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Flusskrebse


Flusskrebs © Helmut Heimpel, piclease
Foto: Flusskrebs © Helmut Heimpel, piclease

Insgesamt gibt es in Deutschland 9 Flusskrebsarten. Die Krebspest, eine 1860 aus Nordamerika eingeschleppte Krankheit, Wasserverschmutzung sowie die Begradigung unserer  Gewässer haben in Deutschland die Bestände unserer heimischen Arten stark dezimiert. Zudem gelangten zunehmend fremde Flusskrebsarten in unsere Gewässer die unsere einheimischen Arten verdrängen. Man kann zwischen den drei bei uns heimischen Arten ( Edelkrebs, Bach- oder Steinkrebs, Dohlenkrebs) und den sechs eingeführten Arten (Galizischer Sumpfkrebs, Signalkrebs,  Kamberkrebs, Kalikokrebs, Roter Amerikanischer Sumpfkrebs und Marmorkrebs) unterscheiden. Flusskrebse sind Süßwasserbewohner. Sie sind mit den Hummern nahe verwandt und sehen ihnen auch sehr ähnlich.

Flusskrebse hatten früher eine große wirtschaftliche Bedeutung für die Fischerei. Bis zur Krebspest stand der Edelkrebs jahrhundertelang auf dem Speiseplan der
heimischen Küche. Auch heute noch werden Flusskrebse als Nahrungsmittel angeboten. Der Kamberkrebs, der als Ersatz für den Edelkrebs aus Nordamerika eingeführt wurde, ist zum Verzehr zu klein und konnte diesen als Speisekrebs nicht ersetzen. Da der Signalkrebs eine stattliche Größe erreicht, wurde darin ein Ersatz für den Edelkrebs gesehen. Die Tiere werden meist lebend verkauft. Allerdings sollte man diese Krebse nicht aus falscher Tierliebe heraus kaufen und im nächsten Gewässer aussetzen. Der Tod der dort heimischen Krebspopulation durch die Krebspest könnte die Folge sein.

Kamberkrebse sind bei Anglern zum Teil beliebte Köder. Wenn sie an Gewässern mit einheimischen Flusskrebsen verwendet werden, besteht die Gefahr, dass dadurch die Krebspest eingeschleppt und die vorhandenen Krebse infiziert werden. Kamberkrebse sollten daher nur als Köder verwendet werden, wenn sie zuvor z.B. durch Abkochen keimfrei gemacht wurden.

Lebensraum von Flusskrebsen

Gewässer

Flusskrebse besiedeln  Bäche, Flüsse,  Seen und  Weiher und leben meist auf dem Gewässergrund. Sie verbergen sich tagsüber in selbstgegrabenen oder bereits vorhandenen Verstecken an der Gewässersohle oder im  Uferbereich. Flusskrebse bevorzugen strukturreiche Lebensräume mit ausreichend Versteckmöglichkeiten, die am häufigsten in natürlichen oder naturbelassenen  Gewässern zu finden sind. In pflanzenreichen Gewässern sind insbesondere die kleinen einjährigen Krebse oft auch in den dichten Wasserpflanzenbeständen zu finden. Größere Krebse bevorzugen tiefere Stellen. Ihre Wohnhöhlen liegen normalerweise unter der Wasserlinie, können aber auch oberhalb der Uferlinie von  Teichen und  Flüssen, außerhalb des Wassers gefunden werden.

Deutschland

 Edelkrebs, Steinkrebs,  Kamberkrebs, Signalkrebs und Galizischer Sumpfkrebs kommen in ganz Deutschland vor. In der südwestlichen Oberrheinebene und im Schwarzwald findet man außerdem den Dohlenkrebs. Kalikokrebs und Roter Amerikanischer Sumpfkrebs wurden bisher erst in einzelne Gewässer eingeführt.

Für den in Aquarien verbreitet vorkommenden, sich ungeschlechtlich vermehrenden Marmorkrebs lagen in Deutschland bis zum Sommer 2010 nur Einzelfunde vor, doch ist mittlerweile für den Moosweiher bei Freiburg i. Breisgau eine größere Kolonie belegt. Ein weiteres Massenvorkommen in einem Dorfteich in Klepzig, Stadt Landsberg, Sachsen-Anhalt, war insofern besonders bemerkenswert, als die Tiere in größerer Zahl an Land gingen (W. Wendt, LAU Sachsen-Anhalt)

Wegen der engen Verwandtschaft zu dem in Florida ansäßigen Everglade-Sumpfkrebs war bisher die Bildung von dauerhaften Populationen im winterkalten Mitteleuropa als unwahrscheinlich eingeschätzt worden. Angesichts der hohen Vermehrungsrate muss aber damit gerechnet werden, dass die potenziell hohe Gefährdung für die heimische Krebsfauna durch diese Art in den nächsten Jahren weiter ansteigen wird.

Der aus Nordamerika stammende Kamberkrebs (Oronectes limosus) wurde ca. 1890 in Deutschland eingeführt und konnte sich ausgesprochen schnell ausbreiten. Die Art ist fruchtbarer als der Edelkrebs, stellt geringere Ansprüche an Wasserqualität und Gewässerstruktur und ist weniger anfällig für die Krebspest.

