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Feldbogenschießen


Bogenschiessen beim Naturathlon 2004 © Michael Pütsch
Foto: Bogenschiessen beim Naturathlon 2004 © Michael Pütsch

Feldbogensport verbindet die Faszination des Bogenschießens mit den Herausforderungen einer Querfeldein-Wanderung durch teilweise schwieriges Gelände. Verschiedene Bogenarten und Ziele ermöglichen zudem Variationen der Sportausübung. Gemeinsam ist ihnen allen, dass der Aufenthalt in Natur und Landschaft den besonderen Reiz des Feldbogensports ausmacht und so zur weiteren Verbreitung der Sportart beiträgt. Dies kann allerdings verstärkte Auswirkungen auf Pflanzen und Tiere haben.

Feldbogenschießen und Natur

Beschreibung der Sportart

Im Laufe der Menschheitsgeschichte wurde quer durch alle Kulturen eine große Vielfalt an Bögen entwickelt. All diese unterschiedlichen Bögen und das entsprechende Pfeilmaterial können - in verschiedene Klassen unterteilt - zum Feldbogenschießen benutzt werden. Strikt verboten ist aber die Benutzung von Jagdpfeilspitzen.
Turniere dauern in der Regel zwei bis fünf Tage und finden bei jedem Wetter statt. Die Bogensportler absolvieren dabei in kleinen Gruppen von maximal 6 Personen einen mehrere Kilometer langen Wald- und Feld-Parcours, der möglichst naturnah in die Landschaft einbezogen ist. Hierbei sind Schüsse auf Ziele in wechselnden Entfernungen abzugeben sowie steile Bergauf- und Bergabschüsse zu bewältigen. Geschossen wird je nach Disziplin auf schwarz-weiße Ringscheiben, auf Tierbildscheiben und auf sogenannte 3D-Scheiben – plastische, lebensgroße Tiermodelle aus Kunststoff.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Der Bogensportler muss, neben der technischen Beherrschung seines Gerätes, die Einflüsse der Witterung und der Geländeverhältnisse auf sein Tun abschätzen und in den jeweiligen Schuss einbringen. Der besondere Reiz liegt dabei in der Einmaligkeit der wechselnden Umfeldbedingungen. Je nach Parcours, Geländeform und Bewuchs ergeben sich andere Abschusswinkel. Unterschiedliche Hangneigungen führen zu jeweils anderen Trefferbildern. Wechselnde Lichtverhältnisse erschweren die Einschätzung der Entfernung zum Ziel. Je nach Wetterlage beeinflusst der Wind die Flugbahn des Pfeils und nicht zuletzt können Regen und Schnee bereits das Wandern auf einem Parcours zu einer besonderen Herausforderung machen. Außerdem werden Parcours bei Wettkämpfen möglichst so aufgebaut, dass die Sportler ein eindrucksvolles Naturerlebnis erwartet.

Anforderungen an den Naturraum

Für ein Turnier werden je nach Geländebeschaffenheit zwischen 5 und 10 ha  Wald und Flur benötigt, damit zwei Parcours mit je 28 Scheiben/Ziele gestellt werden können. Das Gelände sollte möglichst abwechslungsreich sein, also sowohl Steilhänge als auch ebene Flächen einschließen.  Hoch- und Buschwald sollte sich mit offenen Flächen abwechseln, so dass unterschiedliche Lichtverhältnisse an den einzelnen Scheiben das Einschätzen der genauen Entfernung erschweren. Aus Sicherheitsgründen sollte möglichst viel dichtes Buschwerk als Pfeilfang auf dem Gelände wachsen.
Auch sollte das Gelände über Feld- oder Waldwege zugänglich sein, um Verpflegungsstände und mobile Toiletten in den Parcours bringen zu können.

Auswirkungen auf den Naturraum

Wettkämpfe ziehen aufgrund der auf dem Parcours von Scheibe zu Scheibe rotierenden kleinen Teilnehmergruppen kaum größere Zuschauermengen an. Zudem ist der Bewegungsfreiraum der Zuschauer schon aus Sicherheitsgründen auf größere Waldwege beschränkt. Falls Zuschauer oder Medienvertreter eine Gruppe in einem Turnier begleiten, so geschieht dies i. d. R. nur unter Aufsicht und unter strikter Beachtung der Sicherheitsregeln. So sind auch bei weiterer Verbreitung des Sports kaum Großveranstaltungen des Feldbogenschießens zu erwarten.
Allerdings können die Aktiven, immerhin bis zu 400 bei Wettkämpfen, durchaus ein beträchtliches Störpotenzial darstellen.


betroffene Lebensräume

 Wiesen und Weiden;  Wälder

 


