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Fische


Blutroter Juwelenbarsch © Wolfgang Wendefeuer, piclease
Foto: Blutroter Juwelenbarsch © Wolfgang Wendefeuer, piclease

Derzeit leben in Deutschlands Binnengewässern 99 Fischarten, davon sind 14 Arten ursprünglich nicht heimisch, sondern wurden eingeführt. Hinzu kommen 4 Neunaugen-Arten, urtümliche Wirbeltiere mit aalförmigem Körper und nackter Haut, die nicht zu den Fischen, sondern zu den Rundmäulern gehören.

 Tauchen,  Kajak- und Kanufahren,  Segeln,  Surfen,  Raften und Motorbootfahren können Lebensraumstrukturen, Laich von Fischen und Neunaugen zerstören, sowie die Tiere selbst schädigen. Die Ausübung des Angelsportes und die Teichbewirtschaftung können starken Einfluss auf Fische und deren Lebensräume nehmen. Da die meisten  Wassersportarten vor allem Einfluss auf Süßwasserlebensräume haben, werden im Folgenden nur Arten besprochen, die ständig oder während einzelner Lebensabschnitte im Süßwasser zu finden sind. Die reinen Meeresfische werden nicht berücksichtigt.

Lebensraum von Fischen

Gewässer

Fast alle  Gewässer Deutschlands sind mit Fischen besiedelt. Eine Ausnahme bilden sehr isolierte  Seen (z.B. im Gebirge) und Gewässer, die ab und zu trocken fallen sowie  Quellbereiche. Auch Oberläufe von  Bächen, die durch Wasserfälle oder Querbauwerke von tieferliegenden Strecken isoliert sind, oder die im Sommer nicht ausreichend Wasser führen, sind meist fischfrei.
Für das Vorkommen von verschiedenen Fischarten spielen abiotische Faktoren, wie z.B. der Sauerstoffgehalt, Wassertemperatur, Licht,  Fließgeschwindigkeit eine bedeutende Rolle.

Zunächst kann man Gewässer nach ihrem Salzgehalt unterteilen in Salzwasser, Süßwasser (Frischwasser) und Brackwasser (Flussmündungsbereiche, in denen sich Salz- und Süßwasser vermischen) unterscheiden.

Süßwasser

Bei den Süßwasserlebensräumen kann man wiederum  Stillgewässer und  Fließgewässer unterscheiden. Viele Fischarten beschränken sich nicht auf einen kleinen Gewässerbereich. Sie wandern im Laufe ihres Lebens – manche sehr weit, andere nur sehr kurze Strecken – zwischen Winterlagern, Laichplätzen und Nahrungsplätzen, aber auch, um schlechten Umweltbedingungen wie Abwasserwellen, Hochwasserwellen oder starker Trockenheit aus dem Weg zu gehen. Die stromaufwärts gerichtete Wanderung von Fischen endet häufig an Querverbauungen der Gewässer, wo größere Höhenunterschiede zu überwinden sind (Sohlabstürze).
Sicherlich am bekanntesten sind Fischarten, die sehr weite Strecken zurücklegen und dabei zwischen Salz- und Süßwasser wechseln. Man unterscheidet zwischen katadromen Arten (Aal), die zum Ablaichen flussabwärts in das Meer wandern und anadromen Arten (Lachs, Meerforelle, Maifisch, z.T. Dreistacheliger Stichling, Stör, Stint), die vom Salzwasser flussaufwärts in die Heimatgewässer wandern. Als stationär bezeichnet man Arten, die dauernd im Süß- oder Salzwasser bleiben.
Die verschiedenen Lebensräume werden auch als  Quellregion (Krenal),  Bachregion (Rhithral) und  Flussregion (Potamal) bezeichnet.

 Fließgewässer und  Stillgewässer können sehr typische Ausprägungen haben, die bestimmten Fischarten ideale Lebensbedingungen bieten. Daher können Gewässer anhand ihres Fischbestandes unterschieden werden.
Die folgende Unterscheidung in Fischregionen ist sehr vereinfacht. Betrachtet man die verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten aus Geologie, Geländeform, Boden und Vegetation, gibt es weitaus mehr Fließgewässertypen, in denen jeweils eine typische Fischfauna vorkommt.

