wurde es früher zum Dachdecken, zum Flechten von Körben und Stühlen und als Heizmaterial verwendet.
Röhrichte aus Schilf sind in Europa am weitesten verbreitet. Die größten Schilfwälder befinden sich am Neusiedler See (in Österreich und Ungarn) und im Donaudelta.
Schilf ist in der Lage, bis zu einer mittleren Wassertiefe von 1,2 bis 2 m einen geschlossenen Rohrwald zu bilden. Es ist extrem konkurrenzstark, so dass hier fast nie andere Pflanzen zu finden sind.  Daher kann man Schilfröhrichte als „natürliche Monokulturen“ bezeichnen. Nur an den Randbereichen können sich andere Pflanzen dazugesellen (seeseitig z.B. die Teichbinse).

Lebensraum Schilfröhrichte

Schilfbestände können je nach Standort und Altersstruktur unterschiedliche Ausprägungen aufweisen. Hierdurch werden auch jeweils unterschiedliche Vogelarten angelockt. Dreidimensional strukturiertes Altröhricht mit verflochtenen, geknickten und senkrechten Halmen ist beispielsweise sehr geeignet für Rohrweihe und Kleines Sumpfhuhn. Gleichmäßig gewachsene, senkrechte Rohrwälder werden gerne von Zwergdommel und Drosselrohrsänger aufgesucht. Schüttere, niedrige Schilfbestände dienen der  Wiesenweihe und der Sumpfohreule als Teillebensraum. Schilfbestände, die nur eine geringe Breite besitzen, werden von  Haubentaucher,  Enten und Blässhuhn genutzt. Sehr breite Schilfröhrichte sind besiedelt von Tüpfelsumpfhuhn und Purpurreiher, für die ein Kontakt zum offenen Wasser wichtig ist. Auch Große Rohrdommel und Bartmeise leben hier. Der  Teichrohrsänger ist wie alle Rohrsänger eher zu hören als zu sehen. Er webt sein Nest kunstvoll zwischen Schilfhalmen.
Es gibt eine Reihe von Insekten, die nur im Schilf vorkommen („obligatorische Schilfbewohner“). Andere kommen sowohl im Schilf als auch in anderen Lebensräumen vor („fakultative Schilfbewohner“). Die Schilfgallfliege legt ihre Eier z.B. im Frühsommer in die Blattachseln der Schilfpflanzen. Aus diesen entsteht anstelle eines normalen Blattes eine sogenannte „Schilfzigarre“ aus eng aneinanderliegenden, wachstumsgehemmten Blättern. In diesen Schilfzigarren überwintern die Maden und die Fliegen schlüpfen im nächsten Frühjahr. Wenn der Hohlraum in der Schilfzigarre frei geworden ist, ziehen wiederum andere Insekten in diesen Wohnraum ein.
Die Unterwasserregion des Schilfwaldes wird von Mückenlarven, Wasserasseln, Wasserläufern, Kleinkrebsen, Wasserschnecken, Süsswasserpolypen, Wasserflöhen, Köcherfliegenlarven, Eintagsfliegenlarven,  Libellenlarven und anderen Organismen des  Makrozoobenthos bewohnt. Verschiedene  Amphibienarten wie z. B. die Erdkröte nutzen Schilfröhrichte zum Laichen. (s. auch  Weiher)

Typische Tierarten:
 Rohrweihe, Kleines Sumpfhuhn, Zwergdommel, Drosselrohrsänger,  Wiesenweihe, Sumpfohreule,  Haubentaucher, Enten, Blässhuhn, Tüpfelsumpfhuhn, Purpurreiher, Große Rohrdommel, Bartmeise,  Teichrohrsänger, Schilfgallfliege, Mückenlarven, Wasserasseln, Wasserläufern, Kleinkrebsen, Wasserschnecken, Süsswasserpolypen, Wasserflöhe, Köcherfliegenlarven, Eintagsfliegenlarven,  Libellenlarven

Gefährdung von Schilfröhrichten

Seit 1960 kommt es immer wieder zu „Schilfsterben“. Die Ursachen sind noch nicht restlos geklärt. Die Nährstoffanreicherung der Gewässer ist eine mögliche Ursache. Sie bewirkt, dass die Schilfhalme größer, dicker und fleischiger werden und dichter stehen. Allerdings fehlt der nötige höhere Anteil an festigenden Fasern in den Halmen, wodurch diese (z.B. bei Wellenschlag) leichter brechen können. Zusätzlich legen sich anlandende Wasserpflanzen und Algen über das Schilf und ersticken es infolge von Fäulnisprozessen.
Ein weiterer Grund für das Verschwinden von Schilfbeständen liegt in der Empfindlichkeit gegenüber starken, lang andauernden Überschwemmungen. Da die Schilfpflanze keine Wasserpflanze ist, können die Jungpflanzen nur kurze Zeit unter Wasser wachsen. Dort wachsen sie jedoch nur sehr langsam und können bei Hochwasser auch kaum Reservestoffe im Wurzelsystem ansammeln. Die dadurch kleinwüchsigen Halme sind anfälliger gegen Hochwasser, aber auch gegenüber dem Schilfkäfer. Dieser schädigt die Schilfpflanze, indem er die Wurzeln anbohrt und dadurch den Lufttransport unterbindet.
Schilfröhrichte sind in der Roten Liste der gefährdeten Biotoptypen der Bundesrepublik Deutschland mit der Gefährdungsstufe 2-3 (stark gefährdet bis gefährdet) verzeichnet.