Naturverträgliches Feldbogenschießen

Um Flora und Fauna möglichst wenig zu beeinträchtigen, ist eine Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde und dem Jagdpächter vor Aufbau eines Parcours sinnvoll. So können sensible Bereiche wie Brut-, Nist- oder Rastplätze von vornherein vermieden werden. Generell ist das Betretungsrecht zu beachten, das in gebietsspezifischen Verordnungen geregelt ist.
Damit eine Beeinträchtigung des Wildbesatzes möglichst gering gehalten wird, darf der Turnier- und Trainingsbetrieb außerdem nur bei vollem Tageslicht laufen. Dämmerungs- und Nachtzeiten sind grundsätzlich tabu.
Um eine Belastung des Waldes zu vermeiden, sollten an den Pausenstationen Müllbehälter und mobile Toiletten aufgestellt werden. Jeglicher Abfall sollte vom Veranstalter nach einem Turnier komplett aus dem Parcours entfernt werden.
Das Training für das Feldbogenschießen findet auf genehmigten Übungsplätzen oder „stehenden“ (permanenten) Parcours statt. Dort sind in der Regel auch Aufenthaltsräume und sanitäre Anlagen vorhanden. Einzelne Vereine bieten im Winter auch ein Hallentraining an.
Natürlich kann jeder Bogenschütze auch auf seinem Privatgelände üben, solange er niemanden gefährdet bzw. Störer im Sinne des Gesetzes über Ordnungswidrigkeiten ist. Von der unorganisierten Sportausübung in  Wald und  Flur ist dringend abzuraten, da sich der individuell übende Bogensportler dort leicht dem Verdacht eines Verstoßes gegen das Jagdgesetz aussetzt. Gesetzlich verboten ist das individuelle Üben, z.B. auf einer  Wiese, allerdings nicht.

Feldbogenschießen im Detail

Geschichte

Der moderne Feldbogensport etablierte sich 1939 in den USA mit der Gründung eines nationalen Feldbogenverbandes (National Field Archery Association, NFAA). 1968 wurde der Europäische Feldbogen Verband (Archery Association Europe, AAE) gegründet, um den amerikanischen, kanadischen und englischen Feldbogenschützen, die in Deutschland stationiert waren, die organisierte Teilnahme an Meisterschaften zu ermöglichen. Im gleichen Jahr wurde der internationale Feldbogenverband (International Field Archery Association, IFAA) durch die Mitgliedsländer Schottland, England, Wales, Schweden sowie die NFAA und die AAE gegründet.
Erst 1981, anlässlich einer Weltmeisterschaft des internationalen Verbandes auf deutschem Boden, entstand der  Deutsche Feldbogensportverband (DFBV). Bis dahin durften deutsche Feldbogensportler nur als Gäste in deutsch-amerikanischen Freundschaftsvereinen an Wettkämpfen teilnehmen.
In den 90er Jahren zählte der DFBV kontinuierlich ca. 2.000 Mitglieder. Die verstärkte Nachfrage der vergangenen Jahre nach Natursportarten bescherte heute auch dem Feldbogensport viele weitere Anhänger.

Voraussetzungen

Weder traditionelle noch moderne Sportbögen unterliegen in Deutschland dem Waffengesetz oder dem Jagdrecht. Sie sind Sportgeräte und daher benötigt man keine Erlaubnis für Erwerb oder Gebrauch.
Allerdings sollte man sich vor dem Erwerb eines Bogens in einem guten Fachgeschäft oder in einen Feldbogen-Sportverein beraten lassen. Nicht alle Bögen sind gleich leistungsstark bzw. wettkampftauglich. Fachgeschäfte bieten oft Leihbögen an, mit denen man die Grundtechnik des Bogenschießens erlernen und sich danach für ein passendes Sportgerät entscheiden kann.

Zur technischen Mindestausrüstung gehören neben dem Bogen noch Pfeile, Hand- und Armschutz, eventuell ein Brustschutz und ein Köcher. Notwendig sind außerdem feste Bergschuhe, reißfeste, lange Hosen (Zeckenschutz) und Regenbekleidung. Eine Kopfbedeckung ist empfehlenswert.