Fließgewässer

Bei  Fließgewässern verändern sich die prägenden abiotischen Faktoren wie Fließgeschwindigkeit, Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt des Wassers und Beschaffenheit der Ufersohle von der Quelle eines kleinen Baches hinunter bis zur Mündung des mittlerweile großen Flusses auf eine ganz typische Weise. Entsprechend dieser sich verändernden Umweltbedingungen findet man auch eine typische Abfolge von Fischarten, die man diesen Gewässerabschnitten zuordnen kann. Man spricht von sogenannten Fischregionen, von der oberen Bachregion bis zur Mündung ins Meer. Da in Quellen normalerweise keine Fische vorkommen, werden diese hierbei nicht berücksichtigt.

Forellenregion (obere und mittlere Salmonidenregion):

  • Leitart Bachforelle, weitere Arten: Groppe und Bachneunauge.
  • Charakteristik: turbulentes, schnell fließendes Wasser, geringe Temperaturschwankungen, hohe Sauerstoffkonzentration und felsig/steinige Gewässersohle – wird auch unterschieden in „Obere Forellenregion“ mit Bachforelle und Groppe und „Untere Forellenregion“ (etwas wärmeres Wasser, etwas geringere Strömung, mehr Nährstoffe) mit Bachforelle, Groppe, Schmerle, Elritze und Bachneunauge.

Äschenregion (untere Salmonidenregion):

  • Leitart Äsche, weitere Arten: Döbel, Nase, Elritze, Strömer, Schneider, Huchen, Quappe, Gründling und Schmerle.
  • Charakteristik: Wechsel von ruhigem und turbulent fließendem Wasser, kühles, sauerstoffreiches Wasser, kiesige Gewässersohle.

Barbenregion:

  • Leitart Barbe, weitere Arten: Hasel, Ukelei, Gründling, Barsch und Aal.
  • Charakteristik: ruhige Strömung, nur vereinzelt turbulent, relativ sauerstoffreich, starke Temperaturschwankungen, Geröll- und Kiesablagerungen im Gewässerbett.

Brachsenregion:

  • Leitart Brachse (Brasse), weitere Arten: Schleie, Karpfen, Zander, Rotauge und Hecht.
  • Charakteristik: geringe Strömung, dichte Wasserpflanzen- und Röhrichtvegetation im Uferbereich, sandig-schlammiges Gewässerbett.

Kaulbarsch-Flunderregion:

  • Leitarten Kaulbarsch und Flunder, weitere Arten: Stint, Zander und Güster.
  • Charakteristik: Gezeiteneinfluss, Brackwasser, sandig-schlammiger Grund.

Stillgewässer

Auch  Stillgewässer lassen sich in verschiedene Seenformen mit ihren jeweils typischen Fischarten unterscheiden. Da diese Einteilung jedoch vorwiegend auf den fischereilich intensiv genutzten Fischarten und nicht auf ökologisch sensiblen Arten beruht, ist sie in ökologischer Hinsicht eher mit Vorsicht zu betrachten.

Forellensee:

  • Leitart Seeforelle, weitere Arten: Elritze, Groppe und Schmerle.
  • Charakteristik: in Gebirgslagen, klein, hoch gelegen, nur mäßig tief, kalt, reich an Sauerstoff, Seegrund mit Geröll und Kies.

Coregonensee:

  • Leitart Maränen, weitere Arten: Seeforelle, Seesaibling, Quappe und Barsch.
  • Charakteristik: sehr tief, kühle Wassertemperaturen , sogar in Bodennähe relativ hoher Sauerstoffgehalt, steile Ufer, sandiger Seeboden, meist Alpenseen.

Brachsensee:

  • Leitart Brasse (Brachse, Blei), weitere Arten: Rotauge, Rotfeder, Güster, Schleie, Hecht, Wels und Aal.
  • Charakteristik: flache Uferbereiche, Sauerstoffmangel in der Bodenregion, Faulschlammbildung am Grund, Sichttiefe im Sommer häufig weniger als 1 m.

Hecht-Schleiensee:

  • Leitarten Hecht und Schleie, weitere Arten: Rotfeder, Rotauge, Bitterling, Karausche, Giebel, Schlammpeitzger, Moderlieschen und Aal.
  • Charakteristik: sehr flach, dadurch vergleichsweise hohe durchschnittliche Wassertemperatur, Sauerstoffgehalt ist in allen Tiefen ausreichend.

