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Reiten


Auf dem Rücken der Pferde die Natur geniessen © Michael Pütsch
Zwei Reiter im Wald

Die Herausforderung in dieser Natursportart ist die Kommunikation zwischen Mensch und Tier. Vom Reiter werden vor allem Kenntnisse im Umgang mit dem Pferd gefordert und die Fähigkeit, das Verhalten des Pferdes einzuschätzen und zu steuern. Daher sind auch Informationen über das Gelände, in welchem der Sport ausgeübt wird sowie eine gründliche Planung der Sportausübung für eine optimale Verständigung zwischen Reiter und Pferd wichtig. Die sich im Laufe der Zeit verstärkende Bindung zwischen Pferd und Reiter ist eine grundlegende Voraussetzung zur Ausübung des Reitens. Diese ist auch der Schlüssel zu einem intensiven Naturerlebnis, dem hauptsächlichen Reiz der Sportart.
Mittlerweile gibt es viele Varianten des Reitens, bei welchen die sportlichen Ambitionen unterschiedlich stark ausgeprägt sind. Die Ansprüche an den Naturraum sind daher auch von der jeweilig ausgeübten Variante abhängig. Da viele Reiter nicht organisiert sind lassen sich auch die Auswirkungen des Reitens auf die Natur nur bedingt kontrollieren bzw. eindämmen.

Reiten und Natur

Beschreibung der Sportart

Ursprünglich als Nutztier eingesetzt, wird das Pferd heute in Europa und Nordamerika vornehmlich als Sportpartner genutzt. Bei der Ausübung dieses Sportes ist immer zu beachten, dass das „Sportgerät“ Pferd ein Lebewesen ist, welches natürliche Bedürfnisse hat, die erfüllt werden müssen. Nur dann erhält man ein gesundes, zufriedenes und leistungsbereites Pferd – die Voraussetzung für jegliches Reiten.
Ausritte in der Natur sind bei Reitern sehr beliebt. Es gibt eine große Anzahl an Freizeitreitern. Daneben gibt es Turnierreiter. In vielen Regionen gibt es Reitwegenetze und Angebote für Freizeit- und Wanderreiter.

Wirkung der Natur auf den Sportler

Durch den Kontakt zum Pferd ermöglicht der Reitsport einen ganz speziellen Zugang zur Natur. Pferde nehmen ihre Umgebung auf ihre eigene Weise wahr und teilen dies dem Reiter mit. Dies schafft eine besondere Art der Naturverbindung, die durch das Reiten in einer reizvollen, vielfältigen Landschaft verstärkt wird. Daher ist eine als schön und natürlich empfundene Umgebung eine wesentliche Voraussetzung für die Freude an der Sportausübung.

Anforderungen an den Naturraum

Zum Reiten eignen sich am besten trittfeste und federnde Wege. Straßen mit Autoverkehr werden gemieden, da Pferde durch den Verkehr scheuen können. Im Hinblick auf die Gesundheit der Pferde wird nicht auf hartem Untergrund wie Asphalt und grober Schotter geritten, da Hufe und Gelenke der Pferde hier stark beansprucht werden.

Auswirkungen auf den Naturraum

Die gravierendsten Auswirkungen auf Natur und Umwelt hat nicht das Reiten selbst, sondern vielmehr die damit zusammenhängende infrastrukturelle Standortwahl wie z.B. die Errichtung von Reitställen und Pferdekoppeln in ökologisch wertvollen Gebieten.
Die Nutzung von  Wiesen und Weiden durch Pferdehaltung kann sehr negative Auswirkungen für die Artenvielfalt haben. Es sollte daher ausreichendes Wissen zur Bewirtschaftung von Grünland erworben werden.
Die Einwirkung der scharfkantigen Hufe auf die Vegetationsdecke und die damit verbundenen Schäden durch das Reiten an sich sind nur dann erheblich, wenn damit eine Störung von erhaltenswerten bzw. schutzwürdigen Lebensräumen mit deren Flora und Fauna (z.B.  Feuchtgebiete oder Dünenregionen) verbunden ist.



