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Wiesen und Weiden


© Papenfuss – Atelier für Gestaltung
Foto: Arnika auf einer Wiese © Papenfuss – Atelier für Gestaltung

Wiesen und Weiden werden unter dem Begriff Grünland zusammengefasst. Beides sind landwirtschaftlich genutzte und mit Gräsern und Kräutern bewachsene Flächen. Die Zusammensetzung der Pflanzenarten auf den Grünlandflächen kann je nach Standortfaktoren wie Gestein, Landschaftsform, Klima, Vegetationsperiode, Boden, Wasserhaushalt und Nährstoffversorgung sehr unterschiedlich sein.
Vereinfacht kann man Grünland, je nachdem wieviel Wasser im Boden enthalten ist, in  trockene, normale und  feuchte Standorte unterscheiden.
Auch die Art der Bewirtschaftung hat großen Einfluss auf die Pflanzenzusammensetzung. Anhand der Bewirtschaftungsform wird in Wiesen und Weiden unterschieden. Auf Wiesen werden die Gräser und Kräuter gemäht und als Heu oder Silage geerntet. Auf Weiden wird die Vegetation von Weidetieren (Rinder, Schafe, Ziegen, Pferde) abgefressen.
Natürliches Grünland findet sich nur dort, wo keine holzigen Pflanzen wie Bäume oder Sträucher wachsen können, beispielsweise in regelmäßig überschwemmten Bereichen von  Flussniederungen, am Rand von  Sumpf- und Moorgebieten und in Gebieten, die sich oberhalb der Baumgrenze in den Alpen befinden. Das Grünland Mitteleuropas ist zum größten Teil durch die menschliche Bewirtschaftung entstanden und von ihr abhängig. Wiesen und Weiden sind ein wichtiger Teil unserer Landwirtschaft, unserer Kulturlandschaft und ein bedeutender Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen.

Wiesen & Weiden – Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Pflanzenarten der Wiese

Wiesen besitzen einen größeren Artenreichtum als Weiden – alte, gepflegte Wiesen können bis zu 200 Pflanzenarten aufweisen. Der Aufbau einer Wiese lässt sich in verschiedene Stockwerke einteilen, die jeweils ein eigenes Kleinklima und spezialisierte Bewohner haben.
Das Kellergeschoss, also die Bodenschicht, beherbergt zahlreiche Organismen, die dafür sorgen, dass pflanzliche und tierische Abfälle zu Humus verarbeitet werden. Die Porenstruktur des Bodens regelt die Durchlüftung und den Feuchtigkeitsgehalt. Ein Boden mit großem Porenvolumen ist gut durchlüftet, Feuchtigkeit kann sich gut halten und Pflanzenwurzeln werden ausreichend mit Sauerstoff versorgt. Ein sehr dichter Boden mit geringem Porenvolumen hat einen geringen Sauerstoffgehalt, so dass organische Abbau- und Umsetzungsprozesse gestört oder gehemmt sind. Bei langanhaltender Trockenheit wird solch ein Boden hart wie Beton. Die Wuchsbedingungen für Pflanzenwurzeln sind dort schlecht.
Dicht am Boden wachsen Moose. Hier findet sich auch eine Streuschicht aus abgefallenen Blättern und Stängelteilen, die durch die Bodenorganismen nach und nach zu Humus verarbeitet werden. In diesem Erdgeschoss ist es meist feucht, schattig und windstill.
Das erste Stockwerk umfasst die Rosettenblätter niedrig wachsender Kräuter. Darüber finden sich dann die Halme niederwüchsiger Gräser, viele Wiesenkräuter sowie die Blüten der Rosettenpflanzen.
Die hochwüchsigen Gräser und die Blütenstände der hohen Kräuter bilden das oberste Stockwerk, das unter direktem Einfluss von Sonne und Wind steht.

Wird eine Wiese gemäht, bedeutet das einen plötzlichen und einschneidenden Eingriff, dem nur die bodennahen Blätter und Stängel entgehen. Plötzlich kann die Sonne bis auf den Boden scheinen, während die oberen Stockwerke der Wiese verschwunden sind. Die Häufigkeit der Mahd bestimmt die Zusammensetzung der Pflanzenarten. Wird die Wiese erst nach einem längeren Zeitraum wieder gemäht, finden sich hauptsächlich Pflanzenarten, die am schnellsten Höhe gewinnen und dort auch Samen bilden. Folgt der nächste Schnitt bereits nach wenigen Wochen überwiegen Arten, die sich tief verzweigen, ihre Masse dicht am Boden bilden, und sich ohne Blüten und Samen direkt über Ausläufer oder Wurzeln vermehren können. Regelmäßig gemähte Zierrasen werden daher von niedrigen Gräsern und Rosettenkräutern beherrscht. Wiesen, die nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden, sind dagegen reich an hochwüchsigen Gräsern und hohen Stauden.