Zandersee:

  • Leitart Zander, weitere Arten: Ukelei, Stint, Barsch, Aal und Stichling.
  • Charakteristik: trübes Wasser aufgrund von Algen, zeitweise in der Tiefe kein Sauerstoff, Faulschlammbildung am Grund, harte, häufig steinige Ufer.

Besatzmaßnahmen

Der heutige Fischbestand ist besonders in Seen oft das Ergebnis jahrhundertelanger fischereilicher Nutzung. Der österreichische Kaiser Maximilian etwa, ein begeisterter Jäger und Angler, ließ um das Jahr 1500 herum Forellen in abgeschiedene Tiroler Hochgebirgsseen einsetzen, deren Nachkommen dort teilweise immer noch nachweisbar sind.

Auch heute noch sind künstliche Besatzmaßnahmen in  Seen,  Bächen und Flüssen gängig. Diese Maßnahmen dienen nicht mehr nur wirtschaftlichen Zwecken oder dem Angelsport, sondern können auch ökologische Hintergründe haben, wie z.B. die Versuche zur Wiederansiedlung des Lachses. Grund dafür ist der starke Rückgang der Fischbestände als Folge von Industrialisierung und der damit einhergehenden Verschmutzung und Verbauung der Gewässer.
Andererseits stellen Besatzmaßnahmen immer einen Eingriff in das Ökosystem dar und verändern die natürliche Fischfauna.

Gefährdung von Fischen

Zerstörung des Lebensraumes

Der Verlust von Lebensraum stellt die größte Gefährdung für Fische dar. Verschmutzung und Eutrophierung (unerwünschte Zunahme eines Gewässers an Nährstoffen und damit verbundenes nutzloses und schädliches Pflanzenwachstum) der Gewässer führt dazu, dass sensiblere Fischarten nicht mehr überlebensfähig sind. Auch durch den technischen Verbau natürlicher Gewässer gehen wichtige Lebensräume verloren. Die Aufgliederung ehemals durchgängiger Fließgewässer durch Staustufen, Verbaue und selbst kurze Verrohrungen zerstückelt den Lebensraum in kleinste Einheiten und verhindert die für eine gesunde Population lebensnotwendigen Wanderaktivitäten.

Der Fischereiertrag ging in den großen Flüssen, die als Bundeswasserstrassen genutzt werden, um 90 % zurück. Der Verlust an Arten lässt sich am besten anhand der Roten Liste ablesen: Mittlerweile stehen 52 Fischarten (74 %) auf der Roten Liste der gefährdeten Tierarten der Bundesrepublik, 4 Arten gelten als ausgestorben. Obwohl der vermehrte Bau von Kläranlagen und die weitere Beschränkung von Abwasser- und Wärmeeinleitungen zu einer deutlichen Verbesserung der Gewässergüte geführt haben, ist gerade bei Arten mit sehr spezifischen Lebensraumansprüchen (stenöke Arten) ein starker Bestandsrückgang festzustellen.

Für den Erhalt der Arten und eine Erholung der Bestände ist es wichtig, die Durchgängigkeit der Fließgewässer zu gewährleisten. Mittlerweile wurden in größeren Flüssen bei Staustufen und Wehren häufig (mehr oder weniger gut funktionierende) Fischtreppen eingebaut. Die Rückkehr von Wanderfischen (Lachs, Meerforelle, Flussneunauge) in diesen Flüssen zeigt, dass die Durchgängigkeit durch diese Maßnahmen tatsächlich verbessert werden konnte. Tatsächlich sind diese Maßnahmen jedoch noch nicht ausreichend um von einer guten Durchlässigkeit sprechen zu können. Gerade die oberen Abschnitte von Flüssen und Bächen, die vor allem als Laichplätze besonders wichtig sind, sind häufig noch durch zahlreiche größere und kleinere Hindernisse zerschnitten. Und trotz neuer Richtlinien und Konzepte stellen Gewässerausbau (z.B. Begradigung, Verlegung, Veränderung der Abflussdynamik) und Unterhaltungsmaßnahmen (z.B. Entkrautung, Sohlenräumung), sowie die Entkoppelung der  Auen vom Gewässer immer noch eine grundsätzliche Gefährdung vieler Fischarten dar.