Naturverträgliches Reiten

Zu ökologischen Belastungen kommt es vor allem, wenn Reiter die Wege verlassen und in empfindliche Lebensräume vordringen. Deshalb sollte bei der Planung von Reitwegenetzen darauf geachtet werden, dass eine Art Pufferzone zwischen sensiblen Standorten und der Wegeführung bestehen bleibt. Um Querfeldeinritte zu vermeiden, sollten sich die Reitsportler auch immer über die Wegenetze informieren und insbesondere Ausritte sorgfältig planen.
Grundsätzlich darf in Deutschland nur auf Wegen und Straßen (abgesehen von Kraftverkehrsstraßen und Autobahnen) geritten werden. Der Gesetzgeber schreibt u.a. ausreichende körperliche Voraussetzungen für das Führen eines Pferdes sowie reiterliches Können vor. Ansonsten müssen sich Reiter und Kutschfahrer, wie andere Verkehrsteilnehmer auch, nach der Straßenverkehrsordnung richten.
Die gesetzlichen Vorschriften zum Reiten in der Natur sind bundesweit nicht einheitlich geregelt. Informationen zu den gesetzlichen Vorschriften in den einzelnen Bundesländern, sowie darüber, welche Wege genutzt werden dürfen, geben die jeweiligen Landespferdesport-Vereinigungen der
 Deutschen Reiterlichen Vereinigung oder die
 Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer.

Reiten im Detail

Geschichte

Schon seit der Kupferzeit (um 4.000 v. Chr.) wird in Europa das Pferd als Haustier gehalten. Seit die Zugkraft der Pferde durch Zugmaschinen ersetzt und statt Pferden Auto, Bahn und Bus als Transportmittel genutzt werden, ist die Bedeutung des Pferdes als Nutztier zurückgegangen. Heutzutage dominiert der Pferdesport und die Pferdehaltung ist hauptsächlich Freizeitbeschäftigung. Lediglich in der Forstwirtschaft werden Pferde auch heute noch in manchen Bereichen bevorzugt zum waldschonenden Holzrücken eingesetzt. In der Pferdezucht, die in vielen Ländern eine lange Tradition besitzt, wird versucht, spezielle Eigenschaften der Pferde für sportliche Ziele zu fördern.

Voraussetzungen

Um den Reitsport ausüben zu können, muss man nicht unbedingt ein eigenes Pferd haben. Zahlreiche Reitvereine und Reiterhöfe bieten neben Reitstunden auch Reitbeteiligungen und Pflegepferde an. Ein eigenes Pferd braucht häufige und regelmäßige Betreuung und ausreichend Auslauf und Futter. Pferde sollten nicht alleine gehalten werden, denn sie sind Herdentiere mit einem ausgeprägten Sozialverhalten. Häufig ist auch die Anschaffung landwirtschaftlicher Maschinen zur Hege der Weiden notwendig.
Zum Reiten gehört außer dem Pferd eine spezielle Ausrüstung, die je nach Reitstil oder ausgeübter Pferdesportvariante sehr unterschiedlich sein kann. Angemessene Kleidung, gepflegtes Sattel- und Zaumzeug (bzw. Geschirr und Kutsche), aber auch entsprechende Sicherheitskleidung wie ein Helm gehören dazu.
Die  Deutsche Reiterliche Vereinigung empfiehlt allen Reitern, die ins Gelände reiten, den Deutschen Reit-Pass zu erwerben. In Lehrgang und Prüfung muss der Reiter zeigen, dass er ein geeignetes Pferd sicher im Gelände beherrscht und die einschlägigen Bestimmungen und Empfehlungen kennt.

Organisation der Sportart

In Deutschland betreiben ca. 1,7 Mio. Menschen regelmäßig Pferdesport. Diese Gesamtzahl setzt sich aus Reitern, Fahrern und Voltigierern zusammen. Die  Deutsche Reiterliche Vereinigung FN (Fédération Equestre Nationale) ist der größte nationale Dachverband des Pferdesportes und weltweit die größte Pferdesport-Vereinigung. Die über 7.700 Reit- und Fahrvereine Deutschlands verfügen über 727.000 Mitglieder (Stand 2011). Weitere größere Reitsportverbände sind die  Vereinigung der Freizeitreiter und -fahrer in Deutschland (VFD) mit 60.000 Mitgliedern, die ebenfalls für die Rechte des Reitens und Fahrens in der freien Landschaft eintritt, der  Verein Deutscher Distanzreiter und -fahrer, der sich um Regelwerk und Wettbewerbe des Distanzreitens kümmert, sowie der  Erste Trekking Club Deutschlands (ETCD e.V.), der Trekkingreiten in Ausbildung und Wettbewerb fördert. Der ETCD hat über 200 Anlaufstellen geschaffen die Freizeitreitern, die nach Karte und Kompass unterwegs sind, dabei helfen, Unterkunft und Stellplätze für Pferde zu finden.