Typische Pflanzenarten: Löwenzahn, Wegerich, Klee, Wiesenrispengras,  Labkraut,  Schafgarbe,  Wiesenschaumkraut,  Herbstzeitlose,  Glatthafer, Fuchsschwanz, Doldenblütler

Pflanzenarten der Weide

Wird Grünland beweidet findet – anders als bei der Mahd – eine gezielte Auswahl der Pflanzenarten statt. Die Tiere fressen natürlich zunächst die Pflanzen, die ihnen am besten schmecken. Die höchsten Überlebenschancen haben daher Arten, die ungenießbar sind, Arten, die trittunempfindlich sind, sowie Arten, die sich auf Stellen spezialisiert haben, an denen die Tiere ihren Mist fallen lassen.
Konkurrenzstarke Futterpflanzen dominieren die Vegetation, wenn sie zwischen den Weidegängen ausreichend Zeit zur Regeneration haben.
Beispiele für verschiedene Weide-Gesellschaften sind die Weidelgrasweiden, die vor allem in Tieflagen vorkommen, und Rotschwingelweiden, die in Höhen von oberhalb 250 m zu finden sind.

Typische Pflanzenarten:
Hahnenfuß, Breitblättriger Ampfer,  Brennessel

Tierarten auf Wiesen und Weiden

Im Boden leben eine Vielzahl von Kleinstlebewesen (z.B. Regen- und Fadenwürmer) und andere Organismen (Bakterien, Pilze). In einem Löffel Boden können mehr Lebewesen vorkommen als es Menschen auf der Erde gibt. Unter einem Hektar guten Wiesenbodens leben bis zu 5 t Regenwürmer, die in einem Jahr bis zu 5 t Kot (und somit Humus) erzeugen.
Laufkäfer, Asseln, Schnecken, Ameisen, Wolfsspinnen und Kurzflügler leben auf der Moos- und Streuschicht, während sich im ersten und zweiten Stockwerk Heuschrecken, Zikaden, Blattläuse, Marienkäferlarven, netzbauende Spinnen, Schmetterlingsraupen, Blattkäfer und Blattwanzen tummeln. Die hochwüchsigen Gräser und Kräuter (Blumenköpfe) werden vor allem von Blütenbesuchern aufgesucht. Hier findet man Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Fliegen, Schwebfliegen und Blattwanzen.
Typische Säugetiere sind Maulwurf, Feldmaus und Wühlmaus. Vögel, die hier brüten (Wiesenbrüter,  Bodenbrüter), sind beispielsweise Wiesenpieper,  Braunkehlchen und Feldlerche.  Reptilienarten wie Blindschleiche und Zauneidechse  nutzen diesen Lebensraum im Grenzbereich zu anderen, Deckung und Sonnenschutz bietenden (Gehölz-)Strukturen. Mäusebussard, Storch, Amsel, Wiesel und Fuchs suchen hier ihre Nahrung.


betroffene Tierarten

 Amphibien;  Reptilien;  Säugetiere;  Vögel

 


 

 

Streuobstwiesen

Eine spezielle Variante des Grünlands sind die Streuobstwiesen. Hier werden hochstämmige Obstbäume wie Apfel-, Birn-, Mirabellen-, Pflaumen- und Kirschbäume angepflanzt. Früher waren Dörfer häufig von regelrechten Obstgürteln umrandet, die in jüngerer Vergangenheit der Anlage von Neubaugebieten weichen mussten. Vielerorts wurden Streuobstwiesen auch gerodet und in Ackerland oder intensives Grünland umgewandelt. Da Streuobstwiesen eine sehr große Bedeutung für den Natur- und Artenschutz besitzen, werden sie mittlerweile jedoch geschützt und verstärkt neu angelegt.
Streuobstwiesen werden extensiv genutzt, d.h. es werden keine Spritz- oder Düngemittel verwendet. In der Regel werden die Bäume im Herbst geerntet und im Winter geschnitten. Die Wiese diente früher der Gewinnung von Stall-Einstreu, wofür das Gras recht spät im Sommer gemäht wurde. Alte Obstbäume bilden eine große Anzahl von Baumhöhlen aus, die als Lebens- und Brutraum für viele, gefährdete Tierarten dienen. In Kombination mit den mageren, artenreichen Wiesen macht dies die besondere Bedeutung der Streuobstwiesen aus. Vögel und Fledermäuse leben in den Baumhöhlen, die auch von Schlafmäusen genutzt werden. Verschiedene Käfer- und Falterarten sind stark auf die Obstbäume der Streuobstwiese spezialisiert.

Typische Tierarten:
Steinkauz, Wendehals, Gartenrotschwanz, Grauschnäpper, Grün- und Grauspecht, Wiedehopf,  Neuntöter,  Raub- oder Grauwürger, Schwarzstirn- und Rotkopfwürger; Großer Abendsegler, Bechstein- und Fransenfledermaus; Sieben- und Gartenschläfer; Düsterkäferarten, Großer Wespenbock, Vieräugiger Pflaumenbock, Trauer-Grünwidderchen, Pflaumenzipfelfalter, Großer Fuchs, Pflaumenglucke, Obsthain-Blütenspanner

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