Wassersport

 Tauchen,  Kajak- und Kanufahren,  Segeln,  Surfen,  Raften, Motorbootfahren:
All diese Sportarten können direkt Einfluss auf die Fischfauna haben. Besonders problematisch sind Ein- und Ausstiegsstellen sowie sehr flache Gewässerbereiche. Laichbetten und Larven im Hohlraum-Lückensystem des Gewässergrundes können direkt zerstört oder indirekt durch das Aufwirbeln von Schlamm erstickt werden. Längeranhaltende Trübung beeinträchtigt darüber hinaus auch die Nahrungsaufnahme. Eine ständige Beunruhigung kann zu gestörter Nahrungsaufnahme, Störungen beim Ablaichen und Abwanderung sensibler Fischarten führen. Auch Schall, Schatten und Scheinwerfer von Tauchern verursachen Stress.

Teichwirtschaft und Freizeitfischerei:

Die Gefährdung der Fischfauna durch Teichbewirtschaftung (Berufsfischer) unterscheidet sich von jener durch die Freizeitfischerei. Gemäß § 14 BNatSchG muss die fischereiliche Nutzung eines Gewässers und ihre Uferzonen den Anforderungen der guten fachlichen Praxis entsprechen. Falsches Management von Angelgewässern kann zu starken Veränderungen der Fischfauna führen.

Auswirkungen der Teichwirtschaft (keine direkte Natursportart) können sein:

  • Erhöhung der Schad- und Nährstoffbelastung (z.B infolge von Nährstoffeinträgen aus dem Umland; starke Fütterung der Zuchtfische führt zu Eutrophierung) in angrenzenden Fließgewässern,
  • Entfliehen nicht heimischer Fischarten (Störe, Regenbogenforellen, Blaubandbärbling) aus den Teichanlagen (z.B. Hochwasser, Ablassen der Teiche) und
  • Teichanlagen, die entweder durch Aufstauen eines Baches oder durch Wasserentnahme und -abgabe in direkter Verbindung zu Fließgewässern stehen. Das Wasser wird in den Teichen erwärmt und dadurch sauerstoffärmer, nährstoffreicher und möglicherweise mit Krankheitserregern verseucht. Gelangt dieses Wasser unterhalb der Teichanlage in den Bach oder Fluss können sich die Gewässergüte und damit die Eignung für eine bestimmte Fischfauna ganz erheblich verändern.

Jedoch werden gelegentlich in Teichwirtschaften auch einzelne Teiche für die Freizeitfischerei ausgewiesen. Die Freizeit- oder Angelfischerei kann ebenso Auswirkungen auf das jeweilige Gewässer haben:

  • Besatz des Gewässers mit nicht einheimischen Arten – Veränderung der autochthonen Fischfauna, Gefährdung der genetischen Diversität,
  • Trittschäden an den Ufern, Ufervegetation,
  • Gezielte Beangelung einzelner Arten kann die trophischer Ebenen im Gewässer verschieben (negative Auswirkungen auf die Gewässergüte),
  • Gezielte Beangelung kann die Altersstruktur verschieben (Ausfall der natürlichen Reproduktion),
  • Watbefischung kann Trittschäden im Gewässer hervorrufen und
  • Bootsbefischung kann zur Störung brütender Vogelarten in Röhrichtbeständen führen.

Schutz von Fischen

Lebensraum erhalten

Der Schutz von Fischen und Neunaugen kann nur Erfolg versprechen, wenn genügend unbeeinträchtigte Gewässer erhalten und geschädigte oder verbaute Gewässer renaturiert oder revitalisiert werden.

Für fast alle Gewässer besteht ein Fischereirecht. Über die Fischereigesetze der Länder werden Regelungen getroffen, die dem Schutz von Fischen und Neunaugen dienen und folgende Maßnahmen umfassen:

  • Die Pflicht der Hege eines artenreichen, heimischen Fischbestandes (Erstellung eines Hegeplans).
  • Das Einschränken künstlicher Besatzmaßnahmen (z.B. Besatz nur zum Ausgleich bei beeinträchtigter natürlicher Fortpflanzung einer Fischart, zur Wiederansiedlung ursprünglich heimischer Fischarten, nach Fischsterben oder zum Erstbesatz in neugeschaffenen Gewässern).
  • Die artbezogene Einschränkung der Befischung bezüglich des Mindestmaßes der Fische und der Schonzeiten, d.h. der gesetzlich vorgeschriebenen jährlichen Zeitspanne, in der eine Fischart nicht geangelt werden darf.
  • Regelungen zur Benutzung von Gewässern und zur Verwendung von Fischereigeräten.
  • Regelungen zum Schutz von Wasserpflanzen, Fischlaichplätzen, Fischlaich, Fischbrut und des Winterlagers der Fische, Schutz der Fischnährtiere (Zoobenthos).