Gefährdung von Flusskrebsen

Krebspest

Die Krebspest in Europa wurde hervorgerufen durch den Pilz Aphanomyces astaci, der wahrscheinlich mit lebenden Krebsen aus Nordamerika eingeschleppt wurde. In wenigen Wochen wurden die Krebsbestände in kompletten Gewässersystemen fast ausgelöscht. Vor allem die Edelkrebspopulationen waren betroffen. Die Steinkrebse der höher gelegenen Gewässer wurden nicht im gleichen Maße dezimiert wie die  Edelkrebse.
Innerhalb einiger Jahrzehnte breitete sich die Krebspest über ganz Europa aus. Heutzutage gibt es keine über größere Gewässersysteme zusammenhängenden Bestände einheimischer Krebse mehr.

Der Galizische Sumpfkrebs (Astacus leptodactylus), eine Art aus Osteuropa, wurde in Folge der Krebspest angesiedelt, ist jedoch ebenfalls durch diese Krankheit gefährdet. Eine weitere amerikanische Art, der Signalkrebs (Pacifastacus leniusculus), wurde in den 1960er und 1970er Jahren eingeführt. Auch diese Art kann wie der  Kamberkrebs die Krebspest verbreiten ohne selbst zu erkranken. Daher ist der Besatz natürlicher  Gewässer mit diesen Krebsarten verboten.

Konkurrenz, Gewässer- verbauung

Neben der Gefährdung der heimischen Krebsarten durch die Krebspest ist die Konkurrenz der amerikanischen Flusskrebsarten, vor allem des  Kamberkrebses, die Ursache dafür, dass sich der Edelkrebs in vielen Gewässern nicht mehr ansiedeln kann. Hinzu kommt die seit Jahren anhaltende Zerstörung und Verlust der natürlichen Lebensräume durch Gewässerverbauung (Verohrung und Begradigungen) sowie durch die Wasserverschmutzung.

Zoohandel

Darüber hinaus stellt auch der Aquarien- und Teichhandel eine Gefahr für die Heimischen Krebsarten dar. Zeitweise werden viele verschiedene Flusskrebsarten im Zoohandel angeboten und neue Arten importiert. Es ist davon auszugehen das viele Arten mit dem Krebspesterreger infiziert oder Überträger sind.
Eine noch größere Gefahr stellen nicht heimische Flusskrebse dar, die in Gartenteiche ausgesetzt werden aus denen die Tiere dann häufig abwandern.

Wassersport

Eine direkte Gefährdung durch  Wassersportarten kann immer dann auftreten, wenn  Uferstrukturen verändert und beeinträchtigt werden, da sich dort die Lebensräume der Krebse befinden.

Schutz von Flusskrebsen

Lebensräume erhalten

Der Schutz der heimischen Flusskrebse  ist durch den Erhalt und die Entwicklung von geeigneten Lebensräumen wie strukturreiche  Gewässer mit ausreichend breiten, nutzungsfreien Uferbereichen sowie durch die Renaturierung von verbauten und begradigten Gewässern möglich. Amerikanische Krebsarten, die die Krebspest übertragen können, sollten nicht mehr ausgesetzt werden.

Insektizide, Fische

Insektizide sollten nicht in Gewässernähe verwendet werden, da Krebse als Gliedertiere mit Insekten nahe verwandt sind und auf die Gifte sehr empfindlich reagieren. Elektrobefischung in Krebsgewässern führt dazu, dass die Tiere ihre Scheren und Beine abwerfen und sollte deswegen hier nicht durchgeführt werden. Beim Besatz von Gewässern mit Fischen sollte bedacht werden, dass sich dadurch der Räuberdruck auf die Krebse erhöhen kann.

Biologie des Flusskrebses

Systematik

siehe  Untermenüpunkt

Körperbau

Flusskrebse sind mit dem Hummer verwandt und sehen ihm sehr ähnlich. Sie haben ein Außenskelett, das aus kalkimprägniertem Chitin besteht. Kopf und Brust sind miteinander verwachsen und werden von einem zusammenhängenden Panzer (dem Cephalothorax) überdeckt. Dieser endet zwischen den Augen in der „Krebsnase“ (Rostrum). Die Augen sitzen auf Stielen, können unabhängig voneinander in alle Richtungen bewegt werden und sind in den Panzer einziehbar. Der Hinterleib ist deutlich in fünf Ringe gegliedert.

Im Gegensatz zum Hummer sind die Scheren der Flusskrebse annähernd gleich groß. Die Panzerfarbe ist je nach Art leuchtend rot, braun bis fast schwarz. Die größten Flusskrebse leben in Tasmanien und können ein Gewicht von 6 kg erreichen. Die kleinsten Flusskrebse sind etwa 3 cm lang und leben in Nordamerika. Die größte bei uns heimische Krebsart, der Edelkrebs, kann eine Körperlänge von 20 cm erreichen.