Varianten der Sportart

Es gibt im Reitsport eine große Anzahl an verschiedenen Disziplinen. Im Folgenden werden nur jene erwähnt, die in der Natur und nicht in Reithallen oder auf Reitplätzen stattfinden.

Reiten im Gelände, Freizeitreiten

Ist der Überbegriff für jegliches Reiten im Gelände ohne sportliche Ambitionen. Wanderreiten bezeichnet Mehrtagestouren zu Pferde.
 

Jagdreiten

Das Jagdreiten hat seine Wurzeln in der Jagd zum Nahrungserwerb, wandelte sich aber in Adelskreisen im Laufe der Jahrhunderte zu einem gesellschaftlichen Ereignis. Das Jagdreiten auf lebendes Wild ist seit den 1930er Jahren in Deutschland verboten. Bei einer Variante des Jagdreiten (Schleppjagden) wird eine künstliche Fährte ausgelegt, der eine Hundemeute auf der Spur ist.
Für die Jagdveranstaltung werden vorab bestimmte Routen ausgesucht, die ein gewünschtes Streckenprofil aufweisen. Hauptsächlich werden  Wald und  Wiesen mit bestimmten Geländeformen wie Anstiegen und Hindernissen gewählt, allerdings mit der Besonderheit, dass auch abseits von Straßen und Wegen geritten wird. Häufig werden zusätzlich künstliche Hindernisse aufgebaut. Aus diesem Grund benötigen diese Veranstaltungen die Genehmigung durch eine zuständige Behörde. Bedürfnisse der Natur, speziell der Tierwelt und anderer Raumnutzer, fließen bei der Genehmigungsentscheidung mit ein, so dass Jagdritte nur zu bestimmten Zeiten zugelassen werden. Falls private Grundstücke genutzt werden sollen, ist die Erlaubnis der entsprechenden Grundbesitzer ebenfalls einzuholen.
In der Schweiz wird das Jagdreiten in dieser Form (mit lebenden Tieren) nicht praktiziert.
 

Distanzreiten

Ist das Zurücklegen einer Geländestrecke auf Zeit. Die Einteilung in verschiedene Klassen richtet sich nach der Streckenlänge und geht von Einführungsritten mit 30 km Länge bis hin zum „Hundertmeiler“ (160 km). Überlastungen der Pferde werden durch regelmäßige Untersuchungen vermieden. Neben dem Reiten durch die Natur steht die von Pferd und Reiter gemeinsam erbrachte Ausdauerleistung im Vordergrund.

Trekking

Unter Trekking oder in der Schweiz TREC (Technique de Randonnée Equestre de Compétition) wird das Wandern zu Pferd über große Strecken verstanden. Hierfür benötigt der Reiter entsprechende Kenntnisse und das Pferd eine angemessene Ausbildung und Verfassung. Pferdegerechtes, verkehrssicheres und umweltbewusstes Verhalten sind dabei selbstverständlich. Um sicher in der Natur mit Pferden zu reisen, sind unbedingt Fähigkeiten der Geländeorientierung mit Karte und Kompass, Wissen im Umgang mit Notsituationen, Erste Hilfe für Mensch und Pferd, Streckenplanung u.v.m. erforderlich.
Der Trekking-Wettkampf ist eine Vielseitigkeitsprüfung. Er umfasst einen Einstiegsritt über maximal 20 km auf öffentlichen Wegen, eine große Trekking-Kombinationen über 40-50 km, eine Eignungsprüfung mit Pferdematerial-, Ausrüstungsmaterial-, Theorie- und Gehorsamsprüfung sowie eine Geländeprüfung.
 

Vielseitigkeits- reiten

Ist die Kombination aus Dressur, Geländereiten und Springreiten und wurde ursprünglich als Military bezeichnet. Drei Prüfungen sind zu absolvieren: Die erste Prüfung ist die Dressur, bei der Noten für die Bewältigung einer Dressuraufgabe vergeben werden. Die zweite ist das Geländereiten, bei dem eine bestimmte Strecke im freien Gelände durch Wald und Feld mit Sprüngen über Baumstämme, Gräben und andere „natürliche“ Hindernisse in einer bestimmten Zeit geritten werden muss. Die dritte ist das Springen, bei dem verschiedenartige Sprünge (über Mauern, Wassergräben, etc.) bewältigt werden müssen.
 

Freizeitfahren, Wanderfahren, Distanzfahren

Beim Fahren wird eine Kutsche o.ä. von einem oder mehreren Pferden gezogen. Wie auch beim Reiten unterliegen diese Gespanne besonderen Vorschriften bezüglich ihrer Nutzung auf Straßen und Wegen.