Naturverträglicher Wassersport

 Wassersportler sollten darauf achten, immer die gleichen Ein- und Ausstiege zu benutzen, um so wenige Gewässerstrukturen wie möglich zu beeinträchtigen. Bei niedrigen Wasserständen sollte grundsätzlich berücksichtigt werden, dass das Befahren eines Gewässers ohne Beeinträchtigung der Gewässersohle möglich ist.

Biologie von Fischen

Systematik

Unter dem Sammelbegriff Fische (Pisces) werden zwei Klassen zusammengefasst: Knorpelfische (Chondrichthyes) und Knochenfische (Osteichthyes). Häufig werden auch Rundmäuler (Cyclostomata) zu den Fischen gezählt; aufgrund des Körperbaus und verschiedener Merkmale ist es jedoch zoologisch korrekt, diese als eigene Gruppe von den Fischen zu trennen.

Die Knorpelfische, z.B. Haie und Rochen, sind ausschließlich im Salzwasser verbreitet. Bei den Knochenfischen gibt es Salzwasser- und Süßwasserarten sowie Arten, die je nach Zeitpunkt ihres Lebenszyklus entweder im Salzwasser oder im Süßwasser zu finden sind.

 Klasse Osteichthyes (Knochenfische)

Körperbau

Die typische Fischgestalt der Knochenfische ist spindelförmig, seitlich etwas zusammengedrückt mit einem fließenden Übergang der drei Regionen Kopf, Rumpf und Schwanz. Eine verschmälerte, bewegliche Halsregion fehlt. Fische besitzen paarige Bauch- und Brustflossen. Zusätzlich haben sie noch unpaarige Rücken-, After- und Schwanzflossen. All diese Flossen werden durch knöcherne Strahlen gestützt, deren Anzahl je nach Art variiert und ein wichtiges Bestimmungsmerkmal sein kann.

Manche Arten haben zwischen Rücken- und Schwanzflosse eine Fettflosse, die strahlenlos ist (Lachsartige, Stinte, Zwergwelse). Die Schwanzflosse unserer heimischen Fischarten ist symmetrisch (Ausnahme Stör). Bei vielen Arten ist der Körperbau stark abgewandelt; so hat beispielsweise der Aal einen runden Körperquerschnitt und einen durchgehenden Flossensaum am Rücken.

Je nach bevorzugter Nahrungsaufnahme einzelner Fischarten lassen sich Unterschiede in der Stellung der Mundöffnung beobachten. Bei der oberständigen Mundöffnung ist der Unterkiefer länger als der Oberkiefer. Diese Arten holen ihre Beute aus den über ihnen liegenden Wasserschichten (z.B. Rapfen). Bei der unterständigen Mundöffnung ist der Oberkiefer länger als der Unterkiefer. Diese Arten sammeln ihre Nahrung hauptsächlich vom Boden auf (z.B. Gründling). Arten mit endständiger Mundöffnung (beide Kiefer gleich lang) charakterisieren Tiere, die ihre Nahrung direkt vor sich suchen (z.B. Barsch). Diese Regeln haben natürlich auch Ausnahmen: manche Fische besitzen z.B. ein endständiges Maul und ergreifen ihre Nahrung vom Gewässergrund, indem sie mit Ober- und Unterkiefer einen Sog erzeugen, der die Beute regelrecht einsaugt (z.B. Karpfen). Viele Fischarten besitzen Barteln am Maul, auch Bartfäden genannt. Dies sind dicht mit Geschmacksknospen besetzte Anhänge der Kiefer, die meist fadenförmig sind, aber auch gefranst sein können.