Fortpflanzung

Im Oktober und November ist Paarungszeit. Dann ist das Männchen auch tagsüber unterwegs, um nach Weibchen zu suchen. Bei der Paarung wirft das Männchen das Weibchen auf den Rücken, hält es mit den Scheren fest und befestigt seine Spermien zwischen ihren Beinen oder auf ihrer Schwanzflosse.

Nach diesem Vorgang dauert es noch Wochen, bis das Weibchen die Eier legt. Erst dann werden die Spermien durch ein bei der Eiablage ausgeschiedenes Sekret frei und die Eier werden befruchtet. Eine Ausnahme bildet der Signalkrebs, der seine Eier innerhalb weniger Tage ablegt. Die befruchteten Eizellen haften an den Schwimmfüßen der Weibchen fest. Durch die Schwimmbewegung werden die Eier mit sauerstoffreichem Frischwasser versorgt.

Nachdem sie geschlüpft sind, was je nach Art nach wenigen Wochen oder erst nach einigen Monaten erfolgt, bleiben die jungen Krebse bis zur ersten Häutung an den Schwimmfüßen der Mutter hängen und suchen dort auch später noch Schutz. Je nach Art und Größe der Tiere produziert ein Weibchen 60 bis 400 Eier.

Völlig anders verhält es sich beim Marmorkrebs, von dem nur weibliche Vorkommen bekannt sind, die genetisch identische, ohne Befruchtung entwicklungsfähige Eier hervorbringen. Alle acht Wochen können Gelege mit jeweils bis zu 120 Eiern und mehr erzeugt werden, die vom Weibchen etwa zwei Wochen lang getragen werden (Marten et al. 2004).

Nahrung

Krebse fressen alle im Wasser vorkommenden Tiere, die sie überwältigen können: Würmer, Insekten, Schnecken, Muscheln ( Makrozoobenthos), auch  Fische, junge Bisamratten und andere Krebse werden verspeist. Aas steht ab und zu auf dem Speiseplan, ebenso wie Pflanzen, die vor allem für junge Krebse zur normalen Nahrung gehören.

Natürliche Feinde

Vor allem kleinere Krebse und Butterkrebse haben zahlreiche Fraßfeinde. Für  Fische, Bisame,  Enten, Iltis, Otter und Ratten sowie  Eisvögel, Bachstelzen und  Wasseramseln sind Krebse eine willkommene Beute.

Häufig werden Krebse von Blutegeln befallen (Krebsegel), die sich an der Körperunterseite, an den Gelenken, Kiemen und sogar an den Augenstielen festsetzen.

Verhalten

Flusskrebse sind dämmerungs- und nachtaktiv. Normalerweise gehen sie „zu Fuß“ auf Nahrungssuche, sie können sich aber auch schwimmend durch ruckartiges Einschlagen des Hinterleibes fortbewegen. Dies ist nur rückwärts möglich, was für den Krebs aber kein Problem darstellt, da er seine Augen in alle Richtungen drehen kann.

Tagsüber verstecken sich Flusskrebse in Wurzelstöcken, unter Steinen, unter anderen Objekten oder in größeren Muschelschalen. Einige Arten legen Krebsröhren an, um darin zu wohnen. Hierzu graben die Tiere mit ihren schaufelförmigen Schwanzflossen etwa 15 – 20 cm lange Höhlen in lehmige Uferböschungen. In diesen Röhren legen sich die Krebse dann zum Beutefang auf die Lauer, nur Kopf und Scheren schauen heraus.

Die Wassertemperatur hat Einfluss auf Fraßaktivität und Wachstum der Flusskrebse. Im Winter werden die Krebse inaktiv und ziehen sich in Höhlen, Verstecke oder auf den Gewässergrund zurück.

Flusskrebse atmen über Kiemen. Anders als bei Fischen bleiben die Kiemen der Flusskrebse auch außerhalb des Wassers in feuchter Umgebung tagelang funktionsfähig. Daher können sie an Land bei feuchtem Wetter überleben.

Da ihr Außenskelett nicht mitwachsen kann, „häuten“ sich Flusskrebse regelmäßig. Dabei muss der alte, zu eng gewordene Panzer abgestreift werden, um einem neuen, größeren Panzer Platz zu machen. Bei Komplikationen dieses sehr beschwerlichen Vorgangs kann es vorkommen, dass der Krebs vor Erschöpfung stirbt. In der Zeit zwischen dem Abstreifen des alten Panzers und dem Aushärten des neuen, größeren Panzers nimmt der Krebs an Größe zu. Er wird in diesem Zustand als „Butterkrebs“ bezeichnet und ist in diesen ca. 8 –10 Tagen besonders ungeschützt.

Nach der Häutung kann man die Magensteine (Gastrolithen) der Krebse finden, die ein Kalkdepot für die Häutung darstellen und bei Nichtgebrauch ausgewürgt werden. Früher schrieb man diesen Magensteinen große Heilkräfte zu; sie wurden auch „Krebsaugen“ genannt und in der Volksmedizin verwendet.

Literaturdatenbank

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