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Wintersport


Beleuchtete Skipiste © Axel Steiner, piclease
Foto: Beleuchtete Skipiste © Axel Steiner, piclease

Sport in frisch verschneiter Landschaft ermöglicht eindrucksvolle Naturerfahrungen. Weiße Berglandschaften, verschneite Wälder, stille Loipen oder Abfahrten im unberührten Pulverschnee bei Sonnenschein und blauem Himmel – kaum eine andere Natursportart weckt so viele Emotionen und Sehnsüchte. Wenn es Winter wird, beginnt regelmäßig spätestens zu Weihnachten der große Ansturm auf die Skigebiete der Mittelgebirge und der  Alpen. Damit verbunden sind insbesondere an den Wochenenden ein hohes Verkehrsaufkommen und lange Staus, die die Umwelt belasten. Aber nicht nur der Verkehr, sondern die gesamte mit Skigebieten verbundene Erschließung der Landschaft sowie Skibetrieb und die Pflege der Pisten führen lokal zu erheblichen Veränderungen der ursprünglichen landschaftlichen und ökologischen Situation. Zwar existieren innerhalb Deutschlands die meisten Skigebiete schon seit langer Zeit, das ändert aber nichts an der Tatsache, dass sie inmitten von Gebirgslandschaften liegen, die als Lebensräume von seltenen und vom Aussterben bedrohten Tieren und Pflanzen, als Wasserspender für sauberes Trinkwasser und als Sommer-Erholungsräume für die Bevölkerung von höchster Bedeutung sind.

Einfluss von Wintersport auf die Natur

Fläche

Da Wintersport nicht nur auf den für den Skilauf erschlossenen Flächen der Gebirgslandschaften durchgeführt wird – in den Alpen sind das nur rund 1% der Flächen – sind seine Auswirkungen auf Tiere und Pflanzen weit umfangreicher als vermutet. Während die baulichen Eingriffe in den Skigebieten, allen voran die Pistenplanierungen und die Versiegelung der Böden, zu spürbaren Veränderungen des Wasserhaushalts und damit auch zu Erosion führen können, bringt die Inanspruchnahme der Flächen außerhalb dieser Gebiete durch Freerider,  Tourengeher,  Schneeschuhwanderer,  Langläufer und andere „sanfte“ Wintersportaktivitäten eine teilweise flächige Beunruhigung sensibler Tierlebensräume mit sich. Damit verbunden sind fallweise auch Schäden an aufwachsenden Bäumen, die entweder vom Wild verbissen oder beim Befahren beschädigt werden.

Beschneiung

Die Beschneiung von Pisten und Loipen mit technisch erzeugtem Schnee ergibt sich aus der wirtschaftlichen Bedeutung des Wintersports für viele touristisch orientierte Gemeinden. Der daraus erwachsende Vorteil für die Schneesicherheit in den Skigebieten wird durch den Anstieg der mit der Beschneiung verbundenen  Belastungen für die Umwelt teuer erkauft. Mit der Beschneiung verbunden sind eine weitere Technisierung und Verlärmung der Landschaft sowie ein auf die relativ kurze Betriebszeit der Schneeanlagen bezogener derzeit noch hoher Energiebedarf.

Die durchgehende Schneebedeckung betrifft zwar nur relativ kleine Flächen, führt aber hier aufgrund der hohen Dichte des Schnees, der Nährstoffzufuhr und der je nach Höhenlage mindestens 4-6-monatigen andauernden Schneebedeckung zu Veränderungen bei Vegetation und Bodenlebewesen. Die Auswirkungen sind dabei umso größer, je nährstoffärmer die beschneiten Bereiche sind. Der auf planierten und beschneiten Pisten erhöhten Erosionsgefahr wird durch sorgfältig gepflegte Drainagesysteme entgegengewirkt. Auf beschneiten Pisten zurückgegangen sind die von den Pistenwalzen und den Skifahrern vorher verursachten Schäden an Boden und Vegetation.

Je nach Wasserreichtum eines Gebietes kann der für die Beschneiung erforderliche Wasserbedarf zum Problem werden. Um die heute in den meisten Skigebieten ab November üblich gewordene Grundbeschneiung innerhalb weniger Stunden durchführen zu können, werden die Wassermengen in eigens gebauten Speicherteichen gesammelt. Dies führt zu regelmäßig hohen Eingriffswirkungen beim Bau und in der Folge zu Flächenverbrauch und einer Veränderung des Landschaftsbildes. Die aus gewässerökologischer Sicht sehr kritisch zu betrachtende Entnahme des Schneiwassers aus Fließgewässern während der Herbst- und Wintermonate ist damit aber weitgehend entbehrlich geworden. In Abhängigkeit von den benötigten Wassermengen problematisch bleibt jedoch in eher trockenen Gebieten die Zuführung von Wasser für erforderliche Nachbeschneiungen.

Die mit der Beschneiung verbundenen Geräuschemissionen führen vor allem bei bestimmten  Vogelarten zu Vertreibungseffekten.

Schäden

In den Höhenlagen, in denen auch Alm- und Alpwirtschaft stattfindet, können durch den Skibetrieb beschädigte Flächen innerhalb weniger Jahre wiederhergestellt werden. Wesentlich problematischer sind Schäden an Boden und Vegetation mit zunehmender Höhe und oberhalb der Waldgrenze. Hier sind die der Natur vom Menschen zugefügten Wunden kaum heilbar und damit im Sommer auch immer sichtbar.

Naturverträglicher Wintersport

Alle Wintersportler sind aufgerufen, die Landschaft zu schonen sowie Lebensräume von Pflanzen und Tieren nicht zu gefährden, damit sie auch in Zukunft ihren Sport in einer weitgehend intakten Umwelt ausüben können.

Wintersportler sind daher gebeten, die folgenden Hinweise zu beachten:

  • Schutz- und Schongebiete für Pflanzen und Tiere respektieren und meiden.
  • Lärm vermeiden.
  • Informationen über das ausgewähltes Gebiet einholen.
  • Unterstützen von Wintersportorten, die sich um die Umwelt sorgen.
  • Wählen von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln zur Hin- und Rückreise.
  • Bilden von Fahrgemeinschaften bei Hin- und Rückreise mit dem privaten Auto.
  • Das Auto am Wintersportort stehenlassen und den Skibus benutzen.
  • Nur bei ausreichender, geschlossener Schneedecke (ab ca. 20 cm Festschnee) Ski und Snowboard fahren.
  • An ausgewiesene Wege, Pisten und Loipen sowie übliche naturverträgliche Skirouten halten.
  • Beachten von Pistenmarkierungen und -sperrungen.
  • Verzichten auf das Tiefschneefahren in Waldgebieten.
  • Meiden von  Waldrändern, Gehölzen, Dickichten, Aufforstungen und Jungwald, in die sich das Wild tagsüber zurückzieht.
  • Keinen Müll zurücklassen.
  • Verzicht auf extrem umweltschädliche Varianten wie Heliskiing.
  • Einrichtung und Schutz vernetzter Rückzugsräume für störungsempfindliche Tiere.