Die Haut der Fische besteht aus Ober- und Unterhaut. Da im Wasser keine Gefahr besteht auszutrocknen ist die Oberhaut nicht verhornt, sondern besteht aus lebenden Hautzellen, in die zahlreiche Schleimzellen eingestreut sind. Das abgesonderte Sekret dieser Schleimzellen überzieht den Fischkörper, macht ihn schlüpfrig und vermindert dadurch den Reibungswiderstand im Wasser.

Die Fischschuppen sind Verhärtungen der Unterhaut. Sie überdecken sich dachziegelartig und werden von der Oberhaut überzogen. Sie können am Hinterrand unterschiedliche Strukturen aufweisen, die für verschiedene Gruppen typisch sind. So haben Karpfenartige Rundschuppen und Barschartige Kammschuppen. Die Schuppen wachsen mit dem Fisch; dabei entstehen Wachstumsringe, die der Alterbestimmung dienen können. Die „Schuppen“ von Stör, Stichlingen, Wels und Neunaugenarten haben mit den Hautschuppen der übrigen Fische nichts zu tun; sie sind kleine Knochenplatten.

Entlang der Körperseiten, vom Auge bis zur Schwanzflosse, findet man in der Regel eine Reihe kleiner dunkler Punkte. Dabei handelt es sich um die Öffnungen des Seitenlinienorgans. Die Kiemen der Fische liegen seitlich unter den Kiemendeckeln.

Fische besitzen ein besonderes Sinnesorgan, das als so genannter „Ferntastsinn“ (Seitenlinienorgan) bezeichnet wird. Mit ihm kann der Fisch geringste Druckschwankungen im Wasser spüren. Änderungen der Wasserströmung werden sehr sensibel wahrgenommen. Auch die Richtung der jeweiligen Strömung kann festgestellt werden. Mit Hilfe des Seitenliniensystems können sich die Fische über lokale Bewegungen des Wassers informieren; beispielsweise erkennen sie das Herannahen eines Feindes oder den Aufenthaltsort eines sich bewegenden Beutetiers. Dieses Sinnesorgan kommt nur bei Fischen, Neunaugen und  Amphibien vor.

Fische haben keine Ohren, besitzen aber ein Sinnesorgan in der Schädelhöhle, im sogenannten Labyrinth, das gleichzeitig zur Erhaltung des Körpergleichgewichtes wie auch dem Empfang von Schallwellen dient. Bei Karpfenartigen und Welsen wird sogar zusätzlich die Schwimmblase als Trommelfellersatz genutzt. Diese Schwimmblase ist ein weiteres, nur den Fischen eigenes Organ. Es handelt sich um eine luftgefüllte, manchmal unterteilte Blase, mit der der Fisch regulieren kann, in welcher Tiefe er sich aufhalten will.

Neunaugen
Die Neunaugen gehören nicht zu den Fischen, sondern zu den Rundmäulern (Cyclostomata). Dies sind primitive Wirbeltiere ohne Flossen, ohne echte Zähne, mit aalförmigem Körper und einem knorpeligem Skelett. Die Haut ist nackt und schuppenlos, Die Mundöffnung ist mehr oder weniger kreisrund und mit Hornzähnen ausgestattet. Die Neunaugen verdanken ihren Namen neun reihenförmig angeordneten, runden Körperöffnungen auf jeder Körperseite. Sieben davon sind Kiemenlöcher, hinzu kommen noch je ein Geruchsorgan und ein Auge.

Fortpflanzung

Unsere heimischen Fischarten können in Frühjahrslaicher (z.B. Hecht), Sommerlaicher (z.B. Karpfenfische) und Winterlaicher (z.B. Lachs und Forelle) unterteilt werden. Die Befruchtung der Fischeier erfolgt außerhalb des Körpers im Wasser.  

Um einen ausreichenden Vermehrungserfolg zu garantieren, produzieren Fische eine große Menge Eier. Die Entwicklung vom befruchteten Ei bis zur geschlüpften Fischlarve (Embryonalzeit) dauert bei Winterlaichern aufgrund der niedrigeren Wassertemperaturen länger als bei Frühjahrs- und Sommerlaichern.