Bei einem Turnier ist an zwei Tagen eine Strecke von 5-12 km mit wechselnden Geländebeschaffenheiten zurückzulegen, d.h. eine körperliche Grundfitness ist unbedingt vonnöten. Auch werden bei einem Turnier ca. 120 Pfeile pro Tag geschossen. Hat ein (leichter) Erwachsenen-Bogen ein Zuggewicht von nur 30 Pfund, so heißt dies, dass ein Bogensportler pro Wettkampftag bis zu 3.600 Pfund zu ziehen, zu halten, zu kontrollieren und zu lösen hat. Um dies zu leisten, bedarf es eines konstanten Trainings.
Der Bogensportler selbst benötigt zur Ausübung des Sportes keine behördliche Erlaubnis. Anders der Parcoursbauer oder Betreiber: Ein stehender Parcours ist eine bauliche Anlage im Außenbereich und muss daher von der zuständigen Baubehörde genehmigt werden. Diese wird dazu das Einverständnis der Unteren Naturschutzbehörde, des Forstamtes, der Eigentümer und evtl. der Jagdpächter sowie der Wasserschutzbehörde etc. einholen müssen.
Aspekte des Naturschutzes, des Gewässerschutzes, der Forstwirtschaft und Belange der Grundstückseigentümer bzw. Pächter sind aber auch bei Beantragung eines temporären Wettkampfparcours zu berücksichtigen und die entsprechenden Genehmigungen sind einzuholen.

Organisation der Sportart

In Deutschland gibt es derzeit drei Bogensport-Verbände, die das Feldbogenschießen in der ein oder anderen Variation anbieten. Das sind:
Der  DFBV, der nach den Regeln der IFAA deutsche und internationale Wettbewerbe bis hin zu Europa- und Weltmeisterschaften in den Bereichen 3D- und Feldscheibenschießen im Programm hat.
Der  Deutsche Schützenbund (DSB) ist in den Bereichen Olympisches Bogenschießen (International Archery Federation, FITA) national und international führend. Er bietet Feldbogenschießen ebenfalls national und international im Rahmen der Regeln der FITA an, hat aber 3D-Wettkämpfe auf nationaler Ebene derzeit nicht im Programm. Der DSB ist der größte Verband in Deutschland mit ca. 1,4 Mio Mitgliedern (Stand 2012), davon sind ca. 40.000 Bogenschützen.
Der  Deutsche Bogensportverband (DBSV) ist aus dem DDR–Bogensportverband hervorgegangen und bietet sowohl die olympischen Disziplinen, das Feldbogenschießen als auch 3D Wettkämpfe auf nationaler Ebene an. International allerdings wird er z. Zt. nicht anerkannt.

Seit 2006 sind DFBV und DSB im Rahmen einer besonderen Mitgliedschaft freundschaftlich verbunden, um den in den beiden Verbänden organisierten Bogensportlern (bei Doppelmitgliedschaft) die Teilnahme an den nationalen und internationalen Wettkämpfen und Meisterschaften des jeweils anderen Verbandes zu ermöglichen.

Varianten der Sportart

Varianten ergeben sich vor allem aus der Wahl der Bogenart. Wegen der Vielfalt der verschiedenen Bogentypen werden die Bogenarten in diverse Klassen unterteilt, die im Wettkampf jeweils separat gewertet werden. Die wichtigsten davon sind:

Der historische Bogen

Hierzu zählen alle Bögen, die entweder nur aus Holz oder aus anderen natürlichen Materialien hergestellt wurden, keine Pfeilauflage besitzen und einem Vorbild gleichen, das vor 1900 verwendet wurde. Diese Bögen dürfen nur mit Holzpfeilen geschossen werden.
 

Der moderne Langbogen

Dieser Bogen ist ein einteiliger Bogen, der auf Ober- und Unterseite mit Glasfasern verstärkt sein kann. Der Bogen muss aufgespannt eine runde Form (ohne Reflexzone) aufweisen. Er darf eine Pfeilauflage besitzen, wird aber ebenfalls nur mit Holzpfeilen geschossen.
 

Der Recurve-Bogen

Hierbei handelt es sich um einen Bogen, der im entspannten Zustand vom Sportler wegzeigende, gebogene Wurfarme hat. Diese Bogen dürfen aus beliebigen Materialien gefertigt sein. Verwendet werden mit Carbon verstärkte Mittelteile aus Holz oder Metall sowie Holz- oder Hightech-Wurfarme aus Kunststoff.
Der Recurve-Bogen besitzt in der Regel ein Bogenfenster und darf verschiedene Formen einer Pfeilauflage haben. Dieser Bogen kann sowohl mit Holz- als auch mit Aluminium- oder Carbon-Pfeilen geschossen werden.
 

Der Compound-Bogen

Dieser Bogen ist ein aus modernsten Werkstoffen gefertigtes Hightechprodukt mit der Besonderheit, dass durch Umlenksysteme (Rollen oder Cams) die Zugkraft, die zum Ziehen aufgewendet werden muss, um so mehr reduziert wird, je weiter der Bogen ausgezogen wird. Dieser Bogen wird mit Aluminium- oder Carbonpfeilen geschossen.
Innerhalb der beiden letztgenannten Bogenarten gibt es je nach Ausstattung, Visierung und Lösesystemen nochmals Untergruppen, die im Wettkampf separat gewertet werden.

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