Schilfpflanzen

Das Schilf wächst über der Wasseroberfläche bis zu 4 m hoch. Es bildet sowohl im Schlamm als auch oberirdisch lange Wurzelausläufer. Das Schilfrohr blüht von Juli bis September mit braunvioletten Blütenwedeln, die an der oberen Halmspitze gebildet werden. Die Vermehrung über die oberirdisch gebildeten Samen ist aber längst nicht so erfolgreich wie die Vermehrung über die unterirdischen Wurzelausläufer. Außer diesen Wurzelausläufern und den normalen, senkrechten Halmen, bilden sich ab und zu auch Halme, die sich bogenförmig auf das Wasser legen oder dort als mehrere Meter lange Leghalme die Ausbreitung des Bestandes in Richtung freie Wasserfläche vorantreiben.

Schilf ist optimal an die Bedingungen der Land-Wasser-Übergangszone angepasst. Die im Schlamm steckenden Teile der Pflanze werden über die mit Luft gefüllten Halme mit Sauerstoff versorgt. Diese Versorgung ist so üppig, dass auch der umliegende Schlamm und die darin lebenden Mikroorganismen von der guten Durchlüftung profitieren. Lagert sich jedoch sehr viel abgestorbenes Pflanzenmaterial auf dem Schlamm ab (z.B. dichte Algen), kann auch das Schilf absterben.

Schilfrohr kann den Zugkräften des Windes sehr gut standhalten. Besonders angepasst sind die Blätter, denn sie können sich um die bewegliche Blattscheide herum im Wind drehen wie eine Wetterfahne. Schilfröhrichte können nach einem starken Windstoß daher aussehen wie „gekämmt“.

Werden Schilfpflanzen bei Hochwasser längere Zeit überflutet, färben sich die unter Wasser stehenden Blätter rasch braun und zerfallen. Daher sind Schilfbestände gute Wasserstandszeiger, die anhand des untersten, noch grünen Blattansatzes den Stand des letzten Hochwassers angeben.

Im Herbst lagern die Schilfpflanzen Reservestoffe in den Wurzeln ab. Die vertrocknenden oberirdischen Rohrhalme haben keinen hohen Energiegehalt mehr. Deswegen ist es für die Pflanze kein großer Verlust, wenn die Halme bei Hochwasser abgerissen werden. Im Frühjahr nutzen die Pflanzen dann die eingelagerten Reservestoffe, um neu auszutreiben.

Nutzung von Schilf

Auch heute noch wird Schilf geerntet und in der Papier- und Bauindustrie verwendet. Zur Erntezeit fahren spezielle Maschinen im Winter auf die gefrorenen Flächen und schneiden das Schilf. Die Halmstoppeln müssen lang genug bleiben, damit beim Frühjahrshochwasser kein Wasser in die abgeschnittenen Halme dringen kann. Die Luftzufuhr der Wurzeln wäre dann abgeschnitten und die Pflanzen würden verfaulen.

Schilfpflanzen sondern Stoffe ab, die Bakterien abtöten können. Darüber hinaus sind sie in der Lage, zur Selbstreinigungskraft der Gewässer beizutragen. Sie entnehmen dem Wasser Nährstoffe und wandeln diese in Pflanzenmasse um. Zusätzlich filtern Schilfröhrichte Schwermetalle aus dem Wasser und entwässern Klärschlamm. Durch die Belüftung des Schlamms über die Wurzeln der Schilfhalme, können Mikroorganismen Abbauprozesse schneller und effektiver durchführen. Aus diesen Gründen setzt man Schilfröhrichte (und Binsenfelder) bei der natürlichen Abwasserhandlung in biologischen Teichkläranlagen ein. Die verflochtenen Wurzeln können Uferbereiche ausgezeichnet befestigen. Man nutzt Schilfpflanzen daher auch zur Sicherung erosionsgefährdeter Uferbereiche.

Rohrkolbenröhricht

Neben den Schilfröhrichten bilden die Rohrkolbenröhrichte für jedermann oft weit hin sichtbare Naturerscheinungen. Rohrkolbenröhrichte zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:
Rohrkolbenröhrichte besiedeln kleinere Flächen als Schilfröhrichte. Dichte Rohrkolbenbestände finden sich vor allem in Flachwasserzonen von  Teichen, Weihern,  Seen und Altarmen (Abschnitte eines ehemaligen Flusslaufes), aber auch in Ton- und Kiesgruben und an Baggerseen. Die Pflanze besitzt etwa 3 cm breite und bis zu 2 m lange bläulich-grüne Blätter, die dicht am Boden entspringen. Ab Juli sind Rohrkolben leicht zu erkennen, da dann die braun-schwarzen, samtigen Kolben am Ende der bis zu 2,5 m langen Stängel sitzen. Später löst sich der Kolben in viele einzelne kleine Samen auf, die an langen Haaren vom Wind davongetragen werden.

Lebensraum Rohrkolben-röhrichte

Aufgrund der geringeren Ausdehnung von Rohrkolbenröhrichten fehlt im allgemeinen die typische innere Röhrichtzone. Daher bleiben auch die auf diese Zone spezialisierten Vogelarten fern. Rohrammer und Sumpfrohrsänger z.B. findet man jedoch auch bereits in den kleinen Rohrkolbenröhrichten. Auch die typische Insektenfauna und die Tiere der Bodenzone des Röhrichtlebensraumes sind hier vorhanden.

Nutzung von Rohrkolben

Rohrkolben werden gerne zu Dekorationszwecken genutzt. Früher fanden auch die Stängel Verwendung zum Dachdecken. Die weiche Fruchtwolle diente als Watte und wurde beim Stopfen von Betten verwendet. Die Samenhaare wurden gemeinsam mit Schafwolle versponnen. Der stärkereiche Wurzelstock wurde gekocht gegessen und diente gebrannt als Kaffee-Ersatz. Für die Textilherstellung verarbeitete man die Blattfasern gemeinsam mit Flachs oder Hanf.

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