Die frischgeschlüpfte Larve ist weitgehend bewegungsunfähig. Sie ernährt sich während der ersten Tage von ihrem Dottersack. Danach entwickeln sich die Flossen, der Körper streckt sich und der junge Fisch kann selbständig auf Nahrungssuche gehen. Einige Fischarten betreiben Brutfürsorge. Sie legen ihre Eier in extra dafür gebaute Nester und bewachen sie bis zum Schlüpfen der Larven. Beim Zander betreibt das Männchen Brutfürsorge, indem es den Eiern sauerstoffreiches Frischwasser zufächelt. Arten, die Brutfürsorge betreiben, legen meist vergleichsweise wenig Eier (z.B. Dreistacheliger Stichling).

Die Auswahl der Laichplätze erfolgt artspezifisch. Es gibt Fels/Kieslaicher (Elritze, Lachs, Bachforelle), Sandlaicher (Gründling), Pflanzenlaicher (z.B. Rotauge, Barsch, Hecht, Brasse) und Freiwasserlaicher (Renken).

Fische können zeitlebens wachsen. In der Jugend wachsen sie schneller, im Alter langsamer. Solange ausreichend Nahrung zur Verfügung steht, können sie Jahr für Jahr an Länge und Gewicht zulegen. Theoretisch könnte daher das „Anglerlatein“ von riesigen, uralten Hechten, Karpfen etc., die sich am Grunde großer Seen oder Flüsse finden, durchaus wahr sein.

Neunaugen
Die Fluss- und Meerneunaugen wandern zur Laichzeit aus dem Meer in die Flüsse (anadrome Art). Die Ukrainischen Bachneunaugen bleiben Zeit ihres Lebens im Süßwasser. Fluss- und Bachneunaugen laichen in den Oberläufen von Bächen und Flüssen in selbstgegrabenen Laichgruben auf kiesigem oder sandigem Grund. Die Tiere sterben nach dem Laichen ab. Die Larvenform der Neunaugen unterscheidet sich so stark vom erwachsenen Tier, dass sie lange Zeit als eigene Art galt (Ammocoetes). Die Larve hat noch keinen Saugmund, die Augen liegen unter der Haut verborgen. Die Entwicklung zum geschlechtsreifen Tier dauert je nach Art etwa 3 – 5 Jahre.

Nahrung

Man kann Fische anhand ihrer Ernährungsgewohnheiten grob in Friedfische, Raubfische und Allesfresser einteilen. Diese Einteilung vernachlässigt jedoch, dass sich die Nahrung sehr vieler Fischarten im Laufe ihrer Entwicklung vom Jungfisch zum erwachsenen Tier sehr stark ändern kann. Hinzu kommt, dass die meisten Arten bei Nahrungsmangel viele Dinge fressen, die sie normalerweise verschmähen würden.

Die meisten Raubfische schlucken ihre Beute unzerkleinert hinunter. Als Beute kommen kleine Tiere, die den Gewässergrund besiedeln ( Makrozoobenthos) sowie kleinere Fische und Insekten, die aus der Luft auf dem Wasser landen, in Frage.
Vor allem unter den Pflanzenfressern gibt es Zerkleinerer, die ihre Nahrung zunächst zerreiben und zerquetschen, bevor sie sie herunterschlucken. Planktonfressende Fische filtrieren ihre Nahrung mit Reusenzähnen aus dem Wasser oder greifen jedes kleine Beuteobjekt einzeln auf.

Neunaugen
Neunaugen sind Parasiten, die Fische befallen. Mit ihrem trichterförmigen Saugmaul raspeln sie Haut- und Muskelteile aus ihren Opfern heraus und nehmen deren Blut auf.

Natürliche Feinde

Fischlarven sind eine beliebte Beute für zahlreiche Tierarten, sogar für Fische selbst. Auch Kannibalismus kann vorkommen, Junghechte neigen z.B. dazu, sich gegenseitig aufzufressen. Auch erwachsene Fische werden von vielen Tierarten gerne gefressen. So sind zahlreiche Vogelarten auf Fischfang spezialisiert (z.B.  Kormoran,  Eisvogel).

Verhalten

Wasser dient der Fortbewegung, Atmung und Ernährung der Fische und bestimmt auch ihre Körpertemperatur. Jede Fischart bevorzugt einen Temperaturbereich, bei dem ihre Lebensfunktionen am besten aufrecht erhalten werden. Fische, die nur innerhalb eines sehr engen Temperaturbereiches leben können, bezeichnet man als stenotherm, z.B. Forellen, Saiblinge und Äschen. Fischarten, die einen weiten Temperaturbereich tolerieren sind eurytherm, z.B. Karpfen (8 – 30°C). Bei niedrigen Temperaturen im Winter halten die Fische Winterruhe. In der Regel suchen sie dafür tiefe Gewässerabschnitte auf, die nicht unter 4°C abkühlen, da Wasser bei dieser Temperatur die höchste Dichte hat. Der Stoffwechsel verlangsamt sich, es wird viel weniger Nahrung aufgenommen.

Einige Arten sind in der Lage, kurzzeitig Höchstgeschwindigkeiten zu erreichen. Die Forelle bringt es z.B. auf 35 km/h, der Hecht auf 25 km/h und die Barbe auf 18 km/h. Auch bei den Wandergeschwindigkeiten zeigen einige Arten sehr beachtliche Leistungen. Beim Lachs wurden Tagesstrecken von 100 km gemessen, wobei der Durchschnitt allerdings bei etwa 12 – 15 km liegt. Aale wandern maximal 36 km am Tag (flussabwärts), Flussbarben können etwa 17 km am Tag zurücklegen und selbst bei einem Karpfen wurde schon eine Strecke von 25 km am Tag gemessen.

Fische können bezüglich ihres räumlichen Verhaltens in die Gruppen potamodrome (ausschließlich Süßwasser) und diadrome (zwischen Süß-und Salzwasser) Wanderfische unterteilt werden. Die Wanderung ist dabei nicht auf ein Gewässer beschränkt. Diadrome Wanderfische lassen sich weiterhin in:
Anadrom (Reproduktion im Süßwasser)
Katadrom (Reproduktion im Salzwasser)
Wanderfische unterteilen.

Nahezu alle Fischarten führen mehr oder weniger weite Wanderungen durch. Ziel der Wanderung ist es, verschiedene Lebensräume (Habitate) im Jahreszyklus optimal zu nutzen. Wanderungen erstrecken sich z.B. zwischen Laich-, Nahrungs- und Überwinterungshabitaten. Die Länge der Wanderung wird z.B. von der Größe des besiedelten Lebensraums und der Passierbarkeit (Querbauwerke) des jeweiligen Fließgewässers bestimmt. Für den Hecht werden z.B. Wanderdistanzen von 25 km angegeben. Gerade der Hecht wandert im Frühjahr, während der Laichzeit, innerhalb des Gewässers, um geeignete Bereiche zur Reproduktion zu finden (überschwemmte Wiesen, seichte Uferbereiche). Für die Nase (Chondrostoma nasus) ergaben Untersuchungen Wanderdistanzen zwischen 100 und 400 km.

Zur Jugendentwicklung vieler Fischarten gehören kürzere oder längere Wanderaktivitäten flussabwärts, die entweder passiv mit der Strömung oder aktiv erfolgen. In späteren Lebensabschnitten müssen sie diese Strecken stromaufwärts wieder bewältigen. Hier endet die Wanderung vieler Fischarten dann an künstlichen Querbauwerken mit Sohlabstürzen. Nur wenige Fischarten können wirklich hohe Abstürze per Sprung bewältigen. Hierzu gehören Forelle und Lachs, die etwa 80 cm hoch aus dem Wasser schnellen können.

Fische sind durchaus in der Lage Geräusche zu erzeugen. Hydro-akustische Untersuchungen, die primär militärischen Zwecken dienten, widerlegten unsere Vorstellungen einer lautlosen Unterwasserwelt. Karpfen und Schlammpeitzger erzeugen z.B. Geräusche, wenn sie Luft aus ihrer Schwimmblase durch den Mund oder den Enddarm ausstoßen (!). Außerdem entstehen beim Fressen Geräusche, die z.B. bei Elritzen und Karpfen im für Fische hörbaren Bereich liegen. Elritzen erzeugen auch beim Schwimmen Geräusche, die möglicherweise für den Schwarmverband wichtig sind.

Die Fähigkeit, gelöste Stoffe im Wasser zu „schmecken“ oder zu „riechen“, ist bei einigen Fischarten außerordentlich ausgeprägt. So orientiert sich der Lachs während seiner Laichwanderung aus dem Meer bis zu den Gewässern, in denen er geschlüpft ist, u.a. an den verschiedenen Wassergerüchen, für die er eine Art „Geruchsgedächtnis“ haben